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Lutz Fritsch – Räume und Welten

 Museum Ludwig, 25. 11. 2006 - 21. 01. 2007
Museum für Ostasiatische Kunst, 25. 11. - 07.01. 2007

 

Aus der Reihe: Postkarten lügen nicht", 1986 - 2000

Lutz Fritsch ist Bildhauer und Zeichner, Fotograf, Filmemacher und Polarreisender. Konsequent reduziert der 1955 in Köln geborenen Künstler seine bildnerischen Mittel auf monochrome Linien und geometrische Flächenformen. Einfühlsam erfasst er den realen Raum und lässt ihn mittels präziser gestalterischer Akzentuierungen bewusster werden. Fritschs minimalistische, farbig lackierte Stahlskulpturen, oft nur „Linien im Raum“, so der Künstler, signalisieren, dass die Wahrnehmung räumlich-plastischer Dimensionen grundsätzlich eine Sache der persönlichen Perspektive und Bewegung, der Distanzen und Proportionen sowie in erheblichem Maße eine Angelegenheit menschlicher Einbildungskraft ist. So kann in der Eiswüste der Antarktis dasselbe Objekt klein aber auch groß gesehen werden – egal wie klein oder groß es ist -, weil in ihrer weißen Weite die Orientierung bietenden Maßstäbe fehlen.

 

Skizzen zu "Räume und Welten", 2006 © Lutz Fritsch



Diesen ästhetischen als auch kreativen Aspekt der Einbildung, der sich ähnlich auf den fiktiven oder den kosmischen Raum übertragen ließe, thematisiert der Künstler en miniature in seinen neuesten Vitrinenarbeiten, in denen millimeterdünne farbige Metallstäbchen auf einer weißgrauen Grundfläche Positionen beziehen und uns nicht nur imaginäre Räume und Welten suggerieren, sondern in ihren variablen Konstellationen zueinander erforscht sowie aus der subjektiven Bewegung, Perspektive und Emotion des Betrachters heraus interpretiert werden können.
Darüber hinaus vermitteln Lutz Fritschs transparente `Vitrinenräume´ bzw. „Raummodelle“ eine leise Vorstellung von jener, Wahrnehmung relativierenden polaren Einsamkeit und metaphysischen Stille, in die er im Jahre 2005 als Ergebnis eines beachtenswerten logistisches Unternehmens seine „Bibliothek im Eis“ setzte. Es ist ein wohnlicher Lektüre-Container, in dem nun die Forscher der deutschen Antarktisstation Neumayer ihren Imaginationen nachgehen können, umringt von einer grenzenlosen (und lebensfeindlichen) Umwelt.



Fritschs minimalistische Raummodelle berichten aber nicht allein von der Phantasie anregenden Relativität physischer Größe im freien Raum, sondern darüber hinaus birgt ihre formale Einfachheit ein reiches Spektrum schöpferischer Impulse und kontemplativer Empfindungen. Dieses anregende Potential kann beispielsweise im unmittelbaren Dialog mit historischer ostasiatischer - oder zeitgenössisch-westlicher Kunst und Philosophie in verwandter, aber ebenso in kulturspezifisch unterschiedlicher Weise in Erscheinung treten. Mithin bieten Lutz Fritschs zeitgleiche `Interventionen´ in den charakteristischen Galerieräumen des Museum Ludwig und des Museums für Ostasiatische Kunst dem wandelnden Besucher sowohl ein ästhetisches und gedankliches Eintauchen in den Dialog physischer Raumgebilde und vermeintlicher „geschlossener Welten“ als auch mannigfaltige Erkenntnisse, die aus dem kreativen Austausch von Innen- und Außenraum, von Psyche und Wirklichkeit hervorgehen.


 

Skizzen zu "Räume und Welten", 2006 © Lutz Fritsch
Gedankenflüge über oder ein In-die-Knie-Gehen vor den unterschiedlichen Vitrinenwelten bieten dem einfühlsamen Betrachter nicht nur die Erkenntnis, dass räumliches Sehen erheblich seinem Vorstellungsvermögen unterliegt, sondern geben ihm auch zu verstehen, weshalb formal reduzierte Skulpturen das Wesentliche eines Ortes besonders sensibel zu beschwören vermögen. Von dieser toleranten Kraft des Einfachen erzählen auch Fritschs humoristische bis phantastische `Einzeichnungen´ in Illustrierte und Ansichtskarten. Letztere bilden berühmte Plätze und imposante Topographien ab, die, mit einer Senkrechten oder mehreren Linien übermalt, ähnlich wie seine Vitrinenwelten in Orte einer skulpturalen Fiktion verwandelt werden.

 

Maßstab Arktis V, 1997 © Lutz Fritsch

 

 

 

 

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Museum Ludwig
Bischofsgartenstr. 1
50667 Köln
Tel:+49-221-221-26165
Fax:+49-221-221-24114
E-Mail info@museum-ludwig.de

Öffnungszeiten:
Di-So 10-18 Uhr, jeden
1. Fr im Monat 10-22 Uhr

Eintrittspreise:
Tagesticket: 7,50 €, ermäßigt 5,50 €
Gruppen (ab 20 Personen): 6,50 €
Familienticket: 18 €
auswärtige Schüler: 3€

Öffentliche Führungen
sind auf 30 Personen beschränkt.
Informationen zu Führungen und praktischen Kurse
entnehmen Sie bitte den Seiten des Museumsdienstes.

Lutz Fritsch, Bildhauer, geboren 1955, studierte an der Kunstakademie in Münster. Zentrales Thema seiner Arbeit ist der Raum. Seine Farbskulpturen wirken immateriell, sind konzipiert für die jeweiligen konkreten Räume, neh¬men Bezug auf den Ort und bilden Konzentrate, Energien im Raum.
Neben zahlreichen Ausstellungen wurde Lutz Fritsch vor allem durch seine Großskulpturen “Rheinorange” an der Mündung von Rhein und Ruhr in Duis¬burg (1992), “Der Stand der Dinge” in Pforzheim (1991) oder “Raum-Fahrt” (1992), einer zweiteiligen Skulptur auf dem Forschungsschiff “Polarstern” und in Bremen bekannt. 1994/95 und 1997 nahm er im Rahmen seiner Raumer¬kundungen an zwei Expeditionen mit dem Forschungsschiff Polarstern in die Antarktis und die Arktis teil.

 

Lutz Fritsch


Lutz Fritsch wohnt und arbeitet in Köln.
In Bonn gibt es Skulpturen von Lutz Fritsch im Kunstmuseum Bonn (“Kann sein”), vor dem Bonner Kunstverein sowie in der Sebastianstraße vor dem Bürogebäude Riemer und dem Robert-Schumann-Haus.
Seine aktuelle Ausstellungsreihe “Das Eine und das Andere”, die von September bis November 2000 in der Villa Zander in Bergisch Gladbach zu sehen war, wird im Frühjahr 2001 im Museum Ludwig in Koblenz und anschließend im Neuen Museum Weserburg in Bremen fortgesetzt.


Quelle: http://www.caesar.de/1038.0.html

 

 

 


Bibliothek im Eis

Mehr  zum Künstler hier

Minus 90 Grad und Pinguine: Literatur im Eis
Die "Bibliothek im Eis" des Kölner Künstlers Lutz Fritsch


Von Kai Clement

Forscher stiften Bücher für Eisbibliothek

siehe auch:

Pierre Klossowski

Photographien von Christin Losta

Museum Ludwig Köln  Das achte Feld –
Geschlechter, Leben und Begehren in der Bildenden Kunst seit 1960

19. August – 12. November 2006  weiter hier

Das Museum Schnütgen –
eine der größten Sammlungen mittelalterlicher Kunst  weiter hier

Zum Sterben schön! Alter Totentanz und Sterbekunst von 1500 bis heute

Museum Schnütgen
6. September bis 26. November 2006 weiter hier

 


 

     
 

 

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