Museum Ludwig Köln

Pierre Klossowski


Ausstellung: 22. Dezember 2006 – 18. März 2007

 

Pierre Klossowski: Les barres parallèles III, 1975.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006



Der 1905 in Paris geborene Philosoph, Schriftsteller, Übersetzer und bildende Künstler Pierre Klossowski begann erst im Alter von 67 Jahren mit Farbstiften zu zeichnen. Hierbei eignet sich Klossowski die Bilder und Mythen aus der Geschichte der Malerei an. Diese verpflanzt er in eine moderne, von Alltagsgegenständen besetzte Umgebung und versetzt sie damit in die eigene Welt und Zeit.



Trotz der erotisch aufgeladenen Darstellungen wird der Betrachter nicht zum Voyeur, wie es z. B. vor den großen Holzskulpturen von Jeff Koons der Fall ist, die ihn beim Sex mit Cicciolina zeigen - diese sind übrigens zur gleichen Zeit entstanden wie die Skulpturen Klossowskis. Ganz im Gegenteil: Der Betrachter wird in das Werk hineingezogen, bis er, mit den eigenen Worten Klossowskis, " sich innerhalb eines Bereichs seines Selbst im Bilde erkennt".

 

Pierre Klossowski:
Roberte agressée par les esprits qu'elle a censures,
1976. © VG Bild-Kunst, Bonn 2006



Auch wenn Klossowski mit den lebensgroßen Figuren in seinen Zeichnungen den Betrachter gleichsam verführt, verleiht er diesen Figuren durch den zarten Bleistiftauftrag eine solch diaphane Erscheinung, dass sie sich fast aufzulösen und ihre Gegenwärtigkeit zu verlieren scheinen. Daher zeigt sich die dem Werk innewohnende Erotik nicht in der Darstellung des Körpers, sondern vielmehr in den versteckten Blicken und den zweideutigen Gesten, d.h. in der zwischen den Figuren zu spürenden knisternden Spannung.

Seine großformatigen Zeichnungen stellte Klossowski, ermutigt durch Freunde wie Alberto Giacometti und André Masson zum ersten Mal 1955 in Paris im Atelier seines Bruders Balthus aus. Die erste öffentliche Ausstellung seiner Zeichnungen fand 1967 in Paris statt; es folgten weitere weltweit, u.a. Retrospektiven in Bern (1981), Nizza (1982), Marseille und Madrid (1991), sowie Wien (1995) und Ausstellungsbeteiligungen an der documenta VII, Kassel, 1982, und Bilderstreit, Museum Ludwig/Kölner Messe, 1989.

 

Pierre Klossowski: Diane et Actéon, 1954.
 © VG Bild-Kunst, Bonn 2006



Die Ausstellung im Museum Ludwig, die in der Whitechapel Art Gallery, London ihren Ursprung nahm und weiter zum Centre Georges Pompidou, Paris wandern wird, beinhaltet rund vierzig, meist großformatige Zeichnungen und drei Skulpturen.

Begleitet wird sie von einer informativen Publikation (aus dem Verlag Hatje Cantz) mit Beiträgen von Alyce Mahon, Catherine Millet, Sarah Wilson, Anthony Spira über das Werk Klossowskis, Texten vom Künstler selber und der ersten ausführlichen, reich illustrierten Biografie von Kathleen Brunner.

Im Sommer 2007 (18.8. – 4.11.) zeigt das Museum Ludwig die erste Balthus-Ausstellung in Deutschland. Hierdurch entsteht innerhalb eines kurzen Zeitraums ein noch nie dagewesener Überblick über das außergewöhnliche, selten gezeigte Werk des beispiellosen Bruderpaars Klossowski – Balthus.

 

Pierre Klossowski:
 Le jeune Ogier dans les bras du Frère Lahire, 1972.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006

 

 

Pierre Klossowski

»Dass die Körper sprechen, auch das wissen wir seit langem.« Gilles Deleuze über Pierre Klossowski

Der bedeutende französische Philosoph, Schriftsteller, Übersetzer und bildende Künstler Pierre Klossowski (1905–2001), der eng mit Georges Bataille befreundet war, formulierte originäre Standpunkte zu einer ganzen Reihe von theologischen Fragen und zur Philosophie de Sades. Klossowskis erster Roman, Die Gesetze der Gastfreundschaft, erschien 1954 in einer limitierten Sammlerauflage mit sechs eigenen erotischen Zeichnungen. In der Folge produzierte er zahlreiche lebensgroße erotische Szenen mit mythologischen, allegorischen und philosophischen Konnotationen.

Einer breiten Öffentlichkeit blieb das hoch erotische Werk Klossowskis bislang unbekannt. Mit diesem Band lässt sich ein künstlerisches Œuvre entdecken, das ohne Beispiel in der Kunstgeschichte ist. (Deutsche Ausgabe ISBN 3-7757-1791-9)

Ausstellungen: Whitechapel Gallery, London 20.9.–19.11.2006 · Museum Ludwig, Köln 21.12.2006–18.3.2007 · Centre Georges Pompidou, Paris 2.4.–4.6.2007

 

 

Museum Ludwig
Bischofsgartenstr. 1
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E-Mail info@museum-ludwig.de

Öffnungszeiten:
Di-So 10-18 Uhr, jeden
1. Fr im Monat 10-22 Uhr

Eintrittspreise:
Tagesticket: 7,50 €, ermäßigt 5,50 €
Gruppen (ab 20 Personen): 6,50 €
Familienticket: 18 €
auswärtige Schüler: 3€

Öffentliche Führungen
sind auf 30 Personen beschränkt.
Informationen zu Führungen und praktischen Kurse
entnehmen Sie bitte den Seiten des Museumsdienstes.

siehe auch:

Museum Ludwig Köln  Das achte Feld –
Geschlechter, Leben und Begehren in der Bildenden Kunst seit 1960
19. August – 12. November 2006  weiter hier

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6. September bis 26. November 2006 weiter hier

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