Kunstmarkt Auktion Dorotheum
(30.5.2006)
30. Mai 2006: „Totentanz“ von Egger-Lienz im Wiener Dorotheum - Sensation zum Start in die zweite große Auktionswoche 2006
Albin Egger-Lienz
Mit einer Sensation wird das Wiener Dorotheum seine zweite große Auktionswoche des Jahres eröffnen: Das berühmte Gemälde „Totentanz 1809“ von Albin Egger-Lienz (1868 - 1926) aus dem Jahre 1921, kommt am 30.Mai 2006 im Palais Dorotheum zur Versteigerung. Der Schätzwert liegt bei 600.000 bis 800.000 Euro.
Das Gemälde befand sich zuletzt im Museum Schloß Bruck in Lienz; im März wurde es an die rechtmäßige Eigentümerin, die in den USA lebt, restituiert. Der „Totentanz“ ist eine Ikone der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts; ein bedeutendes Anti-Kriegsbild und Schlüsselwerk von Egger-Lienz, entstanden unter dem Eindruck des ersten Weltkrieges.
Im Jahre 1931 erwarb das Sammlerpaar Melanie und Emil Schwarz das Werk aus der bedeutenden Egger-Lienz-Sammlung von Adolf Hochstim. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 wurde das gesamte Vermögen von Melanie Schwarz enteignet und „arisiert“. Die NS- Vermögensverwalter vekauften das Gemälde im September 1938 an die Stadt Lienz. Melanie Schwarz gelingt im September 1939 mit ihrer Tochter die Flucht in die USA, wo sie 1955 in Kalifornien verstarb. Ihre Tochter bemühte sich lange Zeit um die Auffindung des entzogenen Gemäldes. Im Zuge einer Überprüfung der Provenienz der Egger-Lienz-Sammlung im Museum Schloss Bruck/Lienz wurde im Jahr 2004 das Gemälde als einst Melanie Schwarz zugehörig identifiziert. Am 7. März 2006 beschloss der Gemeinderat von Lienz die Restitution des Bildes an die rechtmäßigen Erben nach Melanie Schwarz.
Mit der Auktion im Wiener Dorotheum verbindet die Eigentümerin auch die Hoffnung, dass das Werk in Österreich - und wenn möglich für die Öffentlichkeit zugänglich - bleiben kann.
Der „Totentanz 1809“, entstanden 1921 (129,5 x 151 cm), ist die fünfte von sechs stark variierenden Fassungen. Eine davon hat der Künstler eigenhändig zerschnitten, drei befinden sich in öffentlichen Museen, eine weitere befindet sich in Privatbesitz. Unter allen Werken Egger-Lienz’ wurde keines so oft ausgestellt und so häufig reproduziert wie die verschiedenen Fassungen des Totentanzes. Insgesamt 15 Jahre befasste sich der Künstler mit dem Thema. Am Beginn der Totentanz-Arbeiten ist Egger-Lienz’ Seele bereits geprägt von seinen schrecklichen persönlichen Eindrücken des Krieges. Auf dem vorliegenden Gemälde werden fünf bewaffnete Figuren dargestellt, darunter befindet sich der Tod, der sicher voranschreitet und der die übrigen Figuren mit sich zieht. Die Wirkung ist monumental und zeigt die Hoffnungslosigkeit des Krieges, der alles erbarmungslos überrollt.
All die Umformungen des Themas spiegeln, von den ersten Entwürfen aus dem Jahre 1906 bis zur expressiv gesteigerten letzten Fassung von 1921, die Wandlungen seiner Ausdrucksmittel wider. Obwohl sich an der Anordnung der Figuren nur wenig geändert hat, hat sich die Expressivität und der monumentale Eindruck des Bildes zur fünften Fassung hin dramatisch verstärkt und dieses Bild von 1921 zur Krönung seiner leidenschaftlichen Arbeit an dem Thema gemacht.
Egger-Lienz über sein Werk: „Das Tragische geht immer auf das Große hinaus, fordert den höchsten Grad der Schlichtheit, der Entäußerung von jeder Zutat, jedem Luxus (…). Eine knappere, zum Stil gewordene Form vertieft die Tragik und vergeistigt den Stoff, indem sie ihm das Materielle, Episodenhafte nimmt und ihn zum Symbol erhebt.“
Was diese auf Holz gemalte Fassung besonders auszeichnet, ist seine satte Farbigkeit. Vor gelbem Himmel, auf ockerfarbenem Boden tragen die Figuren Zinnoberrot, Braun, Grau, Schwarzbraun, Ocker und Weiß. Die gleichmäßige rotbraune Färbung verleiht dem Bild zusätzlich eine harte brandige Stimmung. Hatte man sich von Egger-Lienz eine Glorifizierung des Krieges erwartet, so stieß der Totentanz schon in früheren Fassungen nicht nur auf allgemeine Bewunderung. “Mein Totentanz hat für mich den größten Erfolg gehabt. Von einer Seite wurde das Bild gänzlich abgelehnt und beschimpft, von einer anderen wieder sehr begeistert aufgenommen. Der Thronfolger hat bereits die Weisung, wie ich höre, gegeben, dass man mir bei der Verteilung der Bilder für die Hofburg keinen Auftrag erteilt.“
Auktion: KLASSISCHE MODERNE UND ZEITGENÖSSISCHE KUNST,
30. Mai 2006, Beginn: 17.00 Uhr
Zweite Auktionswoche: 30. 5. – 2. 6. 2006
Besichtigung: ab 20. Mai 2006
Ort: PALAIS DOROTHEUM, Wien 1, Dorotheergasse 17
Experten: Mag. Elke Königseder, Mag. Patricia Maydell, Dr. Monika Meindl,
Tel. ( +43 1) 515 60-358, -386, -370
Email: 20c.paintings@dorotheum.at
Information &
Katalogbestellung:
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