|
Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
La Tauromaquia
Treffen der Titanen: Goya und Picasso im Wallraf
Freunde ermöglichen Sonderausstellung zu ihrem 150. Geburtstag
Treffen der Titanen: Goya und Picasso im Wallraf
Anlässlich der 150-Jahr-Feier der Freunde des Wallraf-Richartz-Museums & Museums
Ludwig bringen beide Museen zum ersten Mal die Stierkampf-Zyklen von
Francisco de Goya und Pablo Picasso in Köln zusammen. Die zwei "Titanen der
Moderne" waren als Spanier dem Stierkampf eng verbunden und thematisierten ihn
in atemberaubenden Darstellungen. Das Wallraf zeigt "La Tauromaquia" bis zum
5. August 2007 in seiner Barockabteilung. Eröffnet wird die Ausstellung am
4. Mai im Rahmen des großen Festaktes der Museumsfreunde. Am selben Abend
überreicht Wolfram Nolte, Vorsitzender der Freunde, den Direktoren Kasper König
und Andreas Blühm zwei neue Schenkungen für ihre Häuser: Das Museum Ludwig
erhält die Werkgruppe L.M.V.D.R. von Thomas Ruff und das Wallraf darf sich über
Angelika Kauffmanns Bildnis Thomas Reade freuen.

Francisco Goya, La Tauromaquia, Sprung mit der Pike des
Juanito Apinani auf dem Platz von Madrid, 1816, 31 x 44 cm, Radierung und
Aquatinta, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln
Francisco Goya, La Tauromaquia, Man hetzt Hunde auf den
Stier, 1816, 31 x 44 cm, Radierung und Aquatinta, Wallraf-Richartz-Museum &
Fondation Corboud, Köln
Zwei Genies in der Arena
Goya und Picasso näherten sich beide dem Phänomen der "Corrida" auf Basis der
literarischen Vorlage "La Tauromaquia - o el arte de torear " (Die Kunst des
Stierkampfes), der die Ausstellung auch ihren Titel verdankt. Diese "Bibel"
aller Toreros wurde im Jahre 1796 von Pepe Illo, dem wohl berühmtesten
Stierkämpfer Spaniens, verfasst. Das Buch entwickelte sich schnell zu einem
populären Ratgeber für alle Stierkämpfer, und Goya porträtierte Illo noch zu
Lebzeiten. Seine insgesamt 33 Stierkampfszenen aus den Jahren 1815-16 werden 26
Radierungen (La Tauromaquia, 1957) aus der Hand Picassos gegenübergestellt.
Wegen ihrer hohen Lichtempfindlichkeit können nicht alle 59 Grafiken zeitgleich
gezeigt werden. Das Wallraf tauscht deshalb die Bilder regelmäßig aus, so dass
immer dreißig Grafiken zu sehen sind. Die Besucher dieses musealen Stierkampfes
erhalten die vielleicht einmalige Gelegenheit, zwei unterschiedliche
Interpretationen eines äußerst emotional geladenen Themas zu studieren.
Pablo Picasso, La Tauromaquia o el arte de torear,
Sprung mit der Garrocha, 1957, 20 x 29 cm, Aquatinta, © Succession Picasso / VG
Bildkunst Bonn 2007, Museum Ludwig, Köln
Der Stierkampf zieht sich durch Francisco de Goyas und Pablo Picassos gesamtes
Werk und kommt in den Grafikzyklen "La Tauromaquia" und "La Tauromaquia – o el
arte de torear" am besten zur Geltung. In diesen Spätwerken interpretieren die
beiden leidenschaftlichen Besucher der Arena, Goya soll sogar selbst gekämpft
haben, die "Corrida" auf dem Höhepunkt ihres Könnens. In Goyas Blättern
vermischen sich die historische Darstellung der Geschichte des Stierkampfes mit
den Heldentaten von berühmten Matadoren. Der finanzielle Erfolg, den sich der
Künstler erhoffte, blieb allerdings aus, da seinen Radierungen die
folkloristischen Elemente fehlten. Für den damaligen Geschmack konzentriert sich
Goya zu stark auf den Kampf zwischen Torero und Stier. Dessen Dramatik verstärkt
er, indem er die Zuschauerränge nur andeutet und die Leere des Raumes betont.
Die eigentliche Klasse der Werkgruppe Goyas spiegelt sich nicht nur in der
kompositorischen Intensität, sondern auch in der geschickten Vermischung von
Radierung und Aquatinta. Die starke räumliche und atmosphärische Wirkung, die
Goya durch die Überlagerung von Radierungen durch Aquatintaflächen erzielt,
macht seinen "Tauromachie-Zyklus" zu einer singulären Erscheinung in der Grafik
des 19. Jahrhunderts.
Picasso zeichnet 1957 seine Serie von 26 Aquatintaradierungen, um eine
Neuauflage der "La Tauromaquia – o el arte de torear" von Pepe Illo zu
illustrieren. Anders als sein Vorbild Goya stellt er den gesamten Ablauf des
Stierkampfes dar und beginnt mit der Darstellung von weidenden Tieren. Doch auch
in Picassos Arbeiten liegt der Schwerpunkt auf dem Duell zwischen Torero und
Stier. Wie Goya deutet er das Geschehen auf den Tribünen nur an. Fast
skizzenhaft stellt Picasso die Massigkeit des Stieres den zierlichen, tänzerisch
anmutenden Menschen gegenüber. Mit der Aquatinta und einem starken
Helldunkelkontrast erzeugt er eine fast greifbare Spannung. In der Dramatik
ihrer Bilder reichen sich Goya und Picasso über die Jahrhunderte hinweg die
Hand.
Ausstellung, Schenkung und Feier zum 150. Geburtstag der Freunde
Im Jahre 1857 als "Kölner Museumsverein" zur Finanzierung von
Bilderankäufen gegründet, feiern die Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und
des Museums Ludwig e.V. in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Zu diesem
runden Geburtstag ermöglichen die Freunde nicht nur die Ausstellung "La
Tauromaquia", sondern schenken auch beiden Museen zwei wichtige Neuankäufe. Für
das Museum Ludwig erwarben die Freunde die Werkgruppe L.M.V.D.R. (2000-2002) des
deutschen, zeitgenössischen Fotokünstlers Thomas Ruff und dem Wallraf schenkt
der Verein das Gemälde Bildnis Thomas Reade von Angelika Kauffmann aus dem Jahre
1775. Das große Fest zum Jubiläum begehen die Freunde am 4. Mai 2007 mit über
800 Mitgliedern und Ehrengästen, unter anderem Oberbürgermeister Fritz Schramma
und Staatssekretär für Kultur des Landes NRW, Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff.
Aus diesem Grund schließt das Wallraf am kommenden Freitag bereits um 16.30 Uhr
seine Pforten für Besucher, statt wie sonst üblich um 18 Uhr.
|
|
Büchershop

Wallraf Museum Köln
Obenmarspforten (am Kölner
Rathaus)
Postanschrift: Martinstraße 39, 50667 Köln
Telefon 0221-221/2 11 19 oder 221/2 76 94 oder 221/2 23 93
Fax 0221-221/2 26 29
E-Mail wrm@museenkoeln.de
Öffnungszeiten
Di 10-20, Mi-Fr 10-18, Sa-So 11-18 Uhr
Eintrittspreise
Kombiticket (Sonderaus-
stellung und Ständige Sammlung) € 9,-/erm. € 6,-
Führungen
Öffentliche Führungen Di 18.00 Uhr und So 11.30 Uhr
(Arbeitskreis Wallraf-Richartz-Museum/Museum Ludwig und
Museumsdienst Köln).
Weitere Informationen zu Führungen und praktischen Kursen entnehmen
Sie bitte den Seiten des Museumsdienstes.
|