Pressemitteilung Mozartjahr 2006

 

Pressetexte Stadt Salzburg


Mozart und historischer Hintergrund


W. A. Mozarts Lebensweg fällt in die Zeit des aufgeklärten Absolutismus. Eine Zeit, die
gleichsam Entrée zur Revolution war. Die Französische Revolution fand in Österreich
ihr Pendant in der Auflösung starrer Strukturen von Staat und Kirche. In dieser Phase
des Umbruchs versuchte sich Mozart als freischaffender Künstler und war damit ein
Kind seiner Zeit: emanzipiert, unabhängig und revolutionär.
Mozarts Geburtsstadt Salzburg war die Haupt- und Residenzstadt des gleichnamigen
Fürstenstums. Das Land Salzburg, das erst 1816 österreichisch wurde, war damals einer von vielen hundert deutschen Kleinstaaten. Regiert wurde es von einem Erzbischof: Es war ein katholisches, geistliches Fürstentum, der Erzbischof war nicht nur kirchlicher, sondern als Landesfürst auch eine staatliche und politische Autorität. Die Habsburger stellten die Kaiser des Reiches. Österreich war eine schon damals verwendete, nicht ganz korrekte Kurzbezeichnung für alle habsburgischen Länder, die als  Österreichische Erbländer zusammengefasst wurden. Sie wurden von den Habsburgern nach und nach vereinigt, zentral verwaltet und als staatliche Einheit betrachtet. Die Landeshauptstadt hatte etwa zehntausend Einwohner und verdankte ihren Reichtum dem Salzbergbau und der Salzschifffahrt. Insgesamt hat Mozart friedliche Zeiten erlebt. Der Siebenjährige Krieg (1756 1763), in dem es darum ging, ob Schlesien zu Preußen oder zu den habsburgischen Ländern gehören sollte, hat das Leben in Salzburg nicht tangiert.
Als Österreich aufgrund eines Bündnisses mit Rußland in einen Krieg mit der Türkei gezogen wurde, hat dies in Wien keinerlei negative Auswirkungen gehabt. Allerdings führte der Krieg zu einer großen patriotischen Begeisterung, die auch in einer Reihe von Gelegenheitswerken Mozarts ihren Niederschlag gefunden hat. Mozart hat unter folgenden Regenten gelebt: In Salzburg unter den Landesfürsten Erzbischof
Siegmund Graf Schrattenbach (regierte 1753 1771) und Erzbischof Hieronymus Graf
Colloredo (regierte 1772 1801).

Als Regenten der habsburgischen Länder erlebte Mozart Maria Theresia (regierte 1740
1780), erst gemeinsam mit ihrem Gatten Franz I. Stephan, nach dessen Tod 1765 gemeinsam mit ihrem Sohn Joseph II., der ihr als Alleinregent 1780 nachfolgte (bis 1790). Als Kaiser regierten zu Mozarts Zeiten: Franz I., sein Sohn Joseph II. wurde zu seinem Nachfolger gewählt, der als Kaiser von 1765 bis 1790 regierte. Nachfolger Josephs II. als Regent wie als gewählter Kaiser wurde dessen Bruder Leopold II. (regierte 1790 1792).
Die Zeit, in der Mozart lebte, war in Staat wie Kirche eine Zeit des Umbruchs. Die alte
gesellschaftliche Ordnung wandelte sich. Im Staat und in der Verwaltung wurde die strenge Unterscheidung zwischen Obrigkeit und Untertan in Frage gestellt, die Grenzen zwischen Adel und Bürgertum begannen sich aufzulösen, ebenso wie jene zwischen Stadt- und Landbevölkerung.
Der Bau des  Neutores (1764 1767) steht signifikant für das Öffnen der kleinen,
abgekapselten Residenzstadt Salzburg.
1774 wurde das allgemeine Schulwesen eingeführt, 1776 die Folter im Zusammenhang mit Gerichtsverfahren abgeschafft, 1781 die allgemeine Religionsfreiheit eingeführt. 1789 trat eine neue Steuergesetzgebung in Kraft, die vom Gleichheitsgrundsatz ausging und gegen die alte Feudalherrschaft gerichtet war.
Die kirchlichen Reformen dieser Jahre waren vom nüchternen, rationalen Denken der
Aufklärung bestimmt. Die Zahl der Feiertage wurde vermindert, unzählige Klöster
aufgehoben, neue Gottesdienstordnungen erlassen.
Politische und kirchliche Reformen fanden ihre Entsprechung in der Musik. Mozarts Drang, ein unabhängiger, freischaffender Künstler zu sein, findet in der Geistesgeschichte dieser Zeit seine Entsprechung. Die Emanzipation und das neue Selbstbewusstsein des Bürgertums haben die alte ausschließliche Bedeutung der Adels- und Hofmusik innerhalb der Musikszene beendet. Adel und Bürgertum traten gemeinsam als Besucher öffentlicher Konzerte auf.
Diese und weitere Phänomene der staatlichen und kirchlichen Entwicklung finden ihren
Ausdruck in Mozarts Biografie, als auch in seiner künstlerischen Arbeit.

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Die Familie Mozart


Eine Familie zwei Wunderkinder. Das besondere Talent der Mozart-Kinder war eine
Herausforderung für die Eltern und das gesamte Umfeld. Der Vater, Leopold Mozart,
suchte sein Glück im Ruhm seines Sohnes und nahm dafür größte Strapazen und
Anstrengungen auf sich. Als Mozart seinen eigenen Weg ging, ließ er den enttäuschten,
alten Mann in Salzburg zurück.
Johannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart, besser bekannt als Wolfgang
Amadeus Mozart, wurde am 27. Januar 1756 in der Salzburger Getreidegasse 9 geboren.
Seine Eltern Leopold und Maria Anna Mozart bangten bei der Geburt ihres Sohnes um sein Leben, fünf seiner Geschwister waren bereits als Säuglinge gestorben. Nur die damals vierjährige Maria Anna, genannt „Nannerl, war ihnen geblieben. Doch den kleinen Wolfgang brachte man über den Berg und bereits nach einigen Jahren bemerkten die Eltern
sein wundersames Talent und seine Begabung für die Musik.
Leopold Mozart wurde 1719 als Buchbindersohn in Augsburg geboren. Er war ursprünglich
für den geistlichen Stand bestimmt, wandte sich aber der Musik zu und trat als Violonist in die Dienste des Salzburger Erzbischofs. Er brachte es bis zum Vizehofkapellmeister. Seine Kompositionen (Symphonien, Konzerte, Kammermusikwerke) wurden von seinem Sohn in den Schatten gestellt, sein  Versuch einer gründlichen Violin-Schule (1756) ist aber bis zum heutigen Tag eines der wichtigsten Lehrbücher im Bereich des Instrumentalspiels. Leopold Mozart starb achtundsechzigjährig 1787 in Salzburg.
Mozarts Mutter, Mara Anna Mozart, geborene Pertl, wurde 1720 in St. Gilgen bei Salzburg geboren. 1777 begleitete sie ihren Sohn auf seiner Parisreise, wo sie im Juli 1778 starb.
Die beiden Wunderkinder Wolfgang und Nannerl wuchsen unter dem wachsamen Auge des Vaters auf. Stolz notierte er die Riesenschritte, vor allem des Sohnes. Der Vater versuchte den Vierjährigen immer wieder mit Spielen abzulenken, aber es half nichts. Wolfgang wollte nur Musik, und alles, was er tat, musste mit Musik verbunden sein. Die Mozart-Kinder verlebten ihre Kindheit in einem fröhlichen Elternhaus: mit einem Hund, Katzen und Vögeln und einer Schar voll Freunde. Am Sonntag traf man sich zum beliebten Scheibenschießen, dem Bölzlschießen. Fürs Briefeschreiben hatte die Familie eine eigene Geheimschrift entwickelt.
Der  Herr Vater stand bei den Kindern an erster Stelle, die Mutter spielte eine
untergeordnete Rolle neben dem gestrengen Ehemann. Wolfgang wurde in seiner hinlänglich bekannten derben Sprache ein gelehriger Schüler seiner Mutter. Sie erfreute sich an derben Späßen und warf mit unfeinen, bäuerlichen Ausdrücken nur so um sich.
Der Vater hatte Großes mit seinen beiden Wunderkindern vor. Er gab seine pädagogischen und kompositorischen Ambitionen auf, um sich mit ganzer Seele der Erziehung seiner Kinder zu widmen. Seine Reisen durch halb Europa sollten ein wahrer Triumphzug sein. Er plante jeden Schritt genau, nahm Mozart auch in späteren Jahren alle organisatorischen Aufgaben ab. Für seinen Sohn wünschte er sich nichts sehnlicher als eine renommierte und gut bezahlte
Anstellung an einem der europäischen Höfe. Noch im Erwachsenenalter wirkte sich Mozarts ambivalente Haltung ihm gegenüber auf Privat- und Berufsleben aus.
Mit Schmerz und Enttäuschung musste er feststellen, dass sein Sohn allmählich selbstständig wurde. Immer wieder versuchte er, Mozart unter Druck zu setzen. So erteilte er zum Beispiel die Erlaubnis zur Hochzeit mit Constanze Weber erst nach der Heirat des Paares.
Die Tatsache, dass er nur für und durch seinen Sohn gelebt hatte, wurde ihm zum Verhängnis.
In seinen letzten sechs Lebensjahren sah er den Sohn nur noch zweimal. Mozart nahm am Begräbnis des Vaters in Salzburg nicht teil. Das bescheidene Vermögen teilten sich die beiden Geschwister.

Mozart und die Frauen


Es waren nicht viele Frauen, die neben Mozarts größter Liebe der Musik eine
bedeutende Rolle spielten. Neun Jahre lang führte er eine überaus glückliche Beziehung
mit seiner  Stanzerl. Zu den Freundinnen und Förderinnen zählten Baronin
Waldstätten in Wien und Josepha Duschek in Prag. Seine Schülerin Anna Gottlieb hielt
ihm bis zuletzt die Treue und war die erste Pamina in der „Zauberflöte.
Maria Anna Mozart, geborene Pertl, Mozarts Mutter (1720 1778)
Maria Anna Pertl, geboren in Sankt Gilgen am Wolfgangsee, heiratete 1747 den Komponisten Leopold Mozart im Dom zu Salzburg. Mit ihm hatte sie sieben Kinder, wovon jedoch nur zwei überlebten. Mozarts Mutter war eine sehr gesellige, heitere Frau. Sie liebte es, Freunde, Nachbarn, Kinder, Hunde und Katzen um sich zu scharen. Sie dichtete gerne und schlecht und freute sich an derben Späßen und unfeinen, bäuerlichen Ausdrücken. Wolfgang wurde darin ihr gelehriger Schüler. 1777 begleitete sie ihren Sohn auf seiner Parisreise mit Zwischenaufenthalten in München, Augsburg und Mannheim. Dort wurde sie schwer krank und starb im Juli 1778.
Anna Maria  Nannerl Mozart, Mozarts Schwester (1751 1829)
Nannerl war vier Jahre älter als ihr Bruder Wolfgang. Sie war eine begnadete Klavierspielerin und reiste in ihrer Kindheit mit der ganzen Familie durch Europa. Auch sie war ein Wunderkind, rückte hinter dem kleinen Bruder jedoch zunehmend in den Hintergrund. Die beiden Kinder liebten einander sehr. Nannerl war schüchtern, häuslich und sorgte sich um den Bruder und um den Vater. Mit 33 Jahren heiratete sie den Juristen Johann Baptist Franz von Berchtold zu Sonnenburg. Von diesem Zeitpunkt an lebte sie im Geburtshaus ihrer Mutter in Sankt Gilgen und gebar drei Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes 1801 kehrte sie nach Salzburg zurück und verdiente sich dort als Klavierlehrerin ihren Lebensunterhalt.


Maria Anna Thekla Mozart, das  Bäsle, Mozarts Cousine (1758 1841)
Als Mozart 1777 mit seiner Mutter nach Augsburg kam, entspann sich eine übermütige und überschwengliche Freundschaft zwischen den jungen Verwandten. Mozart schrieb ihr eine Reihe von Briefen, die wegen ihrer obszönen Anspielungen und der häufig verwendeten Fäkalsprache berühmt-berüchtigt sind. Neun dieser Briefe sind erhalten geblieben. Nach Mozarts Parisreise war das Bäsle dabei, als Mozart von Aloysia Weber harsch zurückgewiesen wurde und angstvoll nach Salzburg zurückkehrte. Der Briefkontakt brach nach der Eheschließung Mozarts mit Constanze Weber ab.
Constanze Mozart, geborene Weber, Mozarts Ehefrau (1762 1842)
Constanze Weber war die zweite Wahl W. A. Mozarts. Aloysia Weber Constanzes
Schwester erhörte seine Liebe nicht. 1782 heirateten Mozart und Constanze und führten
eine glückliche, wenn auch kurze Ehe, in der sie sechs Kinder gebar. Nur zwei Söhne blieben am Leben. Constanze entsprach der Gefühlswelt und Lebensweise ihres Wolfgang Amadeus.


Sie war keine bedächtige, stille Hausfrau, das hätte sein Temperament wohl gar nicht
ausgehalten. Sie amüsierte sich und gab großzügig Geld aus. Mozart arbeitete in ihrer
Gegenwart beschwingter als je zuvor. Einen Einblick in das junge Eheleben gibt das „Bandl- Terzett von 1783. Mozarts Kompositionstätigkeit unterstützte Constanze durch nächtliches Punscherl brauen und Geschichten erzählen. Wenn Mozart morgens aufstand, hinterließ er seiner Frau zärtliche Grüße. Reisen unternahmen die beiden wenn möglich zu zweit. Im letzten Jahr ihrer Ehe war Constanze geschwächt von den Geburten und Mozart ging allein auf Reisen. Sehnsuchtsvolle Briefe verkürzten die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen: Liebe mich nur halb so, wie ich Dich liebe, dann bin ich zufrieden.
Nach Mozarts Tod erlebte Constanze, wie der Name Mozart berühmt wurde. 1809 heiratete sie den dänischen Legationsrat Nissen, einen glühenden Mozart-Verehrer, der die erste Biografie Mozarts schrieb. Nach seinem Tod lebte Constanze in Salzburg und starb 1829.
Constanzes Einsatz für die Sicherung von Mozarts musikalischem Nachlass hat dazu
beigetragen, dass dieser der Nachwelt durch alsbaldige Drucklegung erhalten blieb.
 

Mozart und seine Reisen


W. A. Mozart reiste gern und viel: 3.720 Tage, also über 10 Jahre, war er seit frühester
Kindheit an quer durch Europa unterwegs. Das Reisen war zu jener Zeit kein
Vergnügen: schlechte Straßen, Wegelagerer und wenig Komfort machten sie zu einem
abenteuerlichen Unterfangen. Ihr Wert für Mozarts Entwicklung und sein
musikalisches Werk ist unbestritten.
Das Reisen im Zeitalter der Aufklärung war mühsam, beschwerlich, kostspielig und zum Teil überaus gefährlich. Man reiste nicht des Vergnügens wegen, sondern aus Gründen der Forschung, der Fortbildung oder der Kontaktaufnahme mit anderen Gelehrten. Mozart lernte auf seinen Reisen Musiker, Musiktheoretiker, Freunde und Lehrer kennen.
Für die Distanz Salzburg München braucht man zu Mozarts Zeiten zwei Tage, heute fährt man mit der Bahn die Strecke in rund 90 Minuten.
Mozart sieht in seinem Leben zehn Länder des Europas von heute: Belgien, Deutschland,
England, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz, Slovakien und
Tschechien. Zu den wichtigsten Reisen zählen die Europatournee der Wunderkinder (1763 1766), seine drei Italienreisen und seine Parisreise mit Aufenthalten in München, Augsburg und Mannheim, wo er die Musikerfamilie Weber kennen lernte. Die Familie Mozart reiste dreimal nach Wien, beim vierten Mal kehrte Mozart nicht mehr nach Salzburg zurück.
Die große Europareise. Als die Familie Mozart am 6. Juni 1763 Salzburg verlässt und eine
dreieinhalbjährige Westeuropareise antritt, erlebte sie weitreichende Umwälzungen in Europa.
Der Vater Leopold nutzte die Gunst der kriegslosen und entspannten Zeit, um diese
Expedition an die europäischen Höfe zu wagen. Die Reise führte die Familie über München nach Augsburg, weiter nach Ulm, Mannheim und Frankfurt, wo der vierzehnjährige Goethe die Wunderkinder hört. Über Köln, Aachen, Brüssel ging es weiter nach Paris, wo die Familie fünf Monate blieb. Mozart veröffentlichte in Paris seine ersten Werke, nach sechs Wochen traf die Einladung an den Hof König Ludwigs XV. ein. Auch vor der mächtigen Geliebten des Königs, der Marquise de Pompadour, spielten die Wunderkinder. Der Erfolg in Versailles bedeutete den endgültigen Durchbruch in Frankreich.
Im April 1764 ging die Reise weiter nach England. Mozart komponierte seine ersten
Symphonien und machte Bekanntschaft mit Johann Christian Bach. Die Reise führte die
Familie wieder zurück nach Holland, Belgien und Frankreich. Erneuter Aufenthalt in Paris für zwei Monate. Durch die Schweiz reiste man weiter nach München und zurück nach Salzburg, wo man am 29. November 1766 ankam.


Die drei Italienreisen. Dreimal hat Mozart mit seinem Vater italienischen Boden betreten.
Die erste Italienreise (Dezember 1769 März 1771) war genussvoll und ehrenvoll zugleich.
Sie brachte Mozart neue Kenntnisse und Ideen, trug zu weiteren Erfahrungen und zu
vielfältigem Geschmack in seiner Kunst bei.
Mozart wird in die italienische Kunstszene eingeführt, macht Bekanntschaft mit dem
italienischen Großbürgertum, der Noblesse, dem höheren Adel und kirchlichen
Würdenträgern bis hin zum Papst. Er trifft den alten Freund aus London, den Kastraten
Manzuoli, und lernt in Florenz ein gleichaltriges Wunderkind kennen: Thomas Linley.
Zwischen den zwei Knaben entwickelt sich eine herzliche Freundschaft.
Im Juli 1770 verlieh Papst Clemens XIV. W. A. Mozart den  Orden vom Goldenen Sporn,
damit wurde aus ihm der  Ritter von Mozart.
In Bologna ging Mozart beim Franziskanerpater Martini in die Lehre und studierte den
Kontrapunkt. In der Mailänder Oper dirigierte er seine Oper „Mitridate, Re di Ponto.
Im August 1771 machten sich Vater und Sohn Mozart erneut auf die Reise nach Mailand. Als Hochzeitsgeschenk für Erzherzog Ferdinand mit der Erbprinzessin von Modena sollte Mozart eine Festoper schreiben: „Ascanio di Alba. Die Uraufführung wurde eine voller Erfolg.
Oktober 1772 bis März 1773 waren die Mozarts erneut in Italien unterwegs. Mozart hatte einen weiteren Opernauftrag aus Mailand erhalten. Die Uraufführung von „Lucio Silla war eine Katastrophe, die unter anderem auf die dreistündige Wartezeit auf den Kaiser zurückzuführen war. Als schlimmste Folge erhielt Mozart keinen Opernauftrag mehr aus Italien.


Parisreise.

 (1777 1779) W. A. Mozart reiste mit seiner Mutter nach Paris, da der Vater vom Hofe nicht mehr beurlaubt wurde. Vordringliches Ziel der Reise war es, eine Anstellung an einem der europäischen Höfe zu erhalten. Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt. Weder in München, noch in Mannheim. Dafür hatte Mozart umso mehr Spaß in Augsburg, wo er sein Bäsle traf und sich eine innige Freundschaft entwickelte. In Mannheim verlebte Mozart, abgesehen vom fehlenden Geld, eine schöne Zeit: Er schwelgte im herrlichen Klang des Mannheimer Orchesters, das damals seine glanzvollste Zeit hatte. Die Absage vom Kurfürsten kam sechs Wochen später. Die Weiterreise nach Paris verzögerte sich, da Mozart es vorzog, mit der Musikerfamilie Weber zu reisen. Die Mutter ließ er zurück. Zu dieser Zeit verliebte er sich in Aloysia Weber. Die Familie plante eine Italienreise, auf der Mozart sie nur allzu gerne begleitet hätte. Doch der strenge Vater in Salzburg tobte. Endlich im März machte er sich mit der Mutter auf die Weiterreise nach Paris. Diese Reise war ein Opfer an den Vater. Die Zeit in
Paris blieb erfolglos. In dieser Zeit starb Mozarts Mutter nach schwerer Krankheit. Mozart selbst verließ Paris im September und kehrte über Mannheim und München nach Salzburg zurück.


Salzburg 1783. Mozart reist mit seiner Constanze nach Salzburg, um ihr seine Heimatstadt zu zeigen.
Prag 1787. Mozart reist in diesem Jahr zweimal nach Prag. Zum einen zur Aufführung seiner Oper  Die Hochzeit des Figaro, zum anderen für die Arbeiten zum  Don Giovanni, der in Prag uraufgeführt wird.
Dresden, Leipzig, Berlin 1789. Im April reiste Mozart auf Einladung von Karl Fürst
Lichnowsky nach Berlin und war zum ersten Mal ohne seine Constanze unterwegs. Auch
diese Reise hatte weder eine Anstellung noch einen Opernauftrag zur Folge.
Frankfurt 1790. Mozarts letzte große Reise zu den Festlichkeiten zu Leopolds Krönung zum deutschen Kaiser. Mozart hatte vergeblich auf eine Einladung gewartet und fuhr auf eigene Faust.
Prag 1791. Reise zur Krönung Leopold II. zum böhmischen König und zu „La clemenza di Tito.


Mozart und seine Opern


Mozarts Leidenschaft war die Musik. Mozarts musikalische Leidenschaft war die Oper.
Die Entwicklung seiner Arbeit lässt den Umfang erkennen, in welchem er die Gattung
als Ganzes erweitert und verändert hat. Zu seiner Zeit waren Mozarts Opern
unverständlich, wenig gefällig und verwirrend. Heute sind sie ein Genuss für alle
Opernfreunde.
Bis zum Alter von etwa zwanzig Jahren hatte Mozart viel zum Genre Oper beigetragen: zwei große italienische komische Opern (opera buffa) und eine kleine, deutsche, zwei große italienische Opere serie (ernste Oper) und verschiedene Vertonungen kleinerer Bühnenwerke von Pietro Metastasio.
Am Ende seiner frühen Schaffensphase stehen  La finta giardiniera und  Il rè pastore
(1775), denen es noch am erforderlichen Einfallsreichtum in der dramatischen Gestaltung
mangelt. Obwohl musikalisch bereits sehr gehaltvoll, gehören sie weitgehend der vom
Sängerkult beherrschten Theaterwelt an.
Während seiner Parisreise beobachtete Mozart sehr genau, welche Art von Oper beim
Publikum ankam: nicht die gedankenschwere „Reformoper Glucks, auch nicht die gestelzte opera seria, sondern die „opera buffa, die er  welsche komische Oper nannte. Mozart wollte eine neue Form der Oper entwickeln, die starren Regeln auflösen und die verschiedenen Opernstile miteinander vermischen, um zu einem spannenden Musiktheater zu
gelangen.
Zur Zeit des  Idomeneo (1780) gerät Mozart mit seinem Liberettisten, mit der
Opernkonvention und mit den Sängern bzw. deren Unzulänglichkeiten in Konflikt.
„Idomeneo ist von nahezu unablässiger Intensität, und die traditionellen dramaturgischen
Formen wurden darin soweit wie möglich ausgespart. Viele halten sie für die beste opera
seria, die es gibt. Populär aber wurde sie nicht.
 

Mit der  Entführung aus dem Serail warb Mozart um die Gunst des Wiener
Opernpublikums. Er spielte mit den populären Opernformen und schuf eine „eigenartige Mischform, die bei der Uraufführung 1782 zu einiger Verwirrung sorgte. Der deutsche Text war ungewohnt, die Hauptfigur war eine Sprechrolle ohne eine einzige Arie und die Oper zeichnete sich durch eine Überfülle an Motiven und Melodien und einer zu höchst komplizierten Instrumentierung aus. Dennoch war sie ein voller Erfolg.
Wie hinreißend auch immer das Feuerwerk musikalischer Einfälle gewesen sein mag, zur
dramatischen Meisterschaft der drei Da-Ponte-Opern fehlte es noch weit. Mozart verlegte sich nun auf das Gebiet der italienischen Opera buffa, deren charakteristischstes Merkmal das ausgedehnte Finale mit den größten Verwicklungen und höchster Spannung war. Er erweiterte sie beträchtlich, ohne dabei die herkömmlichen Konventionen aufzugeben. Alle drei Opern
„Die Hochzeit des Figaro, „Don Giovanni und „Così fan tutte

sind von einer dynamischen Bewegung getragen, zu der die ungewohnte Häufung der Ensembles beiträgt sowie die Straffung der Arien, wenn diese auch ihren bravourösen Charakter beibehalten. Die Kluft zwischen der komischen und der ernsten Welt war überbrückt.
Beaumarchais Stück  Le mariage de Figaro war aufgrund seiner despektierlichen
Porträtierung der beim Adel herrschenden Sitten geächtet. Mozart erwischte einen günstigen Moment und sein Liberettist Da Ponte versicherte dem Kaiser, alle anstößigen Stellen gestrichen zu haben. Der Uraufführung ging ein vom Kaiser arrangierter Opernwettstreit zwischen Mozart und Antonio Salieri, dem kaiserlichen Hofkapellmeister, voraus. Mozart erlebte die  feindliche Stimmung der kaiserlichen Hofoper. Der „Figaro wurde neunmal aufgeführt, der ganz große Erfolg blieb aus.
1787 kam ein Opernauftrag kam aus Prag. Dort hatte Mozart seine Oper „Die Hochzeit des Figaro selbst dirigiert und wurde gefeiert, wie nie zuvor in seinem Leben. Für die Textvorlage hatte Mozart volle Freiheit, Da Ponte hatte die Idee des „Don Giovanni. Die Oper wurde 1787 am Nationaltheater in Prag uraufgeführt und war ein einzigartiger Triumph für Mozart. Im Mai 1788 wurde sie in Wien aufgeführt, doch der großartige Erfolg von Prag blieb aus. Das Wiener Publikum zog die gewohnte, „richtige italienische Oper vor.
„Così fan tutte steht am Beginn der letzten Meisterwerke Mozarts für die Bühne. Noch
einmal schöpft Mozart aus der Vielfalt des damaligen Operngenre mit „Così fan tutte als
opera buffa, „La clemenza di Tito als opera seria und der „Zauberflöte als deutschem Singspiel.
1790 wurde  Così fan tutte, zu deutsch „So machens alle eine Geschichte von der weiblichen Untreue am Burgtheater aufgeführt.

Der Auftraggeber, Kaiser Joseph II., war aus Krankheitsgründen nicht anwesend und starb kurze Zeit darauf. Die Oper hatte keinen großen Erfolg und Mozart hatte seinen mächtigsten Gönner verloren.
In seinem letzten Lebensjahr arbeitete Mozart an zwei Opern über einen längeren Zeitraum an der Zauberflöte für die Wiener Volksbühne und unter Zeitdruck noch vor Vollendung der letzteren an  La clemenza di Tito, einem Auftragswerk für die böhmischen Stände anlässlich der Krönung Leopold II. Während  La clemenza di Tito als konventionell und gefühlskalt empfunden wurde, zeichnet sich die  Zauberflöte durch einen Reichtum vokaler und instrumentaler Klangfarben aus. Beide zusammen setzen seiner Theaterkarriere ein geheimnisvolles Ende. „Tito lässt offen, was für eine Oper daraus noch hätte werden können.
Die  Zauberflöte regt zu Überlegungen an, wie sich Mozarts Opernstil wohl
weiterentwickelt hätte, wenn er länger am Leben geblieben wäre.


Mozarts Bühnenwerke:
1766 Die Schuldigkeit des ersten Gebots KV 35
1767 Apollo und Hyazinthus KV 38
1768 Bastien und Bastienne KV 50
1768 La finta semplice KV 51
1770 Mitridate, rè di Ponto KV 87
1771 Ascanio in Alba KV 111
1772 Il sogno di Scipione KV 126
1772 Lucio Silla KV 135
1774 La finta giardiniera KV 196
1775 Il Re pastore KV 208
1781 Idomeneo, Re di Creta KV 366
1782 Die Entführung aus dem Serail KV 384
1786 Der Schauspieldirektor KV 486
1786 Le nozze di Figaro KV 492
1787 Don Giovanni KV 527
1790 Così fan tutte KV 588
1791 Die Zauberflöte KV 620
1791 La clemenza di Tito KV 621


Mozart und Kirchenmusik


Der Großteil von Mozarts Messen stammt aus seiner Salzburger Zeit, einige
komponierte er als Wunderkind auf seinen Europareisen. Zu den bekanntesten
geistlichen Werken zählen die Krönungsmesse und das Requiem. Darüber hinaus
entstanden im Rahmen seiner Verpflichtungen als Kirchenmusiker des Salzburger Hofs
bedeutende Werke wie Vespern und Litaneien.
Viele von Mozarts frühen Messen gehen auf seine Verpflichtungen als Mitglied des
Salzburger Hofstaats zurück, während andere Gelegenheitswerke waren, die auf seinen frühen Reisen als Wunderkind entstanden.
Gegenwärtig sind 16 vollständige Mozart-Messen als authentisch anerkannt, daneben zwei unvollendete Meisterwerke, die c-Moll-Messe, KV 427 und das Requiem, KV 626. Zwei isolierte Kyries sind ebenfalls vollständig erhalten, ein frühes Werk für SATB und Streicher, KV 33, und ein viel schöneres für Chor und Orchester in d-Moll, KV 341 (368a).
Die drei Italienreisen, die die Mozarts zwischen Dezember 1769 und März 1773
unternahmen, gewährten Wolfgang einen Einblick in die italienische liturgische Praxis dieser Zeit. Beim damals berühmtesten Musiklehrer Italiens, dem Franziskanerpater Martini, erhielt der fünfzehnjährige Mozart Unterricht im Kontrapunkt.


In der Zwischenzeit hatte infolge des Todes von Fürsterzbischof Graf Schrattenbach die
Salzburger Kirchenmusik eine Wendung genommen. Der neue Dienstherr in Salzburg,
Hieronymus Colloredo, war von aufklärerischen Ideen zur Kirchenmusik beeinflusst und um einen rationalen und funktionalen Zugang zu diesem Bereich bemüht. 1780 forderte
Colloredo eine vereinfachte Kirchenmusik und die Einführung deutscher Kirchenlieder:
Mozarts letzte beiden Salzburger Messen (KV 317, KV 337) zeigen recht deutlich, dass er diese Beschneidung der künstlerischen Freiheit auf die Dauer untragbar gefunden hätte.


Das frühe Werk die berühmteste seiner Salzburger Messen kennt man unter der
Bezeichnung Krönungsmesse. Salieri dirigierte sie 1791 in Prag zur Krönung Leopold II. Sie folgt im wesentlichen der Missa-brevis-Konvention, doch mit Wiederholungen im Material und freier als üblicherweise. Das wunderbare Agnus Dei, ein überschwengliches Sopransolo im Arienstil, ist heute weithin bekannt.
In Wien hatte Mozart beruflich nichts mehr mit Kirchenmusik zu tun. In seinen letzten zehn Jahren seines Lebens entstanden nur noch zwei weitere Messen: die c-Moll-Messe und das Requiem, die beide unvollendet geblieben waren.


Um die Entstehungsgeschichte des Requiems ranken sich zahllose mehr oder weniger
glaubwürdige Geschichten. Das Werk wurde nach Mozarts Tod von seinem Schüler Franz
Xaver Süßmayr vervollständigt.


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