
J.W.v.Goethe
Das Veilchen:
Ich steh verborgen und gebückt
Und mag nicht gerne sprechen,
Doch will ich, weil sichs eben schickt,
Mein tiefes Schweigen brechen.
Wenn ich es bin, du guter Mann,
Wie schmerzt michs, daß ich hinauf nicht kann
Dir alle Gerüche senden.
Der Graf:
Das gute Veilchen schätz ich sehr:
Es ist so gar bescheiden
Und duftet so schön; doch brauch ich mehr
In meinen herben Leiden.
Ich will es euch nur eingestehn;
Auf diesen dürren Felsenhöhn
Ists Liebchen nicht zu finden.
Ausschnitt aus: Das Blümlein Wunderschön:
Das Lied des gefangenen Grafen ( vertont von Hugo Wolf)
Goethe durch ein Geschenk des Herzogs Besitzer eines Häuschens in einem verwilderten Gartenstück an der Ilm außerhalb von Weimar. Nach eigenem Entwurf gestaltete er den "Garten am Stern" (später als "untern Garten" bezeichnet) als Parkgarten.
"Ein rechter Gelehrtengarten, nahe genug der Stadt, um ihn leicht erreichen zu können und doch entfernt genug, um dem Staub und Lärm zu entgehen;
groß genug, um den Besitzer zu zertreuen, doch zu klein, um ihn zu absorbieren;
soviel Land als erforderlich, damit das Auge sich erquicke, der Geist sich ausruhe, soviel Wege, als für einen Spaziergang nötig, und soviel Bäume, daß man sie mit Bequemlichkeit zählen kann. "
Sechs Jahre lang wohnt er im Gartenhaus inmitten der Ilmaue.
Übermütig sieht's nicht aus,
hohes Dach und niedres Haus.
Allen die daselbst verkehrt,
ward ein guter Mut beschert.
Schlanker Bäume grüner Flor,
Selbstgepflanzter, wuchs empor.
Geistig ging zugleich alldort
Schaffen, Hegen, Wachsen fort.
Dieser alte Weidenbaum
steht und wächst als wie im Traum.
Sah des Fürstendaches Gluten,
sieht der Ilme leises Fluten.
Buchtipp
Wie herrlich leuchtet die Natur. Gedichte und Bilder.
Johann W. von Goethe
Insel, Frankfurt - 2003-03 - Gebundene Ausgabe
Kurzbeschreibung
Die Natur ist – wie die Liebe – das große Thema in Goethes Leben und Werk. Über viele Jahrzehnte hat er sich mit naturwissenschaftlichen Fragen beschäftigt; die Farbenlehre hielt er selbst für sein bedeutendstes Werk, das er höher einschätzte als den Faust. Aber auch in allen dichterischen Werken Goethes ist die Natur Gegenstand, Motiv und Metapher. In ihr, der Natur, erkannte er das Göttliche, in ihr sah er das universale Prinzip unmittelbar anschaulich werden: im Wechsel von Werden, Vergehen und Neuentstehen, von Ein- und Ausatmen, von Polarität und Steigerung. Am eindringlichsten sprechen Goethes Gedichte von der Begegnung mit der Natur, von der Erfahrung des Lebendigen, von der Fülle des Seins, liedhaft und verhalten, enthusiastisch und hymnisch. Und ebenso hat Goethe in seinen Zeichnungen und Aquarellen die Natur in ihren vielfältigen Erscheinungen zu erfassen versucht.

Mit Goethe durch das Gartenjahr
Roland Doschka und Ferdinand Graf von Luckner
Prestel - 2004 - Gebundene Ausgabe
Kurzbeschreibung
Ein Garten-Porträt im Wechsel der Jahreszeiten, begleitet von Versen von J.W. von Goethe. Einer der schönsten deutschen Privatgärten öffnet erstmals seine Pforten und gewährt Einblick in ein kleines Paradies, in dem gestalterische Elemente aus den bedeutendsten Künstlergärten Europas auf gelungene Weise zitiert und spielerisch miteinander kombiniert werden. Die stimmungsvollen Fotografien zeigen den Garten im Lauf des Jahres und lenken den Blick auf schöne Details oder die für jede Blütezeit typischen botanischen Kostbarkeiten. Die heiteren, wehmütigen, launigen und weisen Verse Johann Wolfgang v. Goethes begleiten auf dem Weg durch das Gartenjahr.
Goethes Gärten in Weimar.
Dorothee Ahrendt, Gertraud Aepfler und Sigrid Geske
Peter Lang - 2003-09 - Gebundene Ausgabe