Schneider France - Kunstglas des Art Déco und der 50er Jahre
Schneider France
Kunstglas des Art Déco und der 50er Jahre
Tonhalle, Ehrenhof 1, Grünes Gewölbe
02. 12. – 18. 03. 2007
Die Manufaktur Schneider in Epinay-sur-Seine bei Paris zählt zu den profiliertesten Glasmanufakturen des Art Déco. Während der 1920er Jahre bildete sie den Gegenpol zu dem von René Lalique in Großserienproduktion formgeblasenen und gepressten Glas und bestimmte das Erscheinungsbild dieser Epoche entscheidend mit. Das Glasmuseum Hentrich verfügt aus eigenem Bestand, durch neuere Schenkungen und durch Leihgaben von Ursula und Michael Kiffe und Barlach Heuer über die wohl umfassendste Sammlung von Schneider-Gläsern in öffentlichem Besitz.
Die Brüder Ernest und Charles Schneider hatten erste Berufserfahrungen in der großen Kunstglasmanufaktur Daum Frères in Nancy gewonnen, die als die großen Konkurrenten Emile Gallés den französischen Jugendstil entscheidend mitgeprägt hat. Bei Daum wurde bevorzugt die Arbeit mit ein- oder aufgeschmolzenem Farbglaspulver eingesetzt, eine Technik, die die Brüder Schneider in ihrer 1915 neu gegründeten Firma aufgriffen und für die Gläser ihrer Produktion weiter entwickelten. Dabei loteten sie die Möglichkeiten dieses vorzüglich für raffinierte Farbwirkungen geeigneten Verfahren bis zum letzten aus.
Die ungemein vielfältige und umfangreiche Produktion der Verreries Schneider blieb im Wesentlichen auf die Jahre zwischen 1918 und 1931 beschränkt. Im Gefolge der Weltwirtschaftskrise geriet die Firma in unüberwindliche Schwierigkeiten; es wurde nur noch gelegentlich in Epinay-sur Seine gearbeitet und 1938 ging die Fabrik, die in ihrer Blütezeit als die größte Kunstglasmanufaktur der Welt galt, in Konkurs.
Die ca. 150 Gläser umfassende Ausstellung zeigt eine hochrangige Auswahl der von Charles Schneider entworfenen beiden Produktionslinien der Firma. Als nahezu revolutionär wurden von den Zeitgenossen die nur mit dem Namen
Schneider signierten, in kontrastierenden Farben und formal oft ans Bizarre grenzenden Formen gestalteten Gläser gesehen. Sie wurden meist unmittelbar am Ofen, ohne weitere Dekoration fertiggestellt. Die „Coupes bijoux“ der Manufaktur Schneider, zum Teil in leuchtenden „Tango-Farben“, entwickelten sich zu den beliebtesten gläsernen Zierobjekten der Zeit in Frankreich.
Ähnlich erfolgreich, wenn auch weniger zukunftsweisend, war die mit der Be¬zeichnung „Le Verre Français“ oder „Charder“ signierte Produktions-Linie, die ihre Wirkung geätzten Dekoren in zeitgemäßer Stilisierung verdankte. Im Sinne der Formvorstellungen des Art Déco wurden die floralen Motiven des Jugendstils abstrahiert und in neue, auf Symmetrie gegründete Ordnungen eingebunden.
Weniger bekannt als die umfangreiche Produktion der 1920er Jahre sind die Gläser, die in den 50er und 60er Jahren nach Entwürfen Robert Henri Schneiders, des jüngeren Sohns von Charles Schneider, in der 1946 in Epinay-sur-Seine durch Charles Schneider jr. gegründeten Cristallerie Schneider entstanden. Diese von den Verreries Schneider völlig unabhängige neue Manufaktur wurde nach einer Gasexplosion 1962 nach Lorris/Loiret verlagert. Die Gläser dieser Hütte verzichten fast ganz auf die Verwendung von Farbglas und sind durch einen kraftvoll skulpturalen Stil gekennzeichnet.
Der dem Glasmuseum Hentrich seit langem eng verbundene Pariser Sammler Barlach Heuer hat eine größere Gruppe dieser Gläser erwerben können. Sie werden erstmals in der Ausstellung gezeigt.
Für weitere Informationen:
Stiftung museum kunst palast
Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf
info@museum-kunst-palast.de
www.museum-kunst-palast.de
Dr. Helmut Ricke
Leiter Glasmuseum Hentrich
Telefon: +49 (0) 211-89 92461
Telefax: +49 (0) 211-89-29173
Helmut.ricke@
museum-kunst-palast.de
Öffentliche Führungen:
09.01.2007 um 16 h,
04.02.2007 um 11 h,
08.02.2007 um 17h,
13.03.2007 um 16h.
Öffnungszeiten: Di-So: 11h-18h, Mo geschlossen
Vorankündigung:
02.03.2007 - 26.08.2007
Günther Thorn - Kalkül und Romantik
Zum Auftakt einer Reihe raumbezogener Installationen zeigt das Kunstmuseum Düsseldorf in seinem neu eröffneten Glasmuseum Hentrich eine umfangreiche Werkreihe des Kölner Künstlers Günter Thorn.
„Kalkül und Romantik“ ist eine Installation von lebensgroßen und dennoch filigran wirkenden Glasskulpturen aus den Jahren 1991-2006. In den aufeinander bezogenen Arbeiten verbinden sich frühere Werke wie das Paar „Alpha und Omega“ mit neuen, für die Ausstellung geschaffenen Objekten zu einem neuen Ganzen.
Die Düsseldorfer Ausstellung führt die wesentlichen Merkmale und Phasen im Werk des Künstlers vor. Fasziniert von den Möglichkeiten einfacher, geometrischer und physikalischer Konstruktions-Prinzipien schafft Günter Thorn minimalistische Plastiken, die eine hohe Spannung zwischen dem labilen Gleichgewicht der Konstruktion und dem fragilen Material des Glases in sich bergen. Die Balance der auf das menschliche Maß bezogenen Figuren wird in jeder Arbeit neu hinterfragt. Im Wechselspiel des Wunsches nach eigener Annäherung und der abweisenden Distanz des Werks sieht sich der Betrachter.
Günter Thorn hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und war seitdem in zahlreichen Ausstellungen vertreten, zuletzt in der Düsseldorfer Gruppenausstellung der Klasse Irmin Kamp mit der Installation „Rosenboden“.