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Yayoi Kusama
9. Februar 2007 - 6. Mai 2007 Haus
der Kunst
Prinzregentenstrasse 1
D - 80538 München
Yayoi Kusama
Portrait, 2005
© Studio Kusama Die Ausstellung
Ballonskulpturen aus Vinyl füllen die Mittelhalle und bilden ein Arrangement von
zeltartigen Höhlen. Zwei sind begehbar, bei einer anderen kann man peepshowartig
nur von außen durch kleine Gucklöcher sehen. Die kleineren Ballonskulpturen
wirken wie ein Echo der größeren. Dunkelviolettes Licht scheint auf die
schwarzen Dots auf pinkfarbenem Grund. Ein Video zeigt die Künstlerin beim
Verzehr von Blumen.
Eine Produktion von Kusama Studio in Zusammenarbeit mit Franck Gautherot und
Seung-duk Kim, Le Consortium in Dijon und Chris Dercon, Haus der Kunst.
Yayoi Kusama
Portrait December 2006
showing parts of the 2007 installation at Haus der Kunst
© Yayoi Kusama Studio
Biografie und künstlerisches Vokabular
Yayoi Kusama, geb. 1929 in Nagano, Japan, arbeitete während des Krieges in einer
Fabrik, die Fallschirme herstellt. 1957 ging Kusama in die Vereinigten Staaten.
In den späten 60er-Jahren veranstaltete sie in New York zahlreiche Happenings:
Bodypainting-Festivals, Modeschauen und Antikriegs-Demonstrationen. Donald Judd
und Joseph Cornell waren ihre Weggefährten. 1973 kehrte sie nach Japan zurück,
wo sie nicht nur ausstellt, sondern auch mehrere Romane und Anthologien
veröffentlicht. Seit 1974 ist ihr ständiger, freiwillig gewählter Wohnort ein
psychiatrisches Krankenhaus in Tokio; von dort geht sie täglich in ihr Atelier.
Yayoi Kusama
Hi, Konnichiwa (Hello), 2004
Installation View Mori Art Museum, Tokyo
Courtesy Yayoi Kusama
© Studio Kusama
Yayoi Kusama begann im Alter von ungefähr zehn Jahren zu malen. Farbige Punkte –
die so genannten Polka Dots – und Netze waren von Anfang an ihre Motive. Kusama
schuf zunächst fantastische Gemälde in Wasserfarben, Pastell und Öl. Bald nach
ihrer Ankunft in New York entstanden fünf fast monochrome Ölbilder: weiße
Netzstrukturen auf weißem Grund. Statt sich wie Muster ab einem definierbaren
Punkt zu wiederholen, dehnen sich die von Kusama geschaffenen Strukturen ohne
Anfang, Ende oder Zentrum aus wie Netze. Obwohl sie keiner gängigen Regel von
Ordnung oder Symmetrie gehorchen, vermitteln sie dennoch eine gewisse
Ausgewogenheit. Die Künstlerin selbst hat diese Strukturen immer wieder mit den
Begriffen "Unendlichkeit" und "Nichts" in Verbindung gebracht. Bald bedecken
ihre Netze nicht nur Leinwände, sondern ganze Räume. Phallusförmige
Ausstülpungen wachsen aus dem Boden und aus allen möglichen Gegenständen: prall
gefüllte Stoffsäcke, die ihrerseits mit Polka Dots übersät sind. Dieser
Formensprache ist Kusama ihr Leben lang treu geblieben.
Yayoi Kusama
Pumpkin, 1994
Paint on F.R.P.
Collection Benesse Art Site Naoshima, Japan
© Studio Kusama
Bei Kusamas Bodypaintings verliert der mit Punkten Bemalte seinen Status eines
Erwachsenen; er driftet in einen un- oder vorgeschlechtlichen Zustand der
Unschuld und Anonymität. Kusama nimmt dem Individuum durch die Bemalung mit
Punkten seine Unverwechselbarkeit; "Auslöschung" nennt sie diesen Prozess. In
einem ganz im Geist der 60er-Jahre formulierten Aufruf heißt es: "Verbrennt die
Wall Street. Wall-Street-Männer müssen Farmer und Fischer werden ... Löscht die
Wall-Street-Männer aus durch Polka Dots auf ihren nackten Leibern." Wo
Individualität ausgelöscht ist, wird Verschmelzung mit dem Universum möglich.
"Unsere Erde ist nur ein Polka Dot unter vielen Millionen. Wenn Kusama deinen
Körper mit Punkten bemalt, wirst du Teil der Einheit des Universums", verspricht
die Künstlerin in einer Pressemitteilung von 1968.
Die von Kusama betriebene Selbstauslöschung durch Polka Dots kann auch als eine
spezifisch japanische Spielart des Freitods verstanden werden: freiwilliges
Ausscheiden aus dem Leben im rechten Augenblick hat in Japan kulturhistorische
Bedeutung und gilt als heldenhafte Tat. Man stirbt auf dem Höhepunkt der
Begeisterung, vergisst sich in einer Totalität ohne Widersprüche und geht in
einer kollektiven Seele auf.
"Von klein auf habe ich die runde Form von Punkten geliebt. Jahrzehnte lang
haben meine Punkte, zusammen mit Netzmustern, verschiedene Arten von Gemälden,
Skulpturen, Aktionen und Installationen hervorgebracht. Sie haben sich ganz frei
bewegt im Himmel der Formen und Gestalten.
Punkte haben mir bewiesen, dass ich lebe. Im Universum verbreiten sie stetig
wachsende Liebe und erheben meine Seele zur Höhe des Himmels.
Diese geheimnisvolle Punkt-Besessenheit. Selbst in meinen Träumen sind Punkte,
und die Kunst spielt ihnen einen Streich; die Kunst, die ich so sehr liebe." (Yayoi
Kusama 2006)
Rezeption
Man hat Yayoi Kusama für mehrere Kunstströmungen vereinnahmen wollen. Ihr
Frühwerk, die monochromen Arbeiten, wurde mit der Minimal Art in Verbindung
gebracht; ihre farbenfroheren Arbeiten sah man als Wegbereiter für die Pop Art.
Kontinuierlich wird Kusamas Werk eng mit der geistig-seelischen Verfassung der
Künstlerin parallel geschaltet: mit roher Pasta beklebte Objekte wurden als
Kommentar zu Essstörungen gelesen, die gepunkteten Endlosstrukturen als Bild
gewordener Ausdruck der Halluzinationen gedeutet, von denen Kusama seit ihrer
Kindheit heimgesucht wird.
In den 60er-Jahren warfen die Medien der Künstlerin Scharlatanerie vor, weil
deren Happenings oft eine Mischung aus Körperbemalung, Nackttanz und
orgiastischem Durcheinander waren. Ein Vokabular – etwa das begriffliche
Instrumentarium der Gender Studies –, mit dem die Kunst der Yayoi Kusama adäquat
hätte beschrieben werden können, stand noch nicht zur Verfügung. Dass die
zahlreichen öffentlichen Aktionen, in denen die Künstlerin mit den eigenen
Ressourcen schonungslos umgegangen war, zu ihrem seelischen Zusammenbruch Anfang
der 70er-Jahre geführt haben dürften, wurde meist übergangen. Denn vor dem
körperlich-seelischen Einsatz, den ein Performancekünstler leistet, fehlte die
Achtung.
Die Kopplung von biografischem Hintergrund bzw. psychischer Befindlichkeit und
Werk scheint seit 1974, als Kusama ein psychiatrisches Krankenhaus als ständigen
Wohnort wählte, legitimiert. Es ist aber durchaus denkbar, dass Kusama mit ihren
zahlreichen Hinweisen auf den psychischen Gehalt ihrer Arbeiten voller Absicht
falsche Fährten legt. Vielleicht sind ihre Arbeiten weniger von Obsession,
Phallus und Traumata geprägt, als man gemeinhin annimmt; vielleicht geht es ihr
vor allem auch um die Freude am Spiel, um die offensichtliche Lust an Wülsten,
Punkten und Spiegeln – und darum, auf die Vorurteilsstruktur der Kunstkritik
aufmerksam zu machen und sie in die Falle ihrer eigenen Gesetze zu locken.
In den 90er-Jahren kommt die späte Anerkennung. 1993 gestaltet Yayoi Kusama als
einzige japanische Künstlerin den japanischen Pavillon auf der Biennale in
Venedig. Für die beste Galerieausstellung 1995/96 und 1996/97 gewinnt sie den
Preis der International Association of Art Critics. 1998 zeigt das Los Angeles
County Museum of Art eine große Retrospektive; sie reist weiter ins Museum of
Modern Art in New York. 2006 wird Yayoi Kusama mit dem Praemium Imperiale
ausgezeichnet.
Zeitgleich ist im Haus der Kunst die Stiftung Euward zu Gast (21. März – 13.
Mai).
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Andreas Gursky
Yayoi Kusama
Wikipedia
offizielle webseite
2006 wurde sie mit dem
Praemium Imperiale („Nobelpreis der Künste“) in der Sparte Malerei
ausgezeichnet.
1970er Happenings; "Net
Paintings"
1997 D´Amelio Terras; The Mattress Factory, Pittsburgh; The Arts
Club, Chicago
1998 Walker Art Center, Minneapolis; Museum of Modern Art, New York;
Los Angeles County
1999 Robert Miller, New York
2000 Museum of Contemporary Art, Sydney; Victoria Miro, London;
Serpentine Gallery, London; Gabriele Rivet, Köln
2001 Hayward Gallery, London ; Peter Blum, New York
2002 Kunsthalle Wien; BALTIC The Centre for Contemporary Art,
Gateshead; Robert Miller Gallery, New York
2003 Biennale de Lyon; Galerie Pièce Unique, Paris ; Fabian & Claude
Walter Galerie, Zürich
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