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 Haus der Kunst München

Konstantin Grcic Industrial Design. On / off

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Konstantin Grcic Industrial Design. On / off

16. März - 9. Juli 2006

verlängert bis 30. Juli 2006

Mittwoch, 15. März 22 Uhr
"Seriously …"

 

Konstantin Grcic 2004
Foto: Daniel Mayer


Rem Koolhaas spricht über die Notwendigkeit von und das Bedürfnis nach Ernsthaftigkeit, über ernsthaftes Design als gutes Design und vice versa.

Normalerweise findet man die Produkte von Konstantin Grcic im Laden. Dort steht dann eine Lampe von ihm neben 50 Lampen anderer Designer, muss sich behaupten und ihren Käufer finden. Konstantin Grcic selbst würde seine Lampe auf eine erzählerische Art in Szene setzen. Das Haus der Kunst bietet ihm mit der großen Mittelhalle die Projektfläche dafür – "on".

Konstantin Grcic und Nitzan Cohen von Konstantin Grcic Industrial Design (KGID) präsentieren Objekte aus den vergangenen zehn Jahren. Das älteste Produkt ist der Tisch TomTom von 1996, das jüngste ein Stuhl, den die Designer 2005 für ClassiCon entworfen haben. Die Ausstellung versteht sich nicht als der Chronologie oder Linearität verpflichtete Leistungs- oder Werkschau, sondern als Inszenierung der persönlichen Sicht der beiden Designer auf die eigenen Produkte. Sie zeigt fertige Objekte und erzählt darüber hinaus in Bildern deren Entstehungs-geschichte. Durch Fotos, die zu Bildsequenzen oder Videoclips arrangiert sind, Prototypen, Modelle aus Pappe oder Schaumgummi, Skizzen und Auszüge aus der Korrespondenz mit dem Auftraggeber werden die Schritte nachvollziehbar, die zu dem Produkt in seiner letztlich gültigen Form geführt haben.

KGID hat für die Präsentation der eigenen Produkte im Haus der Kunst folgende Szenerie entworfen: In der Mitte des Raumes breitet sich über eine Länge von 27 Metern die Installation "White Noise" aus, bestehend aus weiß lackierten Bierbänken und -tischen. Auf den Tischen liegt eine große Auswahl an Material zu den in der Ausstellung gezeigten Projekten: Skizzen und Zeichnungen, Texte, Illustrationen und Fotos. Um die Installation "White Noise" herum stehen Archivschränke für Modelle und Prototypen, Fotos und Videoclips sowie hohlkehlenförmige Kulissen, wie der Hintergrund im Fotostudio ganz in Weiß gehalten, für die eigentlichen Produkte. Das gesamte Arrangement bildet ein dichtes, rechtwinkliges Raster, das von vierzig Set-Scheinwerfern beleuchtet wird. Im Unterschied zum herkömmlichen Set-Scheinwerfer sind deren Stative und Füße jedoch nicht verstellbar. Die Schweinwerfer sind ebenfalls vollkommen weiß. Sie stehen frei und scheinbar chaotisch immer dort, wo sie gebraucht werden. Eigens für die Ausstellung entworfen, sind sie mit ihrer physischen Präsenz Ausdruck eines nüchtern eleganten Stilwillens und ein wesentliches Element der Ausstellungsarchitektur.

Der subjektive Blick auf die Dinge ist auch für die 2005 bei Phaidon erschienene Monografie KGID charakteristisch: Eine Fotografie von Florian Böhm zeigt, wie die 2-HANDS (für Authentics, 1996/1998) – lichtdurchlässige, pastellfarbene Waschschüsseln aus Polypropylen – auf einem See schwimmen. Sie ruhen auf der Wasseroberfläche wie Blüten von Teichgewächsen. Das Naturidyll wird jedoch ironisch gebrochen, weil sich gleichzeitig der Gedanke an verschmutzte Gewässer aufdrängt: an Gewässer, in denen Benzinkanister treiben. Die Lampe Mayday (für Flos, 1998) liegt auf dem Boden einer Werkstatt, neben einem Schweißbrenner und einer ausgetretenen Zigarette. Der Handwerker kann sie an dem multifunktionalen Griff mit sich herumtragen, sie daran aufhängen oder das Kabel darum wickeln und sie neben sich abstellen. Gleichzeitig ist das Äußere von Mayday so gewinnend, dass die Lampe in dieunterschiedlichsten Wohnräume passt. So inszeniert, lassen die Objekte nicht nur ihre materielle Beschaffenheit erkennen, sondern offenbaren auch ihren Charakter
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wie sie Kontakt mit ihrer Umwelt aufnehmen und auf welche Weise sie benutzt werden wollen.

Das Design von KGID wird oft als minimalistisch bezeichnet. Konstantin Grcic selbst zieht es vor, von Einfachheit zu sprechen: "Ich glaube ganz stark an Einfachheit. chair_ONE zum Beispiel ist einfach. Dieser Stuhl hat eine innere Logik und seine Struktur ist schmucklos, aber ich würde ihn trotzdem nicht als minimalistisch bezeichnen.
Er ist nämlich ziemlich komplex. Genau diese Form von Einfachheit mag ich: Etwas ist radikal in dem Sinne, dass es zu den Wurzeln vordringt, zum Wesentlichen, und dabei eine irrationale Note behält. Das ist der Ursprung von Persönlichkeit – der menschliche Touch." (Konstantin Grcic 2005)

Konstantin Grcic ist weder einer sich in den Vordergrund drängenden individuellen Ästhetik verpflichtet, noch verschwindet er hinter anonym wirkenden Lösungen; vielmehr setzt er neue Standards, indem er auf höchstem Niveau diese beiden grundverschiedenen Richtungen kombiniert. Dabei erfindet er nicht neu, sondern überarbeitet, verbessert und reduziert. Bequem in der Handhabung, überzeugen seine Objekte durch formale Strenge und Einfachheit, durch Scharfsinn, Eleganz und Humor.

Die Präsentation in der Mittelhalle bildet den on-Bereich der Ausstellung. Daran schließen sich off-Bereiche in verschiedenen Räumen an, die ebenfalls von KGID gestaltet wurden:

– die Außenpaneele im Säulengang
– das Orientierungssystem im Foyer
– die Sitzgruppe mit Sofas Modell "Odin" (produziert 2005 von ClassiCon) im Foyer
– die Kassenmöbel
– der Buchladen Walther König (ab März 2006)
– "Medina", eine Installation mit Maydays und Teppichen speziell für die Goldene Bar

Die off-Bereiche sind durchgehend flexibel und greifen nie verändernd in die Architektur ein. Auf diese Weise gehen sie eine ideale Symbiose mit dem unter Chris Dercon durchgeführten Kritischen Rückbau des Hauses ein, der die ursprüngliche Architektur wieder freigelegt hat. Die Mittelhalle wurde 2004 erstmalig von Nic Hess ("Guten Morgen, Deutschland!"), dann von Aernout Mik ("Dispersionen") und 2005 von Paul McCarthy ("LaLa Land Parodie Paradies") als Projektfläche genutzt.

Die Produkte von KGID sind in namhaften Sammlungen vertreten: im Centre Georges Pompidou, Paris, im Museum of Modern Art, New York, im Brooklyn Museum of Art,
New York, im Design Museum, London, im Victoria & Albert Museum, London, im Stedelijk Museum, Amsterdam, im Boijmans Van Beuningen Museum, Rotterdam und in der Neuen Sammlung, München.

Biografische Information

Konstantin Grcic (geb. 1965) ließ sich an der John Makepeace School for Craftsmen in Dorset ausbilden und schloss 1990 sein Studium am Royal College of Art in London ab. Er arbeitete bei Jasper Morrison und gründete 1991 sein eigenes Büro, Konstantin Grcic Industrie Design. Schon bald zählten so unterschiedliche Firmen wie Agape, Authentics, Cappellini, ClassiCon, Driade, Flos, Iittala, Krups, Lamy, Magis, Moorman, Moroso, Muji, Plank, Porzellanmanufaktur Nymphenburg und Whirlpool zu seinen Auftraggebern, seit kurzem auch das Office for Metropolitan Architecture in Rotterdam.

Nitzan Cohen (geb. 1973 in Israel) studierte an der Avni Art Academy, Tel Aviv und der Design Academy Eindhoven. Er arbeitete als Set Designer und Art Director für mehrere israelische Fernsehsender. 2001 entwarf er für JCJ Haans International, Tilburg in Zusammenarbeit mit vietnamesischen Handwerkern flexible Bambusmöbel. Ein Jahr später nahm er an dem Think tank project "Designlab Siemens mobile" sowie Gruppenausstellungen in Recife und São Paulo, Eindhoven, München und Köln teil.
Seit 2002 ist Nitzan Cohen Designer und Projektleiter bei KGID.

Publikation

KGID (Konstantin Grcic Industrial Design), hrsg. von Florian Böhm,
Phaidon Press, £ 39,95 / € 69,95, November 2005, 240 Seiten, ca. 300 Abbildungen, ISBN 0 7148 4431 4

Foyer mit freundlicher Unterstützung von ClassiCon

 

 
 


 

 

 

 

 

 

 

 2-HANDS and 2-HANDS-2, laundry baskets, 1996/1998, polypropylene, Authentics
© Florian Boehm

 

 

 

SQUARE, waste bin, 1996, polypropylene, Authentics
© Florian Boehm

 

 

 

MAYDAY, portable lamp, 1998, polypropylene, Flos
© Florian Boehm

 

 

 

GLOVE, vessels 2002, clay, CorUnum
© Florian Boehm

 

 

 

chair_ONE, 2004, die-cast aluminium, Magis
© Florian Boehm

 

 

 

WOODSTOCK, various projects in wood, 1992-2000, KGID
© Florian Boehm

 

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