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Frans Post (1612-1680)
Maler des Verlorenen Paradieses /
Painter of Paradises Lost
2. Juni - 17. September 2006
Einen "Canaletto Brasiliens", einen "Zöllner
Rousseau des 17. Jahrhunderts" hat man ihn genannt – an Vergleichen
hat es nicht gefehlt, um das Faszinosum Frans Post zu beschreiben.
Frans Post nimmt in der Geschichte der Malerei einen besonderen
Platz ein. Geboren in Haarlem, nach dem frühen Tod des Vaters
wahrscheinlich ausgebildet von seinem Bruder, dem Architekten und
Maler Pieter Post (1608–1669), fuhr er mit 25 Jahren im Gefolge des
Prinzen Johann Moritz von Nassau Siegen nach Brasilien. In der
Küstengegend um die heutige Millionenstadt Recife herrschten seit
wenigen Jahren nicht mehr die katholischen Portugiesen, sondern die
kalvinistischen Holländer. Die Handelsherren der Westindischen
Kompanie hatten den Prinzen als Gouverneur eingesetzt. Im
atlantischen Dreieckshandel führte man Zucker und Holz nach Europa
aus und schiffte Sklaven von der Westküste Afrikas ein.

Frans Post
Der Wasserfall von Paulo Afonso, 1647
MASP, Museu de Arte de São Paulo Assis Chateaubriand, São Paulo,
Brasil
Holz, 58,5 x 46
Die Anstrengungen des Prinzen gingen jedoch über die merkantilen
Interessen der Anteilseigner hinaus. In den wenigen Jahren seiner
Regierung (1637–1644) baute er die Kolonie nach den Grundsätzen
eines liberalen Staatswesens aus, so dass das moderne
multikulturelle Brasilien seiner gerne gedenkt. Sein Nachruhm
verdankt sich auch seinem persönlichen Engagement für Wissenschaft
und Kunst. Er war Bauherr des Mauritshuis in Den Haag und
beauftragte auf eigene Kosten Kartografen, Naturforscher und Maler
mit der Beschreibung des "Papageienlandes", das mit seinem
Artenreichtum auf Europäer wie ein vorsintflutliches Paradies
wirkte. Zu dem Rechenschaftsbericht der Expedition, Rerum per
octennium in Brasilia gestarum historia (1647) von Caspar Barlaeus,
trug Frans Post 32 Illustrationen bei, für die er seine an Ort und
Stelle angefertigten Skizzen und Notizen heranzog. Wegen ihrer
nahezu fotografischen Abbildungstreue zählen die frühen, in
Brasilien entstandenen Werke von Frans Post zu den wertvollsten
Bildzeugnissen der Epoche.
Nach seiner Rückkehr 1644 eroberte Frans Post mit seinen
brasilianischen Landschaften bald eine exotische Nische auf dem
Kunstmarkt und war nicht mehr auf Aufträge des Hofes angewiesen. In
Haarlem, wo die Landschaftsmalerei von zahlreichen heute noch
berühmten Meistern wie Jacob van Ruisdael (1628/29–1682) gepflegt
wurde, formte er seine akkuraten Naturaufnahmen zu dekorativen
Kunstwerken um, die dem Geschmack des geschulten holländischen
Publikums entsprachen. Auf diese Weise führte er Amerika in die
europäische Malerei ein. Dabei entwickelte er seine Kunst weiter: In
den Jahren von 1644 bis 1650 greift er auf seine Zeichnungen zurück,
um einem durch die aktuellen Reiseberichte vorbereiteten Publikum
getreue Bilder eines gerade heimgekehrten Augenzeugen nachzuliefern.
In den 1650er-Jahren orientiert er sich mehr am Stil anderer Meister
seines Faches wie vor allem Cornelis Vroom (um 1591–1661) und
beginnt, eigene Kompositionen zu variieren. Den Höhepunkt seiner
Karriere erreicht er in den 1660er-Jahren. Zu jener Zeit hatten die
Holländer ihre brasilianische Kolonie gerade wieder an die
Portugiesen abgetreten und blickten auf ihr Verlorenes Paradies
zurück. Frans Post breitet nun eine geradezu enzyklopädische Fülle
an Motiven der brasilianischen Flora und Fauna unter einem strahlend
blauen, romantischen Himmel aus. Im Alter schlägt er noch einmal
eine neue, wehmütige Saite an: Seine ländlichen Szenen der späten
Jahre bis 1680 fangen häufig ephemere Abendstimmungen ein.

Frans Post
Der Fluß São Francisco mit Fort Maurits, 1639
Musée du Louvre, Département des Peintures
Leinwand, 62 x 95 cm
Seit seiner Wiederentdeckung vor etwa hundert Jahren hat Frans Post
immer wieder das Interesse von Sammlern und Forschern geweckt,
zuerst in Brasilien, bald darauf auch in Europa und den USA. Nicht
nur Kunstwissenschaftler beschäftigen sich mit ihm, sondern auch
Ethnologen, Botaniker und Zoologen. Nach der Präsentation in Basel
und Tübingen (1990) und einer kleinen, auf die nassauische Schenkung
an Ludwig XIV. konzentrierten Schau im Louvre in Paris (2005),
widmet das Haus der Kunst dem Maler die dritte und bislang größte
monografische Ausstellung in Europa:
Die künstlerische Entwicklung von Frans Post wird mit 25 Gemälden
und 10 Zeichnungen belegt, die strengsten Maßstäben hinsichtlich
künstlerischer Qualität, Erhaltungszustand und Echtheit standhalten.
In einer solchen Dichte waren Werke von Frans Post bisher nie zu
sehen.
Unter den Leihgaben befindet sich "Mauritsstad und Recife" aus dem
Jahr 1653, eines der kostbarsten Altmeistergemälde südamerikanischer
Provenienz. In diesem Panorama gehen die Darstellung von Landschaft,
Architektur und ethnisch-konfessioneller Vielfalt eine einzigartige
Verbindung ein. Und gleichsam beiläufig wird der Besuch einer
hochgestellten Persönlichkeit – wohl des Prinzen von Nassau –
inmitten des täglichen Treibens geschildert.
Projekt Morrinho
In Ermangelung eines Spielraumes haben Jugendliche aus einer Favela
in Rio de Janeiro vor acht Jahren begonnen, sich aus Ziegelsteinen
eine eigene Stadt en miniature zu bauen, bevölkert mit Figuren und
nach den Spielregeln der realen Favela. Inzwischen ist morrinho
("kleiner Hügel") zu einer Mini-Metropole von fast 300 qm gewachsen.
Auf Einladung vom Haus der Kunst bringen die Jugendlichen ihr
Projekt nach München, errichten nach dem gleichen Muster eine zweite
Stadt und schreiben so die Utopien fort, die aus den Bildern von
Frans Post zu uns sprechen.
Rosilene Luduvico
Frans Post hat Brasilien durch die Brille des Kolonisten betrachtet.
Was geschieht, wenn anders konditionierte Augen seinen Spuren
folgen? Rosilene Luduvico (geb. 1969) wuchs in einem Bergdorf ohne
Stromversorgung bei Belo Horizonte auf. Sie verließ Brasilien, um an
der Kunstakademie Düsseldorf Malerei zu studieren – im gleichen
Alter, in dem Frans Post von den Niederlanden aufbrach. Auf
Initiative vom Haus der Kunst arbeitete sie an denselben Orten wie
Frans Post, im Nordosten Brasiliens. Ihre Landschaften schlagen
einen lyrischen Ton an, der zu dem nüchternen Realismus der
Frühwerke von Frans Post einen Kontrast bildet.
Bayern – Brasilien
Mit einer Auswahl zusätzlicher Exponate geht die Ausstellung auch
auf den Beitrag ein, den bayerische Forschungsreisende, Künstler und
Auswanderer zur Entdeckung Brasiliens geleistet haben. Das Haus
Wittelsbach beispielsweise unterstützte Reisen der bayerischen
Forscher Carl Friedrich Philipp Martius und Johann Baptist Spix
(1817–20), und 1888 führte die Prinzessin Therese von Bayern in
Brasilien naturwissenschaftliche und ethnografische Studien durch.
Gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung
Die Ausstellung ist Teil des Programms von Copa da Cultura, Brasil +
Deutschland 2006
In Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Völkerkunde,
München und dem Centro Cultural Brasil-Alemanha, Recife
Die Realisierung des Morrinho-Projekts wurde durch Stefan
Baumgärtner + Aigner – Architects ermöglicht
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Frans Post
Zuckermühle mit zwei Walzen, von Ochsen angetrieben / Sugar mill
with two wheels moved by oxen, ca. 1640
Pinsel, Feder, Stift, 225 x 312 mm
Stichting Atlas van Stolk, Rotterdam

Frans Post
Brasilianische Landschaft mit Kirchgängern und tanzenden Sklaven,
ca. 1665/70
Colección Patricia Phelps de Cisneros, Caracas
Holz, 43,5 x 58,7 cm
Vorschau und
laufende Ausstellungen:
Konstantin Grcic
Industrial Design. On / off 16.03. - 09.07.06
Herzog & de Meuron. No. 250. Eine Ausstellung
Herzog & de Meuron. No. 250. An Exhibition
12.05. - 30.07.06
Frans Post (1612-1680)
Maler des Verlorenen Paradieses
Painter of Paradises Lost
02.06. - 17.09.06
Ein Blick für das Volk. Die Kunst für Alle
A View for the People - Art for Everyone
Bazon Brock. Lustmarsch durchs Theoriegelände
14.06. - 03.09.06
Amrita Sher-Gil. Eine indische Künstlerfamilie im 20.Jahrhundert
Amrita Sher-Gil. An indian artist familiy in the 20th century
Oktober 2006 -Januar
2007
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