Kunstepochen

 

Realismus

 

Der Realismus in der Kunst ist eine Gestaltungsweise in Malerei und Plastik, deren Ergebnis ein Abbild der sichtbaren Wirklichkeit ist; darüber hinaus kann realistische Darstellung zugleich Deutung und Wertung des abzubildenden Sujets beinhalten. Hier liegt der Unterschied zum Naturalismus, der auf die naturgetreue, objektive Wiedergabe des Bildmotivs hinzielt. Der Begriff Realismus wird in der Kunstgeschichte z. B. für die spätromanische Porträtplastik angewandt. Der Realismus als Kunstrichtung des 19. Jahrhunderts kann auch als Reaktion auf die idealisierende Romantik aufgefasst werden. Zeitgenössische Künstler sind hier u. a.:


Jean Francois Millet (1814-1875), Gustave Courbet (1819-1877), Honoré Daumier (1808-1879), Wilhelm Leibl (1844-1900), Adolph Menzel (1815-1905) und Ilja Repin (1844-1930)

Eine weitere Form des künstlerischen Realismus im 20. Jahrhundert wiederum ist die „Neue Sachlichkeit“, Titel einer Ausstellung von 1925 in der Kunsthalle Mannheim mit Werken von 32 Künstlern, die von einer Überschärfe in der Darstellung von Gegenständen und Figuren gekennzeichnet waren. Ein anderer Begriff für diese Kunstform ist auch der „Magische Realismus“. Die bekanntesten Vertreter der Neuen Sachlichkeit sind Otto Dix (1891-1969), Christian Schad (1894-1982), Georg Schrimpf (1889-1938), Christian Schad (1894-1982), George Grosz (1893-1959), Elfriede Lohse-Wächtler (1899-1940), Karl Hubbuch (1891-1979) und Franz Radziwill (1895-1983).

Nicht vergessen werden darf der sozialistische Realismus, die 1932 in der Sowjetunion (und damit auch später für die DDR) beschlossene Leitlinie für die Kunst bzw. die im nationalsozialistischen Deutschland vorherrschende künstlerische Ideologie, die jegliche Tendenzen expressionistischer Kunstformen als entartet kennzeichnete und verbot.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts bis heute ist eine immer wieder neu entfachte Hinwendung zu wirklichkeitsbezogener Darstellung zu verzeichnen, etwa im Amerikanischen Realismus (z. B. Edward Hopper, 1882-1967) oder im Fotorealismus (z. B. Chuck Close, geb. 1940, oder Franz Gertsch, geb. 1930) oder selbstverständlich auch in der so genannten „Leipziger Schule“ der DDR, vertreten etwa durch Bernhard Heisig (geb. 1925), Wolfgang Mattheuer (geb. 1927), Willi Sitte (geb. 1921) oder Werner Tübke (1929-2004) bzw. in der Gegenwart die „Neue Leipziger Schule“, deren Vertreter u. a. Arno Rink (geb. 1940) oder Neo Rauch (geb 1960) sind.


Auszüge aus: DAS GROSSE BERTELSMANN LEXIKON 2001
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