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Bruno Gironcoli
Bruno Gironcoli
Bruno Gironcoli gilt
als einer der bedeutendsten österreichischen Gegenwartskünstler.
Sein Motiv ist die Veränderung; seine Kunst stellt nichts
Endgültiges dar, sondern immer neue wandelbare Formen stehen im
Mittelpunkt seines Schaffens.
Nach einer Goldschmiedelehre
in Innsbruck beginnt Bruno Gironcoli Ende der fünfziger Jahre mit
dem Studium der Malerei an der Akademie für angewandte Kunst in Wien
bei Prof. Eduard Bäumer. Sein Hauptinteresse gilt der französischen
Moderne und den amerikanischen Malern des abstrakten
Expressionismus, vor allen Dingen
Jackson Pollock. Der wichtigste
künstlerische Impuls jedoch geht von den Arbeiten Alberto
Giacomettis aus, die Bruno Gironcoli 1960/1961 gegen Ende seines
Paris-Aufenthaltes für sich entdeckt. Parallel dazu beginnt seine
Auseinandersetzung mit der Literatur und Philosophie Jean-Paul
Sartres und Samuel Becketts. Beeinflusst von Giacometti setzte sich
der Künstler in den frühen sechziger Jahren intensiv mit den
Darstellungsmöglichkeiten der menschlichen Figur auseinander, die
früh zu einer eigenständigen äußerst konzentrierten, reduzierten
Formensprache führt.
Durch die Beschäftigung mit dem Wiener Aktionismus, Performance und
Happening und seiner Suche nach einer Darstellungsform der
Wirklichkeit zeichnet sich Ende der sechziger Jahre eine starke
Veränderung seines Skulpturenbegriffs ab.
Bruno Gironcoli verwendet
in seinen Arbeiten nun Dinge des alltäglichen Lebens. Er fügt im
Raum ausgebreitete Objektarrangements zusammen und schafft so Environments aus Gegenständen, die ihrer konventionellen Funktion
enthoben zu vollkommen neuen künstlerischen Bedeutungsträgern
werden. Diese werden zu "Handlungsräumen" seiner Themen, die sich
nunmehr um Gewalt, Folter, Unterdrückung und Sexualität drehen. So
entsteht eine starke Psychologisierung der Dingwelt.
1977 übernimmt Bruno Gironcoli die Leitung der Bildhauerschule an
der Akademie der bildenden Künste in Wien und wird damit Nachfolger
Fritz Wotrubas. Die Professur markiert einen entscheidenden
Einschnitt in seiner künstlerischen Laufbahn, er hat erstmalig große
Atelierräume zur Verfügung und kann nun unabhängig vom Kunstmarkt
arbeiten.
Bruno Gironcoli behält das in den vorhergehenden Jahren entwickelte
Vokabular bei, verändert jedoch dessen Erscheinungsbild radikal:
waren die von Gironcoli verwendeten Objekte in den früheren
Installationen im Raum ausgebreitet, werden diese nun zu riesigen,
assemblageartigen Skulpturen verdichtet.
Das Verhältnis zwischen Mann und Frau, Mutter und Kind, Leid und
Gewalt sind nach wie vor Bereiche, die er in seinen an "Apparaturen"
gemahnenden Skulpturen thematisiert. Diese wirken als Metaphern für
ein undurchschaubares System, dem wir häufig fassungslos
gegenüberstehen.
Bettina M. Busse

Plastiken Boroncoli
Quelle genehmigt:
Gironcoli Museum
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