Fondation Beyeler

EROS
Rodin und Picasso

 

Fondation Beyeler

EROS
Rodin und Picasso


6. August – 7. Oktober 2006

Die beiden Ausstellungen, die im zweiten Halbjahr 2006 in der Fondation Beyeler stattfinden, sollen auf Wunsch und Anregung von Ernst Beyeler eine Hommage an den «Eros» sein – «Eros»: die bewegende Kraft der Kunst und allen Lebens, seit der Antike und bis in unsere Zeit mythisches und rätselhaftes Symbol der Liebe und der Leidenschaft, Agens alles Irdischen.

Zunächst begegnen sich in einer kleiner gehaltenen Ausstellung vom 6. August bis 7. Oktober 2006 zwei Künstler, die in exemplarischer Weise vom Eros geleitet wurden: Auguste Rodin und Pablo Picasso. Beide verfügten über unerhörtes technisches Können, das sie in eine Art Schöpferposition versetzte; alles, was sie begannen, scheint ihnen perfekt gelungen zu sein. Das Aufeinandertreffen ausgewählter Werke von Rodin und Picasso in der Fondation Beyeler zeigt in faszinierender Weise, wie sehr die Klassische Moderne, die doch eigentlich den Anspruch formuliert hatte, sich von Traditionen loszusagen, dem uralten Wunsch verpflichtet blieb, in der Kunst den Kern des Lebens und der Schönheit, die Schöpfung an sich, darzustellen.



In der Ausstellung werden etwa 20 Plastiken und 50 Aquarelle von Auguste Rodin sowie rund 15 Gemälde, eine Plastik, knapp 40 Zeichnungen und mehrere druckgrafische Werke und Serien von Pablo Picasso zu sehen sein. Erstmals liegt der Schwerpunkt einer Ausstellung in der Fondation Beyeler auf plastischen Werken und Papierarbeiten.

Rodin, der grosse Vermittler zwischen Tradition und Moderne, war noch sehr der überkommenen Vorstellung vom Künstler als genialem Demiurg verhaftet. Sein im Laufe seines Lebens angelegtes Repertoire von in Gips und Ton gearbeiteten Körperformen kombinierte er immer wieder zu neuen, ungeheuer lebendig wirkenden Figuren und Figurfragmenten, deren Weiterentwicklung und Vollendung er bewusst der Fantasie des Betrachters überliess. Rodin war geleitet von der ebenfalls aus der Gedankenwelt des 19. Jahrhunderts herrührenden Auffassung, dass der Ursprung der Welt, der «origine du monde», im weitesten Sinne der weibliche Schoss sei. Sein unstillbares Verlangen, sich mit diesem Ideal auseinander zu setzen und dessen Geheimnis zu ergründen, fand Ausdruck in seinen gezeichneten und getuschten Frauenbildern, unerreichten Meisterwerken der Aquarellmalerei, die in so grosser Anzahl noch nie in der Schweiz gezeigt worden sind. Viele von ihnen wirken zwar sehr explizit, doch ist es Rodin immer wieder gelungen, seine Sehnsüchte mit seinem grossartigen ästhetischen Gefühl in Einklang zu bringen.

Von Picasso stammt der Ausspruch: «Kunst ist niemals keusch». Auch für ihn war Kunst mit Eros gleichzusetzen. Er ging aber weiter als Rodin, denn den Ursprung der Welt scheint er im Liebesakt als solchem gesehen zu haben, den er in vielen seiner Werke ebenso zärtlich wie rüde dargestellt hat. Für Picasso waren Inspiration und Zeugung eins. In seine Werke, vor allem in seine späten Arbeiten, hat er immer wieder eine Art reflektierendes Element, einen Kommentator eingebaut, nämlich den Beobachter, durch den Inspiration und Zeugung und damit Kunst überhaupt erst als solche erkannt werden. Oft sind es die Gesichter, die sich selbst anzublicken scheinen, oftmals auch nur ein Auge im Bild, manchmal sind es karikierte Personen, die Liebespaaren zuschauen: Immer aber ist es der «Voyeur-Créateur», der Beobachter, der durch das erkennende Sehen das Kunstwerk erschafft. Fast unnötig zu sagen, dass der «Voyeur-Créateur» immer auch mit dem Künstler Picasso selbst gleichzusetzen ist und dass vor allem wir, als Betrachter ausserhalb des Bildes, besonders angesprochen sind.

«Eros – Rodin und Picasso» ist eine Ausstellung über das Sehen von und Reflektieren über Schönheit in der Klassischen Moderne. Die Besucher der Fondation Beyeler können sich an bedeutenden Kunstwerken erfreuen, die teils sehr drastisch und meist von grossem Ernst getragen, teils aber auch überaus komisch wirken; man denke nur an Picassos Radierungen mit Michelangelo unter dem Bett, auf dem sich Raphael mit seiner Geliebten vergnügt.

Die nach einer Idee von Ernst Beyeler und Anne Baldassari, Direktorin des Musée Picasso, Paris, konzipierte Ausstellung entstand in wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Musée Rodin, Paris (Dominique Viéville, Direktor; Hélène Pinet und Christina Buley-Uribe, Kokuratorinnen) und wurde für die Fondation Beyeler von Philippe Büttner und Ulf Küster kuratiert.

Zur Ausstellung erscheint ein reichhaltig bebildeter Katalog im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit mit Beiträgen von Ulf Küster, Hélène Pinet, und Christina Buley-Uribe. Der Band umfasst 168 Seiten mit 117 Abbildungen in Farbe und kostet CHF 49.

In der zweiten Ausstellung vom 8. Oktober 2006 bis zum 18. Februar 2007 wird die Bedeutung des Eros in der Moderne anhand eines Überblicks von Courbet bis heute entfaltet. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem BA-CA Kunstforum Wien organisiert, wo sie vom 1. März – 22. Juli 2007 zu sehen sein wird.

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Ausstellungsvorschau

EROS in der Kunst der Moderne
8. Oktober 2006 – 18. Februar 2007

Auf «EROS – Rodin und Picasso» folgt unmittelbar «EROS in der Kunst der Moderne» als zweiter Teil der gross angelegten Ausstellung mit einem zeitlich weiter gefassten Blickwinkel. Im Zentrum steht hierbei die Frage, wie das Phänomen des Eros in der Kunst von der frühen Moderne bis heute thematisiert wird und welche vielfältigen Entwicklungen dabei zu beobachten sind. Die Ausstellung bleibt dabei nicht auf das Motiv des menschlichen Körpers – und speziell des Aktes – beschränkt, sondern bezieht gerade auch solche Werke mit ein, die sich den Eros in einem weiter gefassten Sinn als Ursprung und Antrieb künstlerischen Schaffens anverwandeln. Erwähnt seien dabei u.a. klassische französische Positionen des späten 19. Jahrhunderts, die Thematisierung von EROS im Österreich Klimts und Schieles, der bedeutungsvolle Beitrag des Surrealismus, aber auch die eminente Präsenz der Photographie, oder die reichen Variationen des Themas zwischen dem Aufkommen der Pop Art und der Gegenwart.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit dem BA-CA Kunstforum Wien organisiert, wo sie vom 1. März bis 22. Juli 2007 zu sehen sein wird.

Unter anderem sollen Werke folgender Künstler einbezogen werden: P. Gauguin, A. Rodin, F. Rops, E. Degas, H. de Toulouse-Lautrec, P. Bonnard, F. Picabia, G. Rouault, P. Picasso, G. Klimt, E. Schiele, F. von Stuck, M. Klinger, M. Ray, M. Ernst, M. Masson, S. Dalí, M. Duchamp, T. de Lempicka, M. Oppenheim, L. Bourgeois, H. Newton, B. Rheims, Y. Klein, F. Bacon, A. Warhol, R. Horn, T. Wesselmann, E. Fischl, J. Koons, M. Abramovic, C. Sherman, P. Rist, M. Dumas.


 

Paul Cézanne
La tentation de Saint Antoine, 1873-75
Die Versuchung des Heiligen Antonius
Öl auf Leinwand 47 x 56 cm
Musée d ‘Orsay, Paris

 

 

Salvador Dalí
Le grand masturbateur, 1929
Der grosse Masturbator
Öl auf Leinwand, 110 x 150 cm
Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid
© 2006 ProLitteris, Zürich


 

Pierre Bonnard
L’Homme et la femme, 1900
Frau und Mann
Öl auf Leinwand 115 x 72,5 cm
Musée d’Orsay, Paris
© 2006 ProLitteris, Zürich

 

Fondation Beyeler

Die Geschichte. Das Sammlerehepaar Hildy und Ernst Beyeler trug während fünfzig Jahren parallel zu seiner erfolgreichen Galeristentätigkeit ausgesuchte Werke der klassischen Moderne zusammen. 1982 wurde die Sammlung in eine Stiftung überführt und 1989 erstmals im Centro de Arte Reina Sofía in Madrid als Ganzes der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Sammlung umfasst heute rund 200 Bilder und Skulpturen und dokumentiert eine ganz persönliche, durch ein dezidiertes Qualitätsverständnis geprägte Sicht auf die klassische Moderne.

Neue Räume für die Sammlung. Mit der Eröffnung der Fondation Beyeler im Oktober 1997 erhielt die Sammlung Beyeler ein öffentliches Museum. Das Gebäude entwarf der italienische Architekt Renzo Piano. Neben Werken von Cézanne, Picasso, Rousseau, Mondrian, Klee, Ernst, Matisse, Newman, Bacon, Dubuffet, Baselitz u. a. besitzt die Sammlung zudem 25 ausgewählte Objekte aus Afrika, Alaska und Ozeanien, die in einen direkten Dialog mit den Arbeiten der klassischen Moderne gesetzt wurden.

Öffnungszeiten

Täglich 10 - 18 Uhr, mittwochs 10 - 20 Uhr.
Neu: Das Museum ist an allen Sonn- und Feiertagen geöffnet!
 

Auskunft

Baselstrasse 101, CH-4125 Riehen / Basel
Tel. +41 - (0)61 - 645 97 00
Fax +41 - (0)61 - 645 97 19
Infoline auf Tonband: +41 - (0)61 - 645 97 77
E-Mail fondation@beyeler.com



Auguste Rodin
Iris, messagère des dieux (Figure volante), 1890/91
Iris, Götterbotin (Fliegende Gestalt)
Bronze, 83,3 x 87 x 36 cm
Fondation Beyeler, Riehen/Basel
Foto: Peter Schibli, Basel
 

 
 

Auguste Rodin
Femme nue sur le dos, jambes écartées, um 1900
Auf dem Rücken liegender weiblicher Akt mit gespreizten Beinen
Graphit, teils gewischt, Aquarell und Gouache auf cremefarbenem Papier
32,7 x 25,2 cm
Musée Rodin, Paris
© 2006 Musée Rodin, ProLitteris, Zürich, Foto: Bruno Jarret


 

 Pablo Picasso
Femme (Époque des ’Demoiselles d’Avignon’), 1907
Frau (Epoche der «Demoiselles d’Avignon»)
Öl auf Leinwand, 119 x 93,5 cm
Fondation Beyeler, Riehen/Basel
© 2006, ProLitteris, Zürich/Succession Picasso, Paris

 

 Pablo Picasso
«Le déjeuner sur l’herbe» d’après Manet, 17. Juni 1962
Das Frühstück im Freien, nach Manet
Farbige Kreide und Graphit auf Papier, 42,5 x 52 cm
Musée Picasso, Paris
© 2006, ProLitteris, Zürich/Succession Picasso, Paris