Gironcoli-Skulptur für Kölner Museum Ludwig
ART Cologne November 2006
Gironcoli-Skulptur für Kölner Museum Ludwig
Freunde der ART COLOGNE kauften für 250.000 Euro auf der Messe ein
Mitglieder beschließen den Ankauf
auf Empfehlung der Kuratoren des Kölner Museums Ludwig
Erneut hat der Verein „Freunde der ART COLOGNE e.V.“ satzungsgemäß während der Internationalen Messe für moderne und zeitgenössische Kunst in Köln getagt (01. – 05.11.2006) und eingekauft. In diesem Jahr hatten die Kuratoren des Museums Ludwig in Köln nur einen einzigen Vorschlag gemacht, der von der Mitgliederversammlung einstimmig angenommen wurde: Bruno Gironcolis 1973-1995 entstandene Skulptur „ohne Titel“ (Aluguss, Glasvitrine, 220 x 90 x 300 cm) kauften die Freunde der ART COLOGNE bei der Galerie Elisabeth & Klaus Thomann, Innsbruck, im Wert von 250.000 Euro an. Vom Werk existieren zwei Exemplare. Eines ist in der permanenten Ausstellung Gironcoli im Museum Johannes auf Schloss Haberstein in der Nähe von Graz. Das angekaufte Exemplar war 2003 auf der Biennale in Venedig im österreichischen Pavillon zu sehen, in dem der 70jährige Gironcoli sein Heimatland repräsentierte. Im zu diesem Anlass erschienenen Katalog heißt es: „Gironcoli gehört zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern der Gegenwart und nimmt im Kontext der zeitgenössischen Skulptur eine einzigartige Stellung ein. Er ist der Bildhauer des Absurden, der Entfremdung, der Abgründe der Dingwelt.“
Der Verein der Freunde der ART COLOGNE zählt inzwischen
39 Vereinsmitglieder, darunter zwei Unternehmen. Der Ankaufsetat wurde aufgebracht durch die Mitgliedsbeiträge, die zwischen 1.000 und 25.000 € jährlich betragen. Dem Vorstand des Förderkreises gehören an Gerhard F. Reinz (Vorsitzender), Professor Dr. Dr. Thomas Olbricht (1. stellvertretender Vorsitzender) und Koelnmesse-Geschäftsführer Oliver P. Kuhrt
(2. stellvertretender Vorsitzender) sowie Gérard Goodrow, Direktor ART COLOGNE.
„Die Mitglieder unseres Vereins sind wirklich passionierte Kunstliebhaber und stiften gerne“, kommentierte Vereinsvorsitzender Gerhard F. Reinz: „Wir bemühen uns, mit unseren Ankäufen Lücken in der Sammlung des Museums Ludwig zu füllen. Die Gironcoli-Skulptur ist eine gute Wahl.“
Weitere Informationen:
Freunde der ART COLOGNE e.V.
z.H. Gerhard F. Reinz
Messeplatz 1
D-50679 Köln
Bruno Gironcoli
Bruno Gironcoli
Bruno Gironcoli gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Gegenwartskünstler. Sein Motiv ist die Veränderung; seine Kunst stellt nichts Endgültiges dar, sondern immer neue wandelbare Formen stehen im Mittelpunkt seines Schaffens.
Nach einer Goldschmiedelehre in Innsbruck beginnt Bruno Gironcoli Ende der fünfziger Jahre mit dem Studium der Malerei an der Akademie für angewandte Kunst in Wien bei Prof. Eduard Bäumer. Sein Hauptinteresse gilt der französischen Moderne und den amerikanischen Malern des abstrakten Expressionismus, vor allen Dingen Jackson Pollock. Der wichtigste künstlerische Impuls jedoch geht von den Arbeiten Alberto Giacomettis aus, die Bruno Gironcoli 1960/1961 gegen Ende seines Paris-Aufenthaltes für sich entdeckt. Parallel dazu beginnt seine Auseinandersetzung mit der Literatur und Philosophie Jean-Paul Sartres und Samuel Becketts. Beeinflusst von Giacometti setzte sich der Künstler in den frühen sechziger Jahren intensiv mit den Darstellungsmöglichkeiten der menschlichen Figur auseinander, die früh zu einer eigenständigen äußerst konzentrierten, reduzierten Formensprache führt.
Durch die Beschäftigung mit dem Wiener Aktionismus, Performance und Happening und seiner Suche nach einer Darstellungsform der Wirklichkeit zeichnet sich Ende der sechziger Jahre eine starke Veränderung seines Skulpturenbegriffs ab.
Bruno Gironcoli verwendet in seinen Arbeiten nun Dinge des alltäglichen Lebens. Er fügt im Raum ausgebreitete Objektarrangements zusammen und schafft so Environments aus Gegenständen, die ihrer konventionellen Funktion enthoben zu vollkommen neuen künstlerischen Bedeutungsträgern werden. Diese werden zu "Handlungsräumen" seiner Themen, die sich nunmehr um Gewalt, Folter, Unterdrückung und Sexualität drehen. So entsteht eine starke Psychologisierung der Dingwelt.
1977 übernimmt Bruno Gironcoli die Leitung der Bildhauerschule an der Akademie der bildenden Künste in Wien und wird damit Nachfolger Fritz Wotrubas. Die Professur markiert einen entscheidenden Einschnitt in seiner künstlerischen Laufbahn, er hat erstmalig große Atelierräume zur Verfügung und kann nun unabhängig vom Kunstmarkt arbeiten.
Bruno Gironcoli behält das in den vorhergehenden Jahren entwickelte Vokabular bei, verändert jedoch dessen Erscheinungsbild radikal: waren die von Gironcoli verwendeten Objekte in den früheren Installationen im Raum ausgebreitet, werden diese nun zu riesigen, assemblageartigen Skulpturen verdichtet.
Das Verhältnis zwischen Mann und Frau, Mutter und Kind, Leid und Gewalt sind nach wie vor Bereiche, die er in seinen an "Apparaturen" gemahnenden Skulpturen thematisiert. Diese wirken als Metaphern für ein undurchschaubares System, dem wir häufig fassungslos gegenüberstehen.
Bettina M. Busse

Plastiken Boroncoli
Quelle genehmigt: Gironcoli Museum