Trotz Zehntausenden von Neuerscheinungen
auf dem Büchermarkt
gibt es immer wieder
einzelne Bücher, die wie Perlen
herausstechen. Ein solches Buch
ist Der kleine Lalu. Das Bilderbuch
ist anlässlich des Festes
"Zäme fäbe - Ostschweiz", Begegnungswochen
zwischen Behinderten
und Nichtbehinderten,
erstmals vorgestellt worden.
Die Weisheit des Buches ist einfach:
"Der kleine Lalu ist ein einsames
Kind. So bleibt ihm die Welt verschlossen.
Doch eines Nachts steigt
der Mondprinz auf die Erde. Er
nimmt Lalu in seine Arme und zeigt
ihm so: Ich hab dich gern, genau
so, wie du eben bist! Jetzt lacht in
seinem Herzen die Sonne und er
beginnt, mit allen Sinnen die Welt
zu erkunden. Lalu entdeckt die
Natur und findet einen Freund.
Jetzt ist er glücklich!
Wenn Lalu Lust hatte, spielte er auf seiner Flöte.
Die Vögel sangen dazu Ihre Lieder.
Eine Tiefe, die anrührt
Die Stärke des Buches liegt aber
gerade in der Einfachheit. Bild um
Bild, Wort um Wort rÜhren in uns
existenzielle, archaische Sehnsüchte
an - Lebensweisheiten, die im Kern
unseres Lebens angelegt sind. Sie
sind dem Erwachsenen nicht weniger
nahe als dem Kinde. Aus dieser
Sicht trifft es nicht die ganze Wahrheit,
wenn das Buch "nur" als Kinderbuch
angesehen wird. Eine
besondere Kraft lösen die Bilder
aus. Helga Hornung malte dazu
grossflächige, leuchtende Acrlylbilder.
Es sind "tiefe» Farbtöne, die
ebenso die Tiefe der Seele ansprechen.
Es sind Bilder, die der Seele
Zeit lassen, zu träumen und diese
Träume zu entfalten.
Eine Geschichte in uns
Der kleine Lalu ist eine Wurzel-
Geschichte. Sie wagt den Weg dorthin,
wo die Wurzeln ihre Kraft
schöpfen und Leben zur Entfaltung
bringen. Es ist eine zutiefst religiöse
Geschichte, ohne nur einmal das
Wort Religion zu nennen. Es geht
um die Vorauserfahrung, die Glauben
ermöglicht; um die Erfahrung,
angenommen zu sein. Diese Erfahrung
nährt das Selbstwertgefühl,
fördert die Selbstentfaltung und ermöglicht
Zuwendung. Freundschaft
mit sich selbst, der Umwelt und
den Mitmenschen ist das GlÜck, das
daraus entsteht.
Eine Weltneuheit
Das Bilderbuch enthält neben dem
deutschen Text von Markus Kappeler,
GeschäftsfÜhrer des Rex-
Verlages, eine Weltneuheit: die
Symbolsprache mit den Bliss-Symbolen.
Bliss-Symbole sind keine
wörtliche Übersetzung. Es sind allgemeinverständliche
Zeichen, die
Charles K. Bliss den Gegenständen
zugeordnet hat. Menschen mit
unterschiedlichen Behinderungen
lernen erstaunlich gut, sich mit
Bliss-Symbolen auszudrücken.
Monika Amrein, aus Sommeri,
hat den Text in Bliss-Symbole Übersetzt
und ein Lesezeichen dazu
erstellt.
Diese Idee ist nicht zufällig.
Sie kommt der Aussage des Buches
nahe: das Eingeschlossen-Sein zu
durchbrechen und wie Lalu mit
anderen kommunzieren zu können.
"Der kleine Lalu»ist das erste
Buch, das wir unter einer neuen
Rubrik, "Das Buch - mit der besonderen
Note», vorstellen.
Es verdient diese besondere
Note. Und es ist zu hoffen, dass
viele Menschen das "besondere»
Bilderbuch entdecken: Behinderte
und Nichtbehinderte, Kinder, Eltern,
Kindergärtnerinnen, Katechetinnen,
alle, die sich gerne vom Leben packen
lassen.
Hans Kuhn-Schädler