Das schwarze Quadrat - Hommage an Malewitsch
Hamburger Kunsthalle - Stiftung öffentlichen RechtsGlockengießerwall
D-20095 Hamburg
Das schwarze Quadrat.
Hommage an Malewitsch
23. März bis 10. Juni 2007
Als Kasimir Malewitsch auf der Letzten Futuristischen Ausstellung 0.10 im Dezember 1915 in Petrograd (St. Petersburg) zum ersten Mal sein Schwarzes Quadrat auf weißem Grund ausstellte, muss er selbst die Kommentarbedürftigkeit dieses Gründungswerkes der geometrisch abstrakten Malerei verspürt haben, bemühte sich der Künstler doch seitdem immer wieder um neue Definitionen und Erläuterungen dieser „Ikone der neuen Kunst“, wie er das Bild selbst nannte:
„Als ich 1913 den verzweifelten Versuch unternahm, die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien, stellte ich ein Gemälde aus, das nicht mehr war als ein schwarzes Quadrat auf einem weißen Grundfeld … Es war kein leeres Quadrat, das ich ausstellte, sondern vielmehr die Empfindung der Gegenstandslosigkeit.
Das Quadrat = Empfindung Das weiße Feld = die Leere hinter dem Quadrat.“
Kasimir Malewitsch
Das Schwarze Quadrat auf weißem Grund, um 1923
Öl auf Leinwand, 106 x 106 cm
The State Russian Museum, St. Petersburg
Malewitsch hat damit relativ genau bezeichnet, was das Schwarze Quadrat und die aus ihm entwickelte Malerei des Suprematismus (supremus lat. Der Höchste) verkörpern, bzw. beim Betrachter evozieren soll: die Empfindung der Gegenstandslosigkeit und der Leere.
Carl Andre
Copper-Magnesium Alloy Square, 1963
0,8 x 200 x 200 cm
Sammlung Lafrenz
Die Ausstellung beleuchtet ganz unterschiedliche Aspekte des Schwarzen Quadrates. Neben zahlreichen Werken von Malewitsch sind auch dessen Zeitgenossen – Schüler ebenso wie Kritiker – mit wichtigen Arbeiten in der Ausstellung vertreten, um die künstlerische Rezeption des Schwarzen Quadrats in Russland bis 1925 zu veranschaulichen.
Imi Knoebel, *1940
Odyshape C 7, 1995
Acryl, Aluminium
28,2 x 117,1 x 13,7 cm
© Sammlung Hilti, Schaan
Darüber hinaus zeigt die Ausstellung die Rezeption des Schwarzen Quadrates auf weißem Grund in der westeuropäischen und amerikanischen Kunst von 1945 bis heute auf. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die amerikanische Minimal Art, die – abgesehen von Malewitsch selbst – in der Ausstellung den größten Raum einnehmen wird, um die Faszination und ganz unterschiedliche Reaktion der Künstler auf das Schlüsselwerk der abstrakten Malerei vor Augen zu führen. Einen aktuellen Bezug zur Bedeutung des Schwarzen Quadrats bietet Gregor Schneiders Kubus, Hamburg 2007, der anlässlich der Ausstellung auf dem Platz vor der Galerie der Gegenwart realisiert wird.
Alle diese Gruppen und Einzelkünstler beziehen sich mit ihren Werken in ganz unterschiedlicher Weise auf das Schwarze Quadrat auf weißem Grund. Gerade die paradoxe Verknüpfung zwischen der radikalen Erneuerung der Malerei durch das schwarze Quadrat einerseits mit seiner geistes- und religionsgeschichtlichen Herkunft aus der altehrwürdigen Ikonenmalerei andererseits, ermöglicht die unterschiedlichsten Interpretationen und umformenden Aneignungen dieser Ikone der Moderne.
IRWIN
The corpse of art, 2003
Installation
© IRWIN, Ljublijana
Voraussichtlich werden Werke der folgenden Künstler gezeigt: Ivan Kljun, El Lissitzky, Kasimir Malewitsch, Michail Menkow, Alexander Rodtschenko, Olga Rosanowa, Nikolai Suetin, Ilja Tschaschnik, Carl Andre, Art & Language, Lucio Fontana, Gustav Klucis, IRWIN, Donald Judd, Yves Klein, Imi Knoebel, Sol LeWitt, Allan McCollum, Bruce Nauman, Claes Oldenburg, Sigmar Polke, Reiner Ruthenbeck, Robert Ryman, Gregor Schneider, Richard Serra, Jean Tinguely, Rosemarie Trockel, Günther Uecker, Franz Erhard Walther.
Kurator der Ausstellung: Prof. Dr. Hubertus Gaßner
Helene Schjerfbeck,2. Februar bis 6. Mai 2007 im Hubertus-Wald-Forum
Bogomir Ecker - Man ist nie allein
1. April bis 29. Juli 2007
Vorankündigung:
Daniel Richter
4. Mai bis 19. August 2007
Galerie der Gegenwart
Daniel Richter prägt seit den neunziger Jahren die Malerei in Deutschland und wird immer wieder in einem Atemzug mit Peter Doig und Neo Rauch genannt. Die Hamburger Kunsthalle wird ab dem 4. Mai 2007 eine große, retrospektiv angelegte Ausstellung über das Werk des 1962 geborenen Künstlers zeigen. In seinen großformatigen Ölgemälden verschränkt Richter kunsthistorische, massenmediale und popkulturelle Versatzstücke zu eigenwilligen, erzählerischen Bildwelten. Die Ausstellung gibt erstmals einen Überblick über zwölf Jahre malerischen Schaffens und entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler. Sie wird über 50 großformatige Bilder und erstmals eine Auswahl aus der so genannten DRK Reihe zeigen: mehr als 400 kleine Formate, die Richter als Ideenskizzen und Tagebuch gleichermaßen dienen.
Daniel Richter studierte bei Werner Büttner an der Hamburger Hochschule für bildende Kunst und arbeitete als Assistent von Albert Oehlen. Zunächst entstanden abstrakte Gemälde, deren farbstarker, psychedelisch anmutender Formenkosmos sich zwischen Graffiti und verschlungenen Ornamenten bewegt. Dabei orientiert er sich gleichermaßen am Surrealismus, an Graffiti und Underground sowie an den verschlungenen Grotesken des italienischen Manierismus.
Pünktlich zum Jahrtausendwechsel kam Richters persönliche „Wende“ vom abstrakten Geflecht zum menschlichen Körper. Seitdem arbeitet er ausschließlich figurativ. Großformatige figurenreiche Szenen, häufig durch Reproduktionen aus Zeitungen und Geschichtsbüchern angeregt, zeigen Kampf und Bedrohung in überschießender Vitalität. Richters Wechsel zum Figurativen wurde mehrfach als Wiedergeburt des Historienbildes gefeiert – allerdings eine Wiedergeburt unter veränderten Vorzeichen: Wo das Historienbild auf eindeutig lesbare Bilderzählungen setzte und auf das Ziel gerichtet war, Gegenwärtiges durch die Berufung auf Historisches zu legitimieren, handeln Richters Bilder vom Scheitern der Utopien der Moderne. „Mich hat interessiert, wie man Bezug nehmen kann auf die Welt und auf das Bild von der Welt, wie ich sie wahrnehmen oder beschreiben will“, erklärte er selbst seinen Wandel.
Die Themen seiner danach entstandenen Bilder sind etwa der gescheiterte kommunistische Aufstand in Hamburg-Barmbek von 1923 (Nerdon) oder der Brand in einem Lübecker Asylbewerberheim von 1996 (Billard um halbzehn). Die Motive und Lesarten der Bilder Richters zeichnen sich immer wieder durch eine große Ambivalenz aus. So zeigt etwa sein erstes figuratives Werk Phienox eine dramatisch aufgeladene Szene, in der ein Mensch mit der Hilfe anderer über eine hohe Mauer gehievt wird. Gemalt im Jahr 2000, als man nach zehn Jahren der Wiedervereinigung gedachte. Entstanden war das Bild aber nach einem Zeitungsfoto, das die Ereignisse um das terroristische Attentat auf die amerikanische Botschaft in Nairobi dokumentiert. Die meisten von Daniel Richters Werken sind solche Vexierbilder, die der Betrachter mit seinem Wissen und seinen Vorstellungen von Politik und Popkultur auffüllt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, erhältlich im Museumsshop.
Kurator der Ausstellung: Dr. Christoph Heinrich