MARGIT ORLOGI
Skulpturen und Malerei
07. Oktober 2006
bis
26. November
2006
Im Werk der 1958 in Niederbayern geborenen Bildhauerin Margit Orlogi
fällt besonders die vielfältige und sinnliche Bearbeitung von
Oberflächen verschiedener Steinarten ins Auge. In Ihrer Arbeitsweise
versucht sie oftmals monumentalen Bruchstücken aus verschiedenen
Gesteinsarten wie Marmor, Granit, Travertin, Sandstein, Serpentin
oder Diabas durch minimale Eingriffe eine neue Form zu geben und die
Beschaffenheit des jeweiligen Steines durch ihre Eingriffe zu
erkunden.
Dabei berücksichtigt die Künstlerin einerseits ganz stark die natürlichen
Charakteristiken der „naturgewachsenen“ Gesteinsmaterialität, die
sie durch behutsame und vorsichtige Arbeitsweise nicht von der
ureigenen Steinsubstanz und den Spuren der Entstehungsgeschichte des
Materials entfremden will, sondern deren innerem Zustand sie
andererseits mit einfacher, klarer und reduzierter Weise begegnet.
So werden die Eigenheiten der unterschiedlichen Steine mit den
Adern, Brüchen, Einsprengseln und Farbkonnotationen aufgenommen und
mittels des kreativen Dialogs der Bearbeitung an der Offenlegung der
materiellen Geheimnisses gearbeitet.
Die topographische Provenienz des Steins mit all seinen
erdgeschichtlichen Implikationen ist beim Auswahl- und
Entstehungsprozess der Künstlerin von großer Bedeutung, da Orlogi
als „reisende Künstlerin“ (vornehmlich in Europa und Asien) vielfach
an den Fund- bzw. Herkunftsorten des Steines arbeitet. Naturgemäß
geht der späteren bildhauerischen Tätigkeit eine intensive Suche und
Auseinandersetzung mit der landschaftlichen Region und deren
geologischen bzw. tektonischen Strukturen voraus, bevor der Prozess
der Aneignung eines Steins und der Begegnung mit diesem beginnt.
Dieser Prozess ist für die Künstlerin Voraussetzung, um die Kräfte
bzw. die „Seele“ des Steins zu erahnen und die notwendige
Kontemplation zur Gestaltung bzw. Formung der Steinskulpturen und
Objekte zu finden. Erst diese konzentrierte Annäherung an das
Material erlaubt es ihr, die Essenz des Steins zu erkennen, die
notwendigen bildhauerischen Eingriffe zu setzen und die
gestalterischen Schlüsse zu ziehen: Markierungen bzw.
eingeschriebene Spuren aufzunehmen und herauszuarbeiten, Richtungen
und Zentren zu erkennen, Flächen und Linienführungen zu setzen und
formale bzw. räumlich-skulpturale Inhalte festzulegen, um dem Stein
zu einer originären Sprache zu verhelfen.
Durch dieses Aufnehmen von vorhandenen Aspekten der spezifischen
Gesteinsstrukturen und die davon abhängige individuelle
Bearbeitungen der jeweiligen Gesteinsformen werden die Geheimnisse
des Steins
auf sensible Weise schließlich erst aufgespürt.
Dergestalt ermöglicht das durch Margit Orlogi initiierte
Aufeinandertreffen von natürlichen und menschlichen Prozessen nicht
nur eine Vorstellung von zeitlichen - ganz und gar kosmischen -
Dimensionen, sondern auch einen Brückenschlag zwischen den Antipoden
Natur und Mensch bzw. zwischen natürlich gewachsenen Strukturen und
menschlichen, also artifiziellen, Interaktionen.
Die Ausstellung im Museum Moderner Kunst Passau zeigt vornehmlich
skulpturale Arbeiten, aber auch einige Malereien, die als
eigenständiger Werkkomplex verstanden werden müssen, aber dennoch
Assoziationen und Querverweise (z.B. bezüglich ihres malerischen
Umgangs mit Schichtungen, Ein- bzw. Überschreibungen materieller
Spuren) zu ihrer bildhauerischen Arbeit zulassen.
Margit Orlogi
mTK.oto, 2005
Maße: 30 cm x 19 cm
(c)Orlogi
Margit Orlogi
mT 15, 2005
Maße: 43 cm x 34 cm
(c)Orlogi
Portrait Margit Orlogi,
Foto: Barbara Gass
weitere Ankündigung:
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