ICH ESSE LICHT  Die islamische Sammlung des museum kunst palast

 

ICH ESSE LICHT
Die islamische Sammlung des museum kunst palast inszeniert von Berkan Karpat

25.11.2006 – 11.02.2007
November 2006
Unter dem Titel „ICH ESSE LICHT“ inszeniert der Künstler Berkan Karpat (*1965) mit ausgewählten Exponaten der museumseigenen Sammlung orientalischer Kunst verschiedene Installationen, die überraschende Perspektiven auf den Islam ermöglichen und zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Kunst des islamischen Orients anregen.


 

Zeremonienstab
Iran, 19. Jh.
Foto: Andreas Ohrenschall, München

Das museum kunst palast besitzt eine bemerkenswerte Kollektion orientalischer Kunst aus der Zeit des 14. – 19. Jahrhunderts. Einen besonderen Höhepunkt der Sammlung bilden neben aufwendig gearbeiteten Metallgefäßen und orientalischen Textilien, Handschriften aus dem 16. Jh. bedeutender persischer Dichter sowie kunstvoll geschriebene und illuminierte Korane und Prunkeinbände. Mit der künstlerischen Präsentation dieser Sammlung durch Berkan Karpat knüpft das Museum an das im Jahre 2001 temporär von Thomas Huber und Bogomir Ecker ausgestattete Künstlermuseum an, das interessante und ungewöhnliche Einblicke in die Schausammlung gewährte.

In den Räumen der Graphischen Sammlung präsentiert sich die islamische Sammlung vor einem grünen Hintergrund. Im Islam spielt diese Farbe eine besondere Rolle: Grün steht als Farbe der Vegetation für die Schöpfungskraft Gottes und für die Verheißung des Paradieses und ist die Farbe des Propheten Mohammed, der dieser Farbe vor allen anderen den Vorzug gab.

 

Anfangsseiten einer Handschrift
Dichtungen des Gelehrten Gami (15. Jh.)
Buchara, 1540



Die Inszenierung der Sammlung durch Berkan Karpat bildet eine Annäherung an die ‚islamische Welt’ sowohl über die kunstvolle Rezitation des Koran als auch der einzigartig feinsinnigen orientalische Dichtung. Auf diese Weise wird die poetische Kraft und Ästhetik des Islam nicht nur über den Inhalt, sondern auch über den Klang des gesprochenen Wortes erfahrbar: „In den Büchern des Orients ist Klang. Der Klang der Jahrhunderte. In der Ausstellung wird er als Rezitativ wieder hörbar, als mechanische Schwingung fühlbar, als Speise auch trinkbar und als Kalligraphie sichtbar – so entsteht ein klingendes Miniaturmuseum, genährt aus dem Wissen der Jahrhunderte.“ (Karpat)

 




So stellt Karpat den Koranrezitativen u.a. lyrische Texte des Dichters Hafiz gegenüber, die durch ihre poetische Kraft eine außerordentliche Leidenschaft zum Ausdruck bringen. Hafiz gilt noch heute als einer der wichtigsten persischen Dichter. Handeln seine Werke vordergründig von den Freuden sinnlichen Genusses – Liebe, Jagd, Trunk und Natur –, so steckt hinter dieser Vordergründigkeit die islamische Mystik mit ihrer Sehnsucht nach Vereinigung mit dem Göttlichen.

 

Blick in den „Eisengarten“ mit kunstvoll gestalteten Metallgegenständen aus der Sammlung

Am Eingang der Ausstellung empfängt ein Brunnen den in Vibrationen übertragenen Text des Korans, setzt das Wasser so in Bewegung und lädt die Besucher, von ihm zu trinken. Der Text wird so nicht nur rational über seine Bedeutung, visuell über die Kalligrafie, hörbar über die Rezitation des Wortes, sondern auch körperlich spürbar als berührbare Vibration und im wahrsten Sinne „einverleibbar“ als Flüssigkeit.

 

handschrift aus der islamischen Sammlung

Die Rose, vielfach eingesetzt als Duft- und Heilwasser, gilt seit den Anfängen der islamischen Welt als Manifestation des Göttlichen, nach dem Volksglauben aus dem Schweiß Mohammeds auf seiner Himmelsreise entstanden. Berkan Karpat stellt zwischen Rosenterrassen und reich ornamentierten orientalischen Gefäßen die berühmten persischen Dichter Hafiz, Dschami, Rumi und Saadi in den Mittelpunkt seiner Inszenierung. Die als Rezitative zu hörenden Dichtungen – unter ihnen das populärste Werk der klassischen persischen Literatur, „Der Rosengarten“ von Saadi – setzt Karpat als Kontrapunkt Gedichte des zeitgenössischen Schriftstellers und Lyrikers Zafer Senocak gegenüber. Deutsche Übersetzungen liegen für alle Texte bei den Installationen aus.

Stiftung museum kunst palast
Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf
info@museum-kunst-palast.de
www.museum-kunst-palast.de



In der Schau vermischen sich auf diese Weise immer wieder traditionelle Elemente islamischer Ästhetik - seien es die kunstvoll illuminierten Handschriften, reich verzierte Metallgegenstände, das Bild des Rosengartens, die Kunst der Kalligraphie und Rezitation - mit zeitgenössischen Elementen: So wird ein Roboter eine der sogenannten „Schutzsuren“ des Korans auf eine Plexiglasscheibe kalligraphieren – und auf diese Weise das unveränderliche göttliche Wort fixieren.

Der 1965 in Istanbul geborene und in München lebende Berkan Karpat bewegt sich mit seinen ungewöhnlichen und bildgewaltigen Installationen zwischen allen Genres. Wahlweise als Installationskünstler, Theatermagier oder Raumpoet bezeichnet, ist das Aufbrechen der Grenzen nicht nur zwischen den Kunstsparten, sondern auch zwischen Kunst, Technik und Wissenschaft für ihn bezeichnend. In seinen Arbeiten treffen Orient und Okzident in überraschend-sinnfälligen Verbindungen aufeinander und entführen das Publikum in ein mit allen Sinnen erfahrbares Universum aus Bild, Klang und Duft.
Abbildungen der Inszenierung können ab 24.11.2006 unter www.museum-kunst-palast.de heruntergeladen werden.

Kuratorin: Barbara Til
Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag, 11-18 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt:
6,00 Euro, erm. 4,50 Euro
Führung: 11.01.2007, 17.00h

Die Stiftung museum kunst palast ist eine Public-Private-Partnership zwischen der Landeshauptstadt Düsseldorf, E.ON AG, METRO Group und degussa AG.

 

Vorschau:

Ausstellung
21.04.2007 - 22.07.2007
Die Kunst zu sammeln
Die Kunst des 20./21. Jahrhundert in Düsseldorfer Unternehmens- und Privatbesitz


Berühmte Künstler, eine bedeutende Kunstakademie, renommierte Galerien und international bekannte Museen prägen die Kunstszene Düsseldorf. Auch Sammler sind ein Motor des Kunst-geschehens in der Stadt. Sie suchen nicht das Rampenlicht der Öffentlichkeit. Umso aufschlussreicher ist es, Blicke hinter die verschlossenen Türen zu werfen.

Die Ausstellung Die Kunst zu sammeln im museum kunst palast präsentiert mehr als 280 hochkarätige Werke von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart aus bedeutenden Unternehmens- und Privat-
sammlungen, wie z. B. Deutsche Bank, E.ON AG, Henkel KG, Provinzial-Rheinland Versicherung AG, Victoria Versicherungen AG, Sammlung Kemp und Sammlung Fischer. Zu sehen sind neben anderen Maler wie Richter und Immendorff, die Fotografie der Becherschule und internationale Kunst (Russischer Nonkonformismus, Nouveau Réalisme, Fluxus, Arte Povera).

Viele der Werke waren bisher noch nicht öffentlich ausgestellt.

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Ausstellung
24.03.2007 - 05.08.2007
Glasmuseum Hentrich


Grünes Gewölbe in der Tonhalle
Kunst der kleinen Form
Glasarbeiten vor der Lampe
Die Bezeichnung ist etwas seltsam. Als „vor der Lampe geblasen“ werden Glasgefäße und Objekte bezeichnet, die nicht in der Glashütte sondern am Werktisch vor einer offenen Flamme aus vorgefertigten Glasstäben und –röhren entstehen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war dies eine mit zusätzlicher Luft versorgte Öllampe – daher der Name – seit den 1860er Jahren dann ein spezieller Gasgebläsebrenner.

Diese besondere Technik hat im Bereich des Kunstglases eine eigenständige Gattung kleinformatiger Vasen und Objekte entstehen lassen. Die Ausstellung zeigt die Möglichkeiten dieser Gestaltungsweise im breiten Überblick. Beginnend mit historisierenden Arbeiten im venezianischen Stil über Meisterwerke des Jugendstils nach Entwurf Karl Koeppings und Ziergegenstände der Jahre zwischen den Weltkriegen liegt der Schwerpunkt der Ausstellung bei Gläsern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als deutsche Spezialität entstanden sie zu Zeiten der DDR vornehmlich in Lauscha im Thüringer Wald, aber auch an verschiedenen Orten in der Bundesrepublik.

Mit der Arbeit Věra Liškovás in Prag überwand das lampengeblasene Glas schließlich das kleine Format. Heute entstehen im Studioglasbereich mit Hilfe gelernter Laborglasbläser durch Künstler wie Richard Meitner, Ginny Ruffner oder Anna Skibska plastische Arbeiten, die den Rahmen des Kunsthandwerks sprengen und der alten Technik völlig neue Möglichkeiten eröffnen.