Die Macht der Sprache - Festival

Goethe-Institut e. V.
Dachauer Straße 122
80637 München
Telefon: +49 89 15921-0Festival "Die Macht der Sprache" vom 14. - 16. Juni 2007

Vom 14. bis 16. Juni 2007 laden das Goethe-Institut und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zu einem internationalen Forum zum Thema „Die Macht der Sprache" ein.

Zwei Jahre lang hat das Goethe-Institut zusammen mit zahlreichen Partnern intensiv die Rolle und Bedeutung von Sprache in einer globalisierten Welt erkundet und ins Zentrum von rund 35 Projekten in aller Welt gestellt: Mehrsprachigkeit und Identität, kulturelle Vielfalt, Sprachwandel, Wissenschaftssprache und Sprachenpolitik wurden in Symposien und Ausstellungen, aber auch in Foto-, Film- und Sprachwettbewerben aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Den Abschluss bildet nun ein großes Festival mit Ausstellungen, einem Publikumswettbewerb, Vorträgen, Gesprächsrunden, Lesungen und einem internationalen Kongress für Sprachwissenschaftler und -interessierte. Unten finden sie eine kleine Auswahl aus dem Programm.

Das Festival „Die Macht der Sprache“ ist ein Beitrag des Goethe-Instituts zum Jahr der Geisteswissenschaften und zum offiziellen Rahmenprogramm der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands.



SymbolInterview mit Jutta Limbach und Katharina von Ruckteschell

„Die Zukunft ist mehrsprachig“ Interview

Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts, und Katharina von Ruckteschell, Leiterin der Abteilung Sprache, über das internationale Projekt „Die Macht der Sprache“, die zukünftige Bedeutung von Mehrsprachigkeit und das Engagement des Goethe-Instituts für die deutsche Sprache.

Sie haben sich über zwei Jahre intensiv mit Macht und Sprache in einer globalisierten Welt auseinandergesetzt. Im Juni werden die Ergebnisse des internationalen Projekts „Die Macht der Sprache“ in Berlin präsentiert und reflektiert. Mit welcher Zielsetzung sind
Sie an das Unternehmen herangetreten?

 

Peter Hense

Limbach: Die Auseinandersetzung mit der Rolle und Bedeutung von Sprachen ist ein Schlüsselthema in unserer Arbeit. In einer zusammenwachsenden Welt spielt die Sprachenfrage eine immer größere Rolle. Deshalb wollen wir mit diesem Projekt den
Blick darauf lenken, dass dieses Thema uns alle betrifft. Dass im Jahr der Geisteswissenschaften die Sprache zum Schwerpunkt gewählt wurde, zeigt, wie wichtig sie geworden ist. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ist ein geeigneter Anlass, die Vorzüge von Mehrsprachigkeit zu thematisieren.

Ruckteschell: Für eine fruchtbare kulturelle Entwicklung sind Multikulturalität und Multilingualität die Basis. Beides unterstützt das Goethe-Institut mit seiner Arbeit. Was liegt also näher, als die Fragen nach der Wirkung von Sprache und Sprachen, nach ihrem
Identitätsbildungspotential, nach ihrer „Macht“ zu stellen und dafür eine breite Öffentlichkeit ebenso wie Multiplikatoren und die Politik zu sensibilisieren.



Gab es auch unerwartete Erkenntnisse?

Ruckteschell: Überraschend waren die unterschiedlichen Konnotationen des Begriffs „Die Macht der Sprache“ im In- und Ausland. Während er in Deutschland eher negativ mit
Sprache und Repression, Manipulation oder Werbung in Verbindung gebracht wurde, sah dies im Ausland ganz anders aus: Hier wurde Sprache eher als verbindendes Element, als Kommunikation und als ästhetische „Macht“ – im Sinne von Sprachgewalt –
wahrgenommen. Besonders deutlich zeigen dies die aus aller Welt eingesandten Fotos zum Wettbewerb „Die Macht der Sprache im Bild“, die auch in einer Ausstellung im Juni zu besichtigen sein werden.

Ein Problem, über das immer wieder diskutiert wird, ist der Bedeutungsverlust der deutschen Sprache als Wissenschaftssprache. Was unternimmt das Goethe-Institut
dagegen?


Julia Suermann

Limbach: Es gibt eine Vielzahl von Initiativen, die die Problematik der zunehmenden Einsprachigkeit in den Wissenschaften erkannt haben und sich diesem Trend entgegenstellen. Hier seien stellvertretend die Förderinitiative „Deutsch Plus – Wissenschaft ist mehrsprachig“ genannt, bei der wir im Beirat mitarbeiten oder auch die Initiative „Pro Geisteswissenschaften“ und der „Arbeitskreis Deutsch als Wissenschaftssprache“. Der Aufgabe, Mehrsprachigkeit in allen Wissenschaften wieder als positiven Wert zu etablieren und in diesem Rahmen Deutsch als Wissenschaftssprache zu stärken, wird auf dem Festival „Die Macht der Sprache“ eine eigene Sektion gewidmet sein. Sie will unter anderem dazu beitragen, zu einer einheitlichen Position unter den großen Institutionen der Wissenschaftsförderung zu
gelangen.

„Die Zukunft ist mehrsprachig“ kann als das Motto einer wettbewerbsorientierten und mobilen Generation gelten. Wie beeinflusst diese Entwicklung die Arbeit von Kulturinstitutionen?
Ruckteschell: Dieses Motto gilt meiner Meinung nach nicht nur für eine mobile und wettbewerbsorientierte Generation, sondern ganz besonders auch für eine multikulturelle Gesellschaft, die sich durch Toleranz und Akzeptanz des Fremden auszeichnet.
Limbach: Wir verstehen uns daher in erster Linie als ein Mitspieler und Beförderer eines globalen, interkulturellen Austauschs. Jüngstes Beispiel dafür ist der Zusammenschluss 21 europäischer Kulturinstitute aus 19 Ländern unter dem Dachverband EUNIC
(European Union National Institutes for Culture). Unsere zentrale Aufgabe der Deutschförderung ist für uns immer auch ein Teil der Förderung von Mehrsprachigkeit.
Sprache ist dynamisch und damit einem ständigen Wandel unterworfen. Welche Position hat das Goethe-Institut dazu, gibt es zum Beispiel Sprachschutzregelungen?


Ksenija Kovacic

Ruckteschell: Eine Sprache ist ebenso lebendig und mobil wie seine Sprecher.
Geschlossene und intolerante Sprachen laufen Gefahr, in einer globalisierten Welt bald nicht mehr überlebensfähig zu sein. Glücklicherweise ist das Deutsche eine sehr weltoffene, flexible und tolerante Sprache. Aus „ to download“ wurde zum Beispiel
„downloaden“, das sich schließlich zu „herunterladen“ entwickelte. Bemühungen, Sprache durch Regeln einzuschränken, führen selten zu positiven Ergebnissen. Das Goethe-Institut ist daher als Mitglied des Deutschen Sprachrats und als Mitbegründer der
Initiative Deutsche Sprache stets darauf bedacht, den Reichtum und die Schönheit der deutschen Sprache hervorzuheben. Anglizismen werden sich – wie schon früher die Romanismen – integrieren, wenn sie sinnvoll sind und wieder verschwinden, wenn sie sich nicht bewähren.

Welche Vision haben Sie für die Zukunft der deutschen Sprache?
Limbach: Als Optimistin halte ich nichts von Untergangsprognosen. Deutsch wird gerade in und für Europa auch in Zukunft eine zentrale Sprache bleiben, nicht zuletzt aufgrund
seiner Brückenfunktion. Eine so entwickelte Kultur- und Wissenschaftssprache ist durchaus in der Lage, sich künftigen Anforderungen anzupassen. Denken Sie nur an die
Fähigkeit, durch das Zusammensetzen von Wörtern neue Begriffe zu schaffen wie zum Beispiel Forschungseisbrecher. Wir im Goethe-Institut werden also weiterhin mit Freude und Elan die Kenntnis dieser wunderbaren Sprache fördern.

Die Fragen stellte Aimée Torre Brons.

© Goethe-Institut

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte...[Bilder siehe auch oben]


Anna Bader



Über 3000 Fotos aus 46 Ländern wurden zu dem vom Goethe-Institut international ausgeschriebenen Fotowettbewerb „Die Macht der Sprache im Bild“ eingereicht. Und sie bestätigen: Die Aussage „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ kann – gerade in Zeiten der globalen Medialisierung – durchaus zutreffen. Die Foto-Ausstellung wird am 15. Juni 2007 im Rahmen des Festivals „Die Macht der Sprache“ feierlich eröffnet.

Vom 6. Juni bis zum 30. November 2006 waren Laien ebenso wie professionelle Fotografen weltweit dazu aufgerufen, die Macht der Sprache in einem Bild einzufangen.
Gefragt war die digitale Einsendung eines Fotos, einer Fotosequenz oder eines Fototableaus, weitere formale Einschränkungen gab es nicht.

Das Thema „Die Macht der Sprache“ wurde von den Wettbewerbsteilnehmern auf ganz unterschiedliche Weise aufgegriffen. Die Individualität der Arbeiten verdeutlicht
verschiedene Sichtweisen auf Themen wie Gemeinschaftsgefühl, Leidenschaft und Hoffnung. Die in den Bildern häufig wiederkehrenden Darstellungen von Zeichen- oder Körpersprache, von Rhetorik, von Sprache im öffentlichen Raum, von individuellen
Gesprächs- und Sprechsituationen oder Sprachritualen, aber auch die Auseinandersetzung mit Schrift weisen auf die universelle Bedeutung von Sprache hin.
Dabei wurde die Macht der Sprache überwiegend als eine Möglichkeit der individuellen Ermächtigung interpretiert und weniger als ein Instrument der Machtausübung und Unterdrückung.
Neben der Ausführung der Arbeiten wurden auch die Bildidee und das zugrunde liegende Konzept von der Jury beurteilt. Anna Gripp, Chefredakteurin der Zeitschrift „Photonews“, gehörte neben der Verlegerin Annette Kulenkampff vom Hatje Cantz Verlag und dem
Sammlungsleiter Ulrich Pohlmann vom Fotomuseum im Münchner Stadtmuseum ebenso dazu wie Bernhard Prinz von der Kunsthochschule Kassel und der Sammlungskurator des
Fotomuseums Winterthur Thomas Seelig.
Die Jury wählte drei Gewinner aus. Zusammen mit ausgesuchten Beiträgen weiterer Teilnehmer werden die Fotos im Juni 2007 im Rahmen des Festivals „Die Macht der Sprache“ (14. bis 16. Juni 2007) in einer Ausstellung zu sehen sein. Die Ausstellung wird
am 15. Juni 2007 in der Akademie der Künste in Berlin feierlich eröffnet.

Danach sind die für die Ausstellung ausgewählten Bilder des Fotowettbewerbs auch online zugänglich. Auf der Website von „Die Macht der Sprache" werden sie virtuell
ausgestellt und somit weltweit zu sehen sein.
Links zum Thema Fotowettbewerb „Die Macht der Sprache im Bild“
http://www.goethe.de/lhr/prj/mac/ver/de1414814.htm
 

 

Seit mehr als 50 Jahren wirkt das Goethe-Institut als Sprach- und Kulturvermittler auf der ganzen Welt. Gemeinsam mit einer Reihe von Partnern initiiert es nun in einem mehr als einjährigen Programmschwerpunkt das internationale Projekt „Die Macht der Sprache".

Dabei geht es vor allem darum, welche Rolle Sprachen in unserer Welt spielen – und spielen sollen. In welcher Form ist Sprache Bezugspunkt für eine eigene nationale Identität? Wie sieht die Mehrsprachigkeit der Zukunft aus? Wie und wo wird mit Sprache Politik gemacht? Welche Bedeutung hat die Macht der Sprache in Wissenschaft und Wirtschaft? Und wie wird Sprachenpolitik heute im In- und Ausland gesehen?


 

 

22.03.2007:
Goethe-Medaille 2007 verliehen

München, den 22. März 2007 – Die Präsidentin des Goethe-Instituts Jutta Limbach verlieh am 22. März in Weimar die diesjährigen Goethe-Medaillen an den israelischen Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim, den ungarischen Schriftsteller und Übersetzer Dezső Tandori und den koreanischen Theaterdirektor, Regisseur und Liedermacher Min’Gi Kim. Mit der Goethe-Medaille, die als offizieller Orden der Bundesrepublik anerkannt ist, ehrt das Goethe-Institut herausragende Persönlichkeiten für ihr besonderes Engagement im internationalen Kulturdialog.

Jutta Limbach betonte in ihrer Begrüßungsrede, dass die heute mit der Goethe-Medaille Ausgezeichneten Vorbilder einer geglückten auswärtigen Kulturarbeit seien. Sie betrieben diese als einen Prozess des intellektuellen Gebens und Nehmens, statt lediglich Produkte künstlerischen Schaffens zu exportieren oder zu importieren. Offen für die Denkweisen und Erfahrungshorizonte anderer Kulturen, seien sie bereit, sich auf einen gegenseitigen Lernprozess einzulassen. Dabei befänden sie sich im Einklang mit dem Goethe-Wort, dass es keine patriotische Kunst und patriotische Wissenschaft gebe, sondern dass beide wie alles Gute der ganzen Welt angehörten und nur durch allgemeine freie Wechselwirkung aller gefördert werden könnten. In der anschließenden Festrede präsentierte der Schriftsteller und Drehbuchautor Thomas Brussig („Helden wie wir“, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“) den Namenspatron der verliehenen Auszeichnung, Johann Wolfgang von Goethe, als universal begabten und interessierten Politiker, Intellektuellen und Naturforscher.

Daniel Barenboim wurde für sein Engagement für den grenzüberschreitenden Austausch insbesondere junger Musiker geehrt: Das West-Östliche Diwan-Orchester, das der Pianist und Dirigent gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gründete und das 1999 erstmals in Weimar zusammenkam, bringt junge Musiker aus Israel, den Palästinensischen Autonomiegebieten, dem Libanon, Ägypten, Syrien, Jordanien und Europa zu gemeinsamen Workshops und Konzerttourneen zusammen. Barenboims Tun, so die Laudatorin Adrienne Goehler, freie Publizistin und Kuratorin, sei auf Resonanzen angelegt, im Dirigieren wie im Klavierspiel, im Aufbau einer Jugendmusikschule in den Palästinensischen Autonomiegebieten und Musikkindergärten in Ramallah und in Berlin. Er überführe Dialoge in einen offenen gemeinsamen Raum, in eine Polyphonie, um Unterschiede zu verstehen, sich verändern zu lassen und daraus gemeinsame Positionen entwickeln zu können. In Vertretung von Daniel Barenboim nahm Nassib Al-Ahmadieh, ein junger libanesischer Musiker des West-Östlichen Diwan-Orchesters, der an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar Cello studiert, die Goethe-Medaille entgegen.

Der Theaterdirektor, Regisseur und Liedermacher Min’Gi Kim wurde für sein gesellschaftliches Engagement und seine künstlerische Arbeit mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet. Vermittelt durch das Goethe-Institut Seoul, entstand eine langjährige fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Min’Gi Kim und Volker Ludwig sowie dem GRIPS Theater Berlin. Kims koreanische Adaption des deutschen Rockmusicals „Linie 1“ wurde zum meistgespielten Theaterstück in Korea. So begeistert es seit mehr als zehn Jahren in Seoul ebenso wie auf Tournee durch China, Japan oder Deutschland ein junges Publikum für engagiertes, sozialkritisches und unterhaltsames Theater. Der Leiter des GRIPS Theaters Berlin Volker Ludwig betonte in seiner Laudatio die Sensibilität von Kims koreanischer Übertragung: „ ‚Linie 1’ war von über 150 Theatern in Deutschland und in aller Welt nachinszeniert worden. Doch Min’Gi Kim war der erste, der dem Stück wahrhaftig auf den Grund ging und dessen Seele erfasste und benannte.“ Durch seine Bedeutung für den koreanischen Widerstand hat Kim entscheidend zur kulturpolitischen Annäherung Koreas an Deutschland beigetragen. Die Auszeichnung mit der Goethe-Medaille ehrt seine besonderen Verdienste um die internationalen Kulturbeziehungen zwischen beiden Ländern.

Dezső Tandori wurde für seinen herausragenden Beitrag zum literarischen Austausch zwischen Deutschland und Ungarn geehrt. Der Übersetzer und Schriftsteller Dezsö Tandori ist eine der schillerndsten und experimentierfreudigsten Persönlichkeiten der ungarischen Literatur. Seine Übersetzungen aus dem Deutschen umfassen viele Tausend Seiten. Als „geborener Tausendsassa des dichterischen Wortes“, so György Konrád, Essayist und ehemaliger Präsident der Akademie der Künste in Berlin, vermöge er in eines jeden Haut zu schlüpfen. Tandori übertrug zentrale Werke der deutschsprachigen Literatur und Philosophie, unter anderem von Johann Wolfgang von Goethe, Wolfram von Eschenbach, Robert Musil, Thomas Bernhard, Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Arthur Schopenhauer, Walter Benjamin und Theodor W. Adorno ins Ungarische. „Er hält sich für einen bescheidenen Handwerker. Doch schiebst du ihm die Weltliteratur vor die Nase, inklusive der deutschen Klassik und Moderne, dann macht er ‚hamm’, verschlingt die Hälfte und gibt sie stets schön auf Ungarisch zurück“, so der Laudator Konrád. Für Dezsö Tandori nahm der Botschafter Ungarns in Deutschland Sándor Peisch die Goethe-Medaille von Jutta Limbach entgegen.