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  Stan Douglas. Past Imperfect. Werke 1986 – 2007
 

 

Stan Douglas. Past Imperfect. Werke 1986 – 2007



Staatsgalerie Stuttgart Württembergischer Kunstverein Stuttgart
15. September 2007 – 6. Januar 2008

Vom 15. September 2007 bis zum 6. Januar 2008 präsentieren der Württembergische Kunstverein und die Staatsgalerie Stuttgart mit 14 Video- und Filminstallationen sowie über 120 Fotografien die erste umfassende Werkschau des kanadischen Künstlers Stan Douglas.

 

 

Stan Douglas, Cuba Photographs, Print Shop/Auto Shop, Habana Vieja, 2004
Foto/Photo, 121,9 x 139,1 cm

© Stan Douglas

Der 1960 in Vancouver geborene Stan Douglas zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Bereits dreimal nahm er an der Documenta (1992, 1997, 2002) und der Biennale von Venedig (1990, 2001, 2005) teil und war auf zahlreichen weiteren Biennalen vertreten. Große Ausstellungshäuser widmeten ihm Einzelausstellungen. In Stuttgart sind jedoch erstmals seine zentralen Werke der letzten 20 Jahre in einer groß angelegten Schau erfahrbar. Die von Iris Dressler und Hans D. Christ im engen Dialog mit Douglas entwickelte Ausstellung folgt keiner chronologischen Konzeption, sondern setzt an verschiedenen möglichen Lesarten des vielschichtigen Werks an.

 

 

Stan Douglas
Foto: © Michael Courtney



Kein anderer Künstler vermag es, wie Douglas auf gleichermaßen sinnliche wie intellektuelle Weise die Erfahrungsräume des Kinos, Fernsehens und Museums zu erweitern.

Im Rückgriff auf die geistigen, kulturellen und ideologischen Traditionen der Moderne stellen seine Werke eine kritische Revision der westlichen Geschichte und Gegenwart dar. Es ist das Scheitern der modernen Utopien, um das seine Arbeiten immer wieder kreisen. Ihnen allen geht die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Ort voraus – Potsdam, British Columbia, Havanna oder Detroit –, dessen Geschichte Douglas entlang literarischer, filmischer oder musikalischer Vorlagen reflektiert:

so etwa E.T.A. Hoffmanns Der Sandmann, den Grimmschen Märchen, Karl Marx‘ Das Kapital, Samuel Becketts Film oder Arnold Schönbergs Begleitmusik zu einer Lichtspielscene. Nicht selten verändert Douglas dabei zum Beispiel das Geschlecht sowie die Hautfarbe der von ihm entliehenen Protagonisten. Das scheinbar Unvereinbare wird in Beziehung zueinander gesetzt und durch die besondere Art und Weise, in der Douglas sich der audiovisuellen Medien bedient, zur offenen, mehrdeutigen Erzählung.

Zur Ausstellung erscheint ein Kurzführer (ca. 100 Seiten) sowie ein umfangreicher Katalog (Erscheinungstermin: Oktober 2007, 224 Seiten) im Hatje Cantz Verlag.

 

Stan Douglas, Suspiria, 2003
Videoinstallation, Still
© Stan Douglas

Werke

Die beiden jüngsten Videoinstallationen von Stan Douglas, Klatsassin (2006) und Vidéo (2007), zählen wie bereits Win, Place or Show (1998), Journey into Fear (2001), Suspiria (2002) und Inconsolable Memories (2005) zu den sogenannten „rekombinierenden Erzählungen“, wie Douglas die von ihm entwickelte Methode nennt. Dabei wird die Montage zwischen den verschiedenen Film- und Tonsequenzen ein und derselben Arbeit durch eine Computersteuerung vor den Augen des Betrachters immer wieder neu arrangiert. Diese Werke haben weder Anfang und Ende, noch wird der Betrachter eine Wiederholung desselben zu sehen (und zu hören) bekommen, denn es dauert mehrere Stunden, Wochen oder Monate, bis sich eine bestimmte Kombination wiederholt. Dem Betrachter erschließen sich stattdessen immer neue Variationen einer Erzählung, immer andere Kombinationen ihrer Fragmente. Douglas liefert somit einen offenen Blick auf Vergangenheit und Gegenwart, deren mögliche Wahrheiten beständig neu ins Spiel gebracht werden.

Vidéo (2007) ist ein in Farbe gedrehtes stummes Video, das die bedrückende Kameraführung aus Becketts Film Film mit der nicht minder verstörenden Erzählung aus Kafkas Roman Der Prozeß verknüpft – und beides im Kontext aktueller Migrationsproblematiken liest. Unablässig folgt die Kamera einer Frau durch finstere Räume und eine moderne Hochhaussiedlung. Justiz und obskure Agenten scheinen sich gegen sie verschworen zu haben.

Auch in Klatsassin (2006) werden Justiz und Kriminologie als verlässliche Instanzen der Wahrheitsfindung in Zweifel gezogen. Wahrheit wird vielmehr zu einer Frage der Interpretation. Im überzeichneten Stil eines Westerns, der in Westkanada zur Zeit der Goldrauschära spielt, werden fünf verschiedene Zeitpunkte, die einen Mordfall rahmen, hoffnungslos miteinander verwirrt – ebenso wie die unterschiedlichen Versionen davon, wie sich der Mord zugetragen haben könnte.

Wie hier, so kreist Douglas in einer Reihe von Werken um die Folgen, die der Aufbruch europäischer Imperien in die „Neue Welt“ mit sich gebracht hat. Der zeitliche Bogen, den er dabei spannt, reicht von der frühen Kolonialisierung (Nu•tka•, 1996), über den Aufschwung und Zusammenbruch der Industrialisierung (Pursuit, Fear, Catastrophe: Ruskin B.C., 1993) bis zur neoliberalen Gegenwart (Journey into Fear, 2001).

Diese Geschichte eines zügellosen, global expandierenden Kapitalismus erzählt Douglas entlang jener Wiedergänger, die als Kehrseite der Vernichtung des „Fremden“ die westliche Kultur von der Schauerromantik bis zum Horrorfilm bevölkern. Dass von Detroit, der einst prosperierenden Metropole der US-amerikanischen Autoindustrie, nicht mehr als eine Geisterstadt geblieben ist, nimmt er in Le Détroit (1999) beim Wort. Am Beispiel Kubas thematisiert er wiederum das Scheitern kommunistischer Utopien (Inconsolable Memories, 2005).

Douglas‘ Werke sind durchzogen von Motiven des Unheimlichen. Seine Figuren spuken zwischen den verschiedenen Zeiten, Orten und Geschichten, die Douglas ineinander verschiebt. So taucht E.T.A. Hoffmanns Sandmann (1817) in den verlassenen Ufa-Studios in Potsdam-Babelsberg auf und gerät zwischen die Zeiten der Potsdamer Schrebergärten vor und nach dem Berliner Mauerfall (Der Sandmann, 1995). Der weiße Protagonist dieser schaurromantischen Erzählung, die Sigmund Freud zu seiner Theorie des Unheimlichen führen sollte, ist bei Douglas ein schwarzer Erzähler, dessen Körper und Stimme auseinanderdriften.
In der Videoinstallation Nu·tka· (1996) erscheint die geisterhafte Ansicht der Bildzeile für Bildzeile in sich verschobenen Landschaft des idyllischen Nootka Sunds (British Columbia) wie ein doppeltes Nachbild. Die beiden parallel zu hörenden Stimmen aus dem Off, die mal für sich und mal gemeinsam sprechen, lassen den Aufbruch in die „Neue Welt“, die Verdrängung des „Fremden“ und die Geister der Schauerliteratur ineinanderfallen.

Suspiria (2002-2003) wiederum verschränkt Gestalten und Szenarien der Gebrüder Grimm, deren Märchen einst die Idee des Nationalstaats Deutschland popularisieren sollten, mit Marx‘ „Gespenstern“ des Kommunismus, die Europa einen sollten. Ferner referiert Douglas hier auf Dario Argentos gleichnamigen Horrorfilm von 1977 und zerlegt dabei das nordamerikanische Farbfernsehsystem NTSC, dessen Schatten in den labyrinthischen Gängen des Kasseler Herkules-Oktogons spuken.

In Le Détroit (1999) befindet sich das „Spukschloss“ – hier in der modernen Variante des sozialen Wohnungsbaus – an einem Ort, der schlechthin für das Ende des Industriezeitalters und des amerikanischen Traums steht: in Detroit. Die Handlung von Le Détroit spielt in „Herman Gardens“: einem verlassenen Wohngebiet Detroits, das zuvor hauptsächlich von der schwarzen Bevölkerung bewohnt wurde. Die Protagonistin (eine schwarze Polizistin?), zirkuliert zwischen ihrem Auto und dem unheimlichen Haus, um in einem endlosen Reigen Spuren auszulegen, zu entdecken und rückgängig zu machen.

Es sind veraltete Medien und deren Ästhetiken, die Douglas in seinen Arbeiten immer wieder aufgreift, denn in ihren Bildern hallt jene unwiderruflich verlorene Zeit nach, die Douglas so sehr interessiert. So verwendete er für Overture (1986) zum Beispiel Filmmaterial, das zwischen 1899 und 1901 entstand und eine Zugfahrt durch die Rocky Mountains zeigt. Pursuit, Fear, Catastrophe: Ruskin B.C. (1993) ist ein in schwarzweiß gedrehter Stummfilm, den Douglas für Arnold Schönbergs 1930 komponierte Partitur Begleitmusik zu einer Lichtspielscene produziert hat. Sie wird in der Installation von einem computergesteuerten Klavier gespielt. Auch einstige Fernsehformate werden von Douglas in Arbeiten wie Hors-champs (1992), Monodramas (1991), Evening (1994) oder Win, Place or Show (1998) aufgegriffen.

Die Fotoserien des Künstlers, die stets im Kontext seiner Film- und Videoproduktionen entstehen, reflektieren die urbanen oder landschaftlichen Schauplätze, um die auch seine filmischen Arbeiten kreisen. Sie zeigen die verlassenen Ruinen einst blühender Wirtschaftszentren, imposante Landstriche, die von Industrialisierung gezeichnet sind, oder Architekturen, die, als Verheißung moderner Utopien entworfen, heute nur mehr die Ödnis verwaister Vorstädte belegen. Darüber hinaus sind auch die fiktiven Räume von Douglas‘ Werken, das heißt die Filmstudios mit ihren Nachbauten von Schrebergärten, Schiffskabinen oder Apartments, Gegenstand seiner Fotografien.
 

Daten

Stan Douglas. Past Imperfect
Werke 1986 – 2007

15. September 2007 – 6. Januar 2008
Staatsgalerie Stuttgart und Württembergischer Kunstverein Stuttgart


Ein Gemeinschaftsprojekt von
Staatsgalerie Stuttgart und Württembergischer Kunstverein Stuttgart

Idee und Konzept
Hans D. Christ, Iris Dressler

Kuratoren der Ausstellung
Hans D. Christ, Iris Dressler

In Zusammenarbeit mit
Sean Rainbird, Gudrun Inboden
 

Kuratorenführungen
mit Hans D. Christ und Iris Dressler
Samstag, den 6. Oktober 2007
Samstag, den 17. November 2007
Samstag, den 15. Dezember 2007
Sonntag, den 6. Januar 2008
Beginn: jeweils um 15 Uhr im Württembergischen Kunstverein Stuttgart


Öffnungszeiten

Staatsgalerie Stuttgart
Di, Mi, Fr - So: 10 - 18 Uhr
Do: 10 - 21 Uhr

Württembergischer Kunstverein
Sonderöffnungszeiten !!!
Di, Fr - So: 11 - 18 Uhr
Mi + Do: 11 - 21 Uhr

Anschriften

Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Straße 30-32, 70173 Stuttgart
Fon: +49 (0)711 - 47 04 00, Fax: +49 (0)711 - 23 69 983
www.staatsgalerie.de

Württembergischer Kunstverein Stuttgart
Schlossplatz 2, 70173 Stuttgart
Fon: +49 (0)711 - 22 33 70, Fax: +49 (0)711 - 29 36 17
www.wkv-stuttgart.de

 

Katalog
Stan Douglas – Past Imperfect. Werke 1986 – 2007
Hg.: Hans D. Christ, Iris Dressler
für den Württembergischen Kunstverein Stuttgart und die Staatsgalerie Stuttgart.
Mit Texten von: Mieke Bal, Christa Blümlinger, Reinhard Braun, Hans D. Christ, Stan Douglas, Iris Dressler, Gudrun Inboden, George E. Lewis, Ivone Margulies, Katrin Mundt, Iván de la Nuez, Sean Rainbird, Charlotte Townsend-Gault.
Deutsche und englische Ausgabe, je 224 Seiten
Erscheinungstermin: Oktober 2007
ISBN 978-3-7757-2020-5, Hatje Cantz


Leihgeber
Stan Douglas Inc., Vancouver
David Zwirner Gallery, New York
Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien
Sammlung Ingvild Goetz, München
Sammlung Ringier, Zürich


Gefördert durch
das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg
das Kulturamt der Stadt Stuttgart
die Kulturstiftung des Bundes
die Regierung von Kanada, Ottawa
die Botschaft von Kanada, Berlin

Medienpartner
Monopol, Motor FM, die tageszeitung

Kommunikationspartner
Art Info, Betacity.de

Sponsor
Hotel Unger

 

 

 Büchershop



Kurzbeschreibung
Kein anderer Künstler vermag es, wie Stan Douglas (*1960 in Vancouver) auf gleichermaßen sinnliche wie intellektuelle Weise die Erfahrungsräume des Kinos und Museums zu erweitern. Hinter fast allen seinen Arbeiten steht die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Ort, dessen Geschichten entlang literarischer, filmischer oder musikalischer Vorlagen reflektiert werden.

Stan Douglas nahm jeweils bereits dreimal an der Documenta und der Biennale von Venedig teil und hatte weltweit Einzelausstellungen. Erstmals werden jedoch in Stuttgart seine zentralen Werke der letzten 20 Jahre in einer groß angelegten Schau erfahrbar. Die von den Herausgebern im engen Dialog mit Douglas entwickelte Begleitpublikation dazu setzt an verschiedenen potenziellen Lesarten des vielschichtigen Werks des Künstlers und dessen Interpretationen von Historie, Film, Literatur und Musik an. (Englische Ausgabe ISBN 97
8
-3-7757-2021-2)
 

 

Kurzbeschreibung
Unheimliche Automaten

Stan Douglas zählt zur jüngeren Generation der international viel beachteten Vancouver Schule im Umfeld von Jeff Wall und Rodney Graham. Seinen Themen nähert sich der Künstler über sorgfältige Recherchen und fotografische Serien, die er zu raffinierten Film- oder Videoinstallationen montiert und mit eigenen Projektbeschreibungen kommentiert. Diese technisch präzise umgesetzten Montagen liefern die Grundlage für seine subtile Kritik an der Gesellschaft, an Autorenschaft und Subjektivität im Übergang von mechanischer Reproduzierbarkeit zum elektronischen Zeitalter. Seine Installationen sind mediale Maschinen, unheimliche Automaten, denen der Autor zu fehlen scheint und die den Betrachter in ihren Mechanismus verstricken.

 

biografie / bilder

hier

http://on1.zkm.de/kramlich/douglas

hartware medien kunst verein, Dortmund

 


 

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