"Wir bleiben Schiffe auf dem Meer / Überhaupt nicht Enten auf einem Teich / Sail on."

 

Haus der Kunst
Prinzregentenstrasse 1
D - 80538 München



Haus der Kunst München

www.hausderkunst.de/

 

"Wir bleiben Schiffe auf dem Meer / Überhaupt nicht Enten auf einem Teich / Sail on." Diese Worte stehen ab dem 7. Februar auf der Wand des Buchladens Walther König im Haus der Kunst. Durch den blauen Schriftzug segeln zwei orangefarbene Boote. Rechts außen eine schwungvolle Schlaufe - vielleicht das Schiffstau - als offenes Ende. Das Schrift-Bild stammt von Lawrence Weiner; verwendet wurde die FF Offline Regular.

 © Lawrence Weiner / VG Bild-Kunst



"Wir sind Schiffe auf dem Meer" war 1990 auf Containerkisten im Hamburger Hafen zu lesen. Die Veränderung ist geringfügig, aber wirkungsvoll - "Wir bleiben" - und verleiht seiner Idee von damals neuen Nachdruck. Die Installation im Haus der Kunst wird von unbestimmter Dauer sein, "for as long as it lasts." Durch diese Worte wurde 1993 ein Fernsehturm in Rotterdam zur Sprachskulptur; 1994 standen sie auf einer Wand in der Renaissance Society in Chicago - auch sie sind also ein Selbstzitat.

Ortspezifische Gegebenheiten reduziert Lawrence Weiner auf das strukturell Wesentliche. Entsprechend knapp ist sein Kommentar zum äußeren Erscheinungsbild des Buchladens, einer Wand aus grauem Betonstein: "Eine Wand ist eine Wand."

Für den Konzeptkünstler Lawrence Weiner besitzen nicht realisierte Projekte die gleiche Gültigkeit wie ausgeführte. Das Entscheidende ereignet sich im Kopf. Diese Überzeugung formulierte er schon 1968:
1. Der Künstler kann das Werk bauen
2. Das Werk kann angefertigt werden
3. Das Werk muss nicht gebaut werden
Jede Möglichkeit ist gleichwertig und entspricht der Absicht des Künstlers Die Entscheidung über den Zustand liegt bei dem Empfänger im Moment der Übernahme (Lawrence Weiner)

Seine Haltung gegenüber Ortsgebundenheit und Dauer gehört in diesen Zusammenhang.





Der Schriftzug wird in der ehemaligen Ehrenhalle angebracht, in der Hitler seine Reden zur Kunst- und Kulturpolitik hielt. Wie sich das anfühlt? Zielsicher greift Lawrence Weiner den Schwachpunkt heraus, das an diesem Ort besonders fragwürdige Wort "Ehre": "Wenn ich bedenke, wer und was alles mit verworrenen Argumenten geehrt wird, kann ich mehr oder weniger damit leben." Sprachgewohnheiten sind Ausdruck von Denkgewohnheiten, und Denkgewohnheiten bilden das eigentliche Zentrum seines Wahrnehmungsinteresses.

Um die "Notwendigkeiten und Sehnsüchte sowohl der Situation als auch des Buchladens" zum Ausdruck zu bringen und zu erfüllen, entschied sich Lawrence Weiner für einen Aphorismus. Seine Antwort auf die Frage, von wem dieser Aphorismus stammt, zielt wiederum ins Allgemeine, als sei auch hier Beschränkung aufs Individuelle fehl am Platz: "Kulturen sind der Autor von Aphorismen. Feinabstimmung und Gebrauch liegt ganz bei den Leuten."

Die Botschaft "Wir bleiben Schiffe auf dem Meer" jedenfalls ist erfrischend und, wenn man so will, sogar ermutigend. Der Aphorismus kann als ein Kommentar zum Zusammenspiel von Ortsgebundenheit einerseits und Denkgewohnheiten andererseits verstanden werden. Ein Kommentar, aus erhöhter Perspektive formuliert, wo das Detail undeutlich und der größere Zusammenhang umso deutlicher wird.

Im Juni wird die Sprachskulptur "Reihen von Kohl mit roter Tinte markiert und morgen vergraben" am Dachfries unseres Hauses installiert.
Die Buchhandlung Walther König bietet ab Februar Sondereditionen von Lawrence Weiner an.
Das Whitney Museum in New York widmet dem Künstler im Oktober 2007 eine umfassende Retrospektive.

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Vorschau und weitere Ausstellungen im Haus der Kunst München

zu gast
24 jan 07 > 11 mar 07
große kunstausstellung 2007
die große kunstausstellung wird seit mehr als 50 jahren von den drei künstlergruppen münchener secession, neue gruppe und neue münchner künstlergenossenschaft veranstaltet und steht unter der schirmherrschaft des bayerischen ministerpräsidenten. ohne inhaltliche, formale oder technische einschränkungen wird in der präsentation 2007 die kreative vielfalt durch die vertretenen generationen hindurch dokumentiert. die mitglieder der gruppen und ihre gäste stellen mit ihren arbeiten den rahmen für einen besonderen teil der ausstellung, ein forum der jungen generation in deutschland. wagnis und experiment stehen im dialog mit anerkannten und konsolidierten kunstformen.
veranstalter
ausstellungsleitung
große kunstausstellung im haus der kunst münchen e.v.
tel +49 89 222 655
fax +49 89 291 34 24
info@grossekunstausstellungmuenchen.de
www.grossekunstausstellungmuenchen.de

09 feb 07 > 06 mai 07
yayoi kusama

dots obsession - love transformed into dots
die arbeiten der japanischen künstlerin yayoi kusama (*1929) sind besessenheit pur. ihr markenzeichen sind netzstrukturen, kugeln, spiegel - und vor allem punkte, die so genannten "polka dots", mit denen sie ihre welt überzieht. ganze räume, möbel und menschen lösen sich auf in einem strudel von punkten auf phallisch geformten objekten. 1993 gestaltete die "prinzessin der punkte" als einzige künstlerin den japanischen pavillon auf der biennale in venedig; 1998 bekam sie mit "love forever" die verdiente retrospektive im museum of modern art, new york. für das haus der kunst entwickelt sie eine installation für die ehemalige "ehrenhalle".

17 feb 07 > 13 mai 07
andreas gursky

andreas gursky (*1955, leipzig) studierte in essen und düsseldorf und erregte bereits mit seinen ersten arbeiten große aufmerksamkeit; heute ist er international anerkannt. er stellt den menschen nicht als individuum dar, sondern als teil der masse, als teil eines ornamentalen musters. seine großen bildformate und die satte farbigkeit seiner fotografien tragen dazu bei, dass die motive ins monumentale und abstrakte gesteigert werden. seit mehr als zehn jahren nutzt er techniken der digitalen bildherstellung. so entstehen subjektive sichten auf die welt, fiktionen auf der grundlage von fakten. gursky ist durch und durch zeitgenosse; er zeigt die zusammenhänge des modernen lebens und zeichnet ein analytisches bild vom kapitalismus in seinen verschiedenen ausformungen. seine darstellungen von produktionsstätten, börsen, luxusgütern und freizeitveranstaltungen sind von einer formalen präzision, die zum staunen verführt. nach seiner viel beachteten präsentation im museum of modern art, new york, 2001, ist die ausstellung im haus der kunst die größte gesamtschau des künstlers.

zu gast
22 mar 07 > 13 mai 07
euward

4. europäischer kunstpreis malerei und grafik von künstlern mit geistiger behinderung
die schau präsentiert die drei preisträger und alle nominierten des europäischen förderpreises euward, der von der augustinum stiftung münchen und der diakonie stetten verliehen wird. mit rund 200 arbeiten von 26 künstlern aus sechs nationen ist die ausstellung ein bedeutendes forum der zeitgenössischen außenseiterkunst.
die preisträger mario jambresic, edmund krengel und ylonka e. jaspers werden jeweils mit einer umfassenden werkauswahl vorgestellt. ihr außergewöhnliches künstlerisches schaffen wird durch die ausstellung und den begleitenden katalog erschlossen.
www.euward.de

zu gast
23 mar 07 > 22 apr 07
freie münchner und deutsche künstlerschaft (fmdk)
neuer kunstsalon 2007

10 mai 07 > 26 aug 07
georg petel


bildhauer im dreißigjährigen krieg
georg petel (1601/02–1634), eine der großen europäischen bildhauer-persönlichkeiten, ging vom studium der natur und der antike aus. süddeutsche, italienische und flämische elemente verband er zu einem eigenen stil, der auf den hochbarock vorausweist. geboren und aufgewachsen im oberbayerischen weilheim, kam petel nach antwerpen, paris, rom und genua, um sich 1625 in der freien reichsstadt augsburg niederzulassen. mit peter paul rubens verband ihn eine lebenslange freundschaft. petel trug zur ausstattung zahlreicher kirchen mit altarbildwerken bei und wandte sich häufig der darstellung des gekreuzigten zu, welche zu den schwierigsten themen der kunst zählt. seine technische virtuosität in der bearbeitung der materialien elfenbein, holz und bronze waren ihm mittel zum ausdruck von schmerz und freude. trotz seines kurzen lebens hinterließ petel ein imposantes, qualitätvolles oeuvre. die präsentation vereint kostbare werke aus kirchen und klöstern sowie öffentlichen und privaten sammlungen, darunter auch interessante neuentdeckungen und stücke, die frisch restauriert in neuem glanz erstrahlen.

gefördert von der ernst von siemens kunststiftung

25 mai 07 > 02 sep 07
christoph schlingensief


seit 2004 arbeitet der regisseur und künstler christoph schlingensief an seinem werkkomplex "animatograph" - eine raum/zeit-installation, in der theater und film, oper und aktionskunst miteinander verschmelzen. der "animatograph" wurde bisher an fünf stationen realisiert und steht immer in direktem bezug zu dem ort, an dem er entstanden ist. im frühjahr 2007 entwickelt schlingensief eine eigene version für die ehemalige "ehrenhalle" im haus der kunst - dort hielt adolf hitler 1938 seine reden zur kunst- und kulturpolitik.
bei den führungen durch seine installation setzt sich der begnadete inszenator schlingensief mit höheren kräften, geistern, göttern und helden der sagen- und kunstwelt auseinander und entwirft gleichzeitig ein überlebensgroßes porträt der alltäglichkeit.

11 jun 06 > 09 sep 07
gilbert & george

die retrospektive
die times nannte gilbert & george die "prügelknaben der britischen kunst" - was die briten nicht daran hinderte, dem künstlerduo 2005 den englischen pavillon auf der biennale in venedig zur verfügung zu stellen. auf diese einladung antworteten gilbert & george: "we are delighted to accept this kind invitation and promise to do our very worst!" seit fast vierzig jahren sind gilbert proesch und george passmore ein paar - in der kunst wie im leben. der begriff skulptur spielt in ihrem werk eine zentrale rolle: mit ihren performances wurden sie als "living sculptures" zu popstars. für ihre ausstellung im haus der kunst bekommen gilbert & george eine carte blanche, das haus der kunst nach ihren vorstellungen zu besetzen.
in zusammenarbeit mit tate gallery of modern art, london

06 okt 07 > 13 jan 08
anish kapoor

der indische künstler anish kapoor (*1954, bombay) kreiert objekte, die aus einer anderen welt zu stammen scheinen: gepulverte pigment-skulpturen, monumentale installationen aus unterschiedlichsten materialien - oftmals besprüht mit grellen, und dennoch weich wirkenden farben. in kapoors werk verbinden sich malerei und skulptur. seine bildsprache stellt fragen nach der form und berührt gleichzeitig themen jenseits aller materiellen belange: erfüllte leere und reinheit, leichtwerden oder überwinden von erdenschwere. für seine ausstellung im haus der kunst schafft anish kapoor eine weinrote großskulptur aus wachs, die sich auf schienen durch das haus bewegen und dabei spuren hinterlassen wird. darüber hinaus präsentiert die schau eine auswahl von rötlichen skulpturen und objekten des künstlers.

09 sep 07 > 06 jan 08
robin rhode

robin rhode (*1976, johannesburg) zählt zu jener generation von performancekünstlern, die von allan kaprow, dem begründer des happenings, stark beeinflusst wurden. durch die verbindung von zeichnung und performance ergibt sich in seinen arbeiten eine mitunter groteske wirkung: zum beispiel, wenn rhode ein auto auf eine wand malt und dieses anschließend mit einer plastikbürste putzt. der vorgestellte zeichnerische raum wird wirklichkeit, weil der künstler ihn wie wirklichkeit behandelt. für die ausstellung im haus der kunst wird robin rhode eine eigene werkserie realisieren, deren schwerpunkt auf raumgreifenden zeichnungen liegt.

ab okt 07
as long as it lasts

das haus der kunst wird 2007 siebzig jahre alt. zwei international führende architekturbüros sind eingeladen, eine studie für die weitere nutzung des hauses zu erarbeiten: herzog & de meuron, basel, und rem koolhaas, rotterdam. die ergebnisse der studie werden in der mittelhalle präsentiert, die bis dahin mit vorhängen von petra blaisse ausgestattet sein wird. "as long as it lasts", so hieß eine frühere sprachskulptur des künstlers lawrence weiner. anlässlich des 70-jährigen bestehens des hauses wird lawrence weiner auf dem dach des haus der kunst eine neue sprachskulptur installieren: "reihen von kohl mit roter tinte markiert und morgen vergraben".

 

Lawrence Weiner

Lawrence Weiner, geboren am 10. Februar 1942 in der Bronx, New York, schafft Skulpturen mit dem Mittel der Sprache. Schon in den 60er Jahren entwickelte er die Überzeugung, dass ein Kunstwerk existent ist, unabhängig davon, ob es vom Künstler selbst, im vorgegebenen Rahmen vom Betrachter oder gar nicht ausgeführt wird. Konsequent gelangte er bald zu Werken, die nur als ihre Beschreibung existieren, und schließlich wurden die Texte selbst zur Kunst.

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