Helene Schjerfbeck
Hamburger Kunsthalle - Stiftung öffentlichen RechtsGlockengießerwall
D-20095 Hamburg
Helene Schjerfbeck
Helene Schjerfbeck
Selbstbildnis, 1912
Öl auf Leinwand, 43,5 x 42 cm
Leihgeber: Privatsammlung im Kunstmuseum Ateneum, Staatliches Kunstmuseum Finnland
© Ateneum Art Museum, Central Art Archives, Hannu Aaltonen (Nationalarchiv für bildende Kunst Finnland)
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006
2. Februar bis 6. Mai 2007 im Hubertus-Wald-Forum
Eröffnung: Donnerstag, 1. Februar 2007, 19 Uhr im Hubertus-Wald-Forum
„Stellen Sie sich vor, das Leben der Frida Kahlo wäre verbunden mit dem Auge von Edvard Munch
und Sie werden anfangen, das Ausmaß dieses Werkes zu erfassen...“
(The Independent über Helene Schjerfbeck, London im Oktober 2003)
Maria, 1909Öl auf Leinwand, 57 x 73 cm
Leihgeber: Amos Anderson Kunstmuseum, Helsinki, deposited
© Ateneum Art Museum, Central Art Archives, Hannu Aaltonen (Nationalarchiv für bildende Kunst Finnland)
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006
In Finnland ist sie eine Nationalheldin, in Skandinavien gilt sie als Mythos, in Europa ist sie dagegen weitestgehend unentdeckt. Die Hamburger Kunsthalle widmet nun Helene Schjerfbeck (1862-1946) eine umfassende Retrospektive, die erste große in Europa außerhalb von Skandinavien. Die Ausstellung wird im Anschluss im
Gemeentemuseum, Den Haag, und im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris gezeigt.
90 Jahre nach der ersten Einzelausstellung präsentiert die Ausstellung über 120 Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen aus dem umfangreichen Oeuvre der einflussreichen Malerin. Zu sehen sind Selbstportraits, Portraits, Landschaften und Stillleben, die den höchst eigenwilligen Stil Schjerfbecks zeigen und ihre heraus-ragende Stellung in der Moderne offenbaren. Frühe Studienaufenthalte in Paris, Reisen nach Florenz, St. Petersburg, Wien, in die Bretagne und nach England prägten den künstlerischen Weg der früh erfolgreichen Malerin. Für ihr
impressionistisch beeinflusstes Bild „die Genesende“ wurde der damals 27-Jährigen 1889 auf der Weltausstellung in Paris die Bronzemedaille verliehen.
Helene Schjerfbeck
Zwiebeln, 1883 - 1884
Öl auf Leinwand, 30 x 36 cm
Leihgeber: Moderna Museet, Stockholm, Geschenk von Gösta Stenman, 1926
© Moderna Museet, Stockholm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006
Vom Realismus kommend und impressionistische Einflüsse aufgreifend löste sich Schjerfbeck mit der Jahrhundertwende
bewusst von der Nationalromantik ihrer nordischen Kollegen und ging einen ganz eigenen Weg, der eher internationale Einflüsse erkennen lässt. Sie folgte selbstbewusst einer modernen Auffassung von freiem Farbauftrag und reduzierter Formensprache und nimmt in einigen Bildern bereits Momente der Abstraktion
vorweg. Als sie 1902 aus Krankheitsgründen ihr weltoffenes Leben aufgeben musste, galt sie bereits als eine der wichtigsten Vertreterinnen einer Generation finnischer Künstlerinnen.
In den folgenden knapp 50 Jahren selbst gewählter Isolation in finnischen Dörfern entwickelt Schjerfbeck einen eigenen expressiven Stil, der in seiner Strenge, Stille und Intensität tief beeindruckt und gleichzeitig voller Kraft und Sensibilität ist. Fern von Historismus und Nationalromantik schildert die Künstlerin das einfache Leben der Frauen und Kinder. In den Bildern wie Das Schulmädchen, Die Näherin, Meine Mutter tritt das szenische Umfeld hinter der von einer inneren Kraft getragenen Haltung der Figuren zurück. Schjerfbeck reduziert das Erzählerische zu einer höchst ausdrucksstarken Formensprache.
Helene Schjerfbeck
Mädchen vom Bildteppich, 1915
Öl auf Leinwand, 68 x 45 cm
Leihgeber: Moderna Museet, Stockholm
© Moderna Museet, Stockholm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2006
Im Mittelpunkt der Retrospektive stehen die Selbstportraits Schjerfbecks, die mit einer Serie von späten, sehr reduzierten Selbstbefragungen ihren Höhepunkt finden. „Wo ich jetzt selten Kraft habe zu malen, habe ich mit einem Selbstportrait begonnen, man hat das Modell zur immer zur Hand, nur ist es nicht immer so lustig, sich selber zu sehen“, schreibt die Zeit ihres Lebens von Krankheit gezeichnete Künstlerin 1921 an eine Freundin.
Unerschrocken zeigt hier eine so verletzliche wie starke Frau schonungslos und mit steigender Intensität ihr Altern und schließlich den eigenen körperlichen Verfall.
Die Ausstellung umfasst Leihgaben von finnischen Museen (Ateneum Helsinki Finnische Nationalgalerie, City Art
Museum, Didrichsen Art Museum, Helsinki und vielen anderen) und schwedischen Museen (Moderna Museet Stockholm) sowie von vielen Privatsammlungen besonders aus Finnland und Schweden. So können Werke zusammengetragen werden, die nach Schjerfbecks Tod selbst in Skandinavien noch nicht gezeigt wurden.
Es erscheint ein umfangreicher Ausstellungskatalog in Deutsch, Englisch, Holländisch und Französisch. ImRahmenprogramm sind Führungen, eine Lesung aus finnischer Literatur und ein Konzert mit finnischem Tangogeplant.
Kuratorin der Ausstellung: Dr. Annabelle Görgen