Klassizismus bis frühe Moderne
Zeichnerische Positionen des 19. Jahrhunderts

 


Klassizismus bis frühe Moderne


Zeichnerische Positionen des 19. Jahrhunderts

3. Februar bis 24. Juni 2007

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 8
CH–4010 Basel
Telefon +41 61 206 62 06
Telefax +41 61 206 62 52

Die Ausstellung „Klassizismus bis frühe Moderne – Zeichnerische Positionen des 19. Jahrhunderts“ läuft vom 3. Februar bis zum 24. Juni. Das Kunstmuseum Basel hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Franken, ermäßigt 5 Franken. Der Katalog kostet 44 Franken.



seurat
Georges Seurat,
Une Promeneuse, um 1882


Zur Ausstellung




Die Zeichnung des 19. Jahrhunderts umfasst eine Vielfalt von Formen und Funktionen.
Sie war nicht nur Grundlage der künstlerischen Ausbildung, sondern stand im Zentrum der Vermittlung akademischer Werte. Deshalb war die Zeichnung auch der privilegierte Ort, wo ein Künstler seine kritische Haltung gegenüber der akademischen Tradition zum Ausdruck bringen und Stellung beziehen konnte. Bereits mit Overbeck und anderen Nazarenern am Anfang des Jahrhunderts begannen Künstler auf selbst gewählte Vorbilder zurückzugreifen. Um eigene Positionen entwickeln zu können, mussten sie sich einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte des Mediums Zeichnung stellen. Anhand von Skizzen, Studien und bildmäßig ausgearbeiteten Zeichnungen zeigt die Ausstellung, wie Traditionen aufgenommen und für neue Ziele umdefiniert wurden. Das Kopieren nach alten Meistern, das zur akademischen Ausbildung gehörte, wurde von Künstlern wie Cézanne zum Beispiel als „kreatives Kopieren“ praktiziert, um eigene künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten zu entwickeln.

 



Die Geschichte der Zeichnung im 19. Jahrhundert ist so vielfältig, dass sie sich auch nicht innerhalb eines Landes auf eine allgemein gültige Entwicklung festlegen lässt. Während am Anfang des Jahrhunderts mit Klassizismus, Romantik und den Nazarenern noch größere Entwicklungsstränge auszumachen sind, entfalten sich im Verlaufe der Jahrzehnte immer stärker individuelle Positionen mit Menzel, Marées, Böcklin und Hodler, über Redon, Seurat und Cézanne bis Picasso. Dennoch gibt es auffällige Tendenzen: Neben Studien von Friedrich, Böcklin, Leibl oder Feuerbach, die der Vorbereitung von Gemälden dienten, gibt es vermehrt die autonome und sogar bildmäßig durchgearbeitete Zeichnung, so bei Calame, Menzel, Redon und Seurat. Andererseits finden sich die eher persönlichen, nicht für die Öffentlichkeit bestimmten zeichnerischen Recherchen von Delacroix, Marées oder Cézanne. Die Zeichnung wird im 19. Jahrhundert auch immer wieder hinterfragt. Das Skizzenhafte, das seit dem 18. Jahrhundert in Zeichnungen besondere Wertschätzung erfuhr, wurde durch die Maler im Rahmen der Ästhetik des Non-finito in Anspruch genommen. Die exakte Naturstudie fand eine neue Konkurrenz in der Fotografie, die in den 1830er Jahren erfunden wurde. Dies sind nur zwei der wichtigsten Aspekte, die zeichnende Künstler zwangen, zwischen diesen neuen Herausforderungen ihre persönliche, den eigenen künstlerischen Bedürfnissen entsprechende Form zu finden.




Delacroix

Der Bogen der Ausstellung wird absichtlich großzügig vom Klassizismus um 1800 bis zum jungen Picasso 1907 gespannt, denn ihm gelang es dank seiner Auseinandersetzung mit dem klassizistischen Werk von Ingres, sein spätsymbolistisches Frühwerk abzuschließen und den Kubismus einzuleiten. Die Ausstellung vernachlässigt geographische Grenzen, indem sie französische, deutsche und schweizerische Künstler nebeneinander zeigt, auch wenn sich die Künstler zum Teil gar nie begegnet sind oder ihre Werke gegenseitig nicht kannten. Die Nachbarschaft ermöglicht aber spannende Vergleiche, kann unerwartete motivische Gemeinsamkeiten, stilistische Parallelen oder auch Unterschiede deutlich werden lassen, so zum Beispiel zwischen Fohr und Ingres, Böcklin und Redon, Marées und Cézanne, Cézanne und Böcklin.

Die 109 Zeichnungen von 50 Künstlern und einer Künstlerin stammen ausschließlich aus der Sammlung des Basler Kupferstichkabinetts, deren bemerkenswerte Vielfalt und hervorragende Qualität in der Auswahl zum Ausdruck kommt. Die Sammlung der Zeichnungen aus dem 19. Jahrhundert wuchs nicht in allen Bereichen gleichmäßig, und so ergeben sich auch in der Ausstellung Schwerpunkte (Koch, Böcklin, Redon, Cézanne, Marées, Hodler). Im Vordergrund steht aber die Vielfalt von Möglichkeiten des zeichnerischen Ausdruckes zwischen Tradition und Moderne.

Katalog
Vorwort, Einleitung und Essay zu Odilon Redons Zeichnungen von Anita Haldemann, erschienen im Kerber Verlag (23 x 21 cm, 144 Seiten, 59 ganzseitige Farbabbildungen, komplettes Verzeichnis der ausgestellten Werke, Bibliographie). Preis CHF 44.–



Wiedereröffnung des Kupferstichkabinetts und neuer Studienraum
Wegen Umbau- und Sanierungsarbeiten im Kupferstichkabinett waren unsere Ausstellungsräume während etwa zweieinhalb Jahren geschlossen. Die letzte graphische Ausstellung, die im Zwischengeschoss stattfand, war Nach der Natur im Winter 2002/03. Während der Schließung organisierte das Kupferstichkabinett die Ausstellungen Michaël Borremans – Zeichnungen im Museum für Gegenwartskunst (2004/05), Rudy Burckhardt – New York Moments (2005/06), Rembrandt. Radierungen aus der Sammlung E. W. Kornfeld (2005/06) und die grosse Holbein-Ausstellung Hans Holbein d. J. – Die Jahre in Basel 1515–1532 (2006) in verschiedenen Räumen des Kunstmuseums. Ohne Unterbrechung wurden die kleinen Ausstellungen in den Kabinetten des ersten Stockes weitergeführt (Marquard Wocher, Minimal Art, In stetem Wandel I–III, Hans Bock d.Ä. – Zeichnungen).

Mit dem Umzug der Bibliothek in den Laurenz-Bau 2004 wurde der Studiensaal des Kupferstichkabinetts aufgelöst. Am 24. Oktober 2006 konnte der neue Studienraum im Zwischengeschoss des Kunstmuseums eröffnet werden, wo sich Studierende, Forscher und andere Museumsbesucher gegen Voranmeldung Originale vorlegen

 

 

Kunstmuseum Basel:

Das Kunstmuseum beherbergt die Sammlungen der Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts. Die Schwerpunkte sind Malerei und Zeichnung oberrheinischer Künstler von 1400 bis 1600 sowie die Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts.

 

Ausstellungen 2006 - 2007




24. März 2007 - 29. Juli 2007 | Kunstmuseum
Brice Marden
Kurator: Christian Müller



02. Juni 2007 - 09. September 2007 | Kunstmuseum
Jasper Johns
Kurator: Bernhard Mendes Bürgi
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02. Juni 2007 - 31. Dezember 2007 | Kunstmuseum
Eröffnung der neuen Ausstellungsräume




14. Juli 2007 - 07. Oktober 2007 | Kunstmuseum
Newman, Stella, Judd
Kuratoren: Christian Müller & Anita Haldemann




18. August 2007 - 11. November 2007 | Kunstmuseum
Kreis und Kosmos
Kurator: Stephan Kemperdick



20. Oktober 2007 - 24. Februar 2008 | Kunstmuseum
Andreas Gursky
Kuratoren: Bernhard Mendes Bürgi & Nina Zimmer




20. Oktober 2007 - 20. Januar 2008 | Kunstmuseum
Otto Meyer-Amden - Oskar Schlemmer
Kurator: Anita Haldemann