Karl Bohrmann
Innenräume – Außenräume | Zeichnungen 1991-1998

 

Karl Bohrmann
Innenräume – Außenräume | Zeichnungen 1991-1998
Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung

in der Pinakothek der Moderne

Pinakothek der Moderne
Kunstareal München
Barerstrasse 40
80333 München

Öffnungszeiten
Ausstellungsdauer: bis 25.02.07

 

 

Ohne Titel
Staatliche Graphische Sammlung


 

Bäume,1997
Staatliche Graphische Sammlung



Als Maler, Zeichner, Fotograf und Komponist von Neuer Musik hinterließ Karl Bohrmann (1928-1998) ein umfangreiches OEuvre, das seine komplexe künstlerische Ausrichtung beeindruckend dokumentiert. Sein zeichnerisches und malerisches Werk ist von Zyklen und Variationen bestimmt und steht im faszinierenden Spannungsfeld von Figuration und Abstraktion. Dem Medium der
Zeichnung galt dabei die große Leidenschaft des Künstlers.
In dem beinahe unendlich anmutenden zeichnerischen Werk Karl Bohrmanns erscheint die Anzahl der Themen zunächst eng umgrenzt: Stuhl, Tisch, Fenster, Gefäß, Raum, Haus, Baum und Frauenfigur. Die aktuelle Ausstellung konzentriert sich auf diese Werkgruppen der letzten Lebens- und Schaffensjahre Karl Bohrmanns.

In den selten ausgestellten Zeichnungen reflektiert der Künstler die kaum lösbare Spannung zwischen Subjekt und Objekt in der Verzahnung mit dem umgebenden Raum. Jedes Motiv erfährt in den umfangreichen Blattfolgen seine Variationen. Immer wieder aufs Neue verändert Bohrmann das an sich Gleiche.

 

Fenster, 1997
Nachlass Karl Bohrmann

 



Und doch ist jedes einzelne Blatt einmalig und birgt für sich seine ganze Welt.
In knapp definierte Umräume platziert werden all seine Sujets am Ende zu Landschaften. Es sind letztlich innere Landschaften, um die es Bohrmann in seinen sehr zarten, gleichzeitig dezidiert gesetzten Bildweiten geht. Der prozesshafte Charakter seiner Linienführung wird zudem durch Bohrmanns zeichnerische Reaktion auf Gegebenheiten des verwendeten, oftmals durch Spuren vorheriger Nutzung bereits geprägten Papiers, mit Rissen, Knicken,
Schriften und Flecken hervorgehen.
In schriftlichen Notizen kommentierte und hinterfragte Karl Bohrmann immer wieder seine künstlerische Position. Diese Gedanken sind, ebenso wie seine Zeichnungen, von überraschender Einfachheit und Komplexität zugleich. Selten
nur formuliert Bohrmann hier kategorische Manifestationen. Der Künstler sieht sich vielmehr in der Rolle des Suchenden und (Selbstbe-)fragenden, immer darauf bedacht, jede künstlerische Festlegung zu vermeiden: »Was man macht, muß fraglich sein, wird fraglich bleiben. Und doch muß das selbstverständlich,
ohne Zögern, ohne Fragen gemacht sein«.

 

Bäume Briefe n.W., 1998
Nachlass Karl Bohrmann



Kurator: Michael Semff

Biografie Karl Bohrmann

1928 geboren am 29. Oktober in Mannheim
1947-1948 Kunstschule Saarbrücken
1948-1949 Akademie Stuttgart bei Willi Baumeister
1952-1954 Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz
1957 Kunstpreis der Jugend von Baden-Württemberg
1958 Pfalzpreis
1959-1972 lebt in München
1962 Förderungspreis Rheinland-Pfalz
1964 Premio Lugano
1969 Deutscher Preis der Mostra Biennale Internazionale Della
Grafica, Florenz
1972-1980 lebt in Frankfurt am Main und Amsterdam
Lehrer an der Städelschule/Staatliche Hochschule für
Bildende Künste, Frankfurt a.M. und Leiter der Städel-
Abendschule
1976 Kunstpreis Rheinland-Pfalz
1980-1998 lebt in Amsterdam und Köln
1982 Villa Romana Stipendium, Florenz
1984 Ehrengast in der Villa Massimo, Rom
1985 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste,
München
1987 Kunstpreis der Künstler, Düsseldorf
1998 gestorben am 17. Dezember in Köln