Künstlerbiografie

 

Carl Spitzweg

1808 - 1885

Maler und Dichter

 

Selbstbildnis um 1835.
Oel auf Holz, 23.0 x 20.1 cm.
Privatbesitz.

Sein Werk ist geprägt von einer sehr genauen Beobachtung von Umwelt und Alltag sowie einer offenen bis skeptischen Lebenshaltung.

 

1808 Geburt Carl Spitzwegs am 5. Februar

1819 Tod der Mutter,  Der Vater heiratet deren Schwester.

1820-25 Carl Spitzweg besucht das Wilhelmsgymnasium in München.

1825 Austritt aus dem Gymnasium. Erste pharmazeutische Praxis in der Königlich-Bayerischen Hofapotheke in München/ Erding.

 

1828 Carl Spitzweg beginnt neben seiner praktischen Ausbildung mit dem Studium der Pharmazie, Botanik und Chemie an der Münchner Universität. Tod des Vaters am 1. Dezember.

1829 Spitzweg wird Provisor in der Löwenapotheke in Straubing.

1832 Sein Studium schließt Spitzweg mit best- Noten ab. Von März bis Juni reist er nach Italien.

 

1833 Umzug in die erste eigene Wohnung an der Dienergasse 9 in München. Im Juli erkrankt Spitzweg, beim nachfolgenden Kuraufenthalt in Bad Sulz trifft er auf den Maler Christian Heinrich Hansonn. Er beschließt, Maler zu werden.

1836 Flucht vor der Cholera aufs Land (Berchtesgaden, Salzburger Land).

1837 Erste Fassung des „Armen Poeten“ entsteht.

Der arme Poet 1839

Die Flucht vor der sozialen und politischen Wirklichkeit im Bild ist zugleich eine Karikatur des biedermeierlichen Kleinbürgertums.

1838 Verkauf von acht Bildern, beginnt ein Verkaufsverzeichnis. Erste Reise in die Schweiz.

1839 Der „Arme Poet“ wird von der Jury des Kunstvereins nicht angenommen. Reise u. a. nach Dalmatien.

1840 Reise nach Österreich und Venedig, er malt den „Schmetterlingsfänger“.

Der Schmetterlingsfänger

1841 Zweite Schweizreise und weitere Reisen in Bayern und an den Bodensee.

Der Kaktusliebhaber

Büromensch vor seiner Lieblingspflanze

 

1844-1852 Illustrator für die Münchner Zeitschrift „Fliegende Blätter“, Studium der französischen satirischen Zeichner (Daumier,Grandville, Gavarni und Doré in den Zeitschriften „Caricature“ und „Charivari“).

1845 Studienfahrt mit Eduard Schleich dem Älteren.

1847 Moritz von Schwind kommt nach München.

1848 Herausgabe der „Wachstuben-Fliegen“ Spitzweg macht sich über die Bürger-Soldaten lustig.

 1851 Reise nach Paris mit Bruder Eduard und Schleich dem Älteren, mit diesem Weiterreise an die Weltausstellung in London.

1852 Wanderungen durch Niederbayern.

Der verbotene "Weg", um 1840, Öl auf Leinwand, Privatsammlung München

 

1855 Die Cholera-Epidemie klingt nur langsam ab, Spitzweg zieht wieder ins Oberland (Neuhaus, Chiemsee).

1858 Umzug in die Neuhausergasse in München. Aufenthalte u. a. an den oberbayerischen Seen

1865 Spitzweg erhält den bayerischen Michalesorden. Eine Venenentzündung hält ihn vom Bergwandern ab.

1867 Auf der Pariser Weltausstellung werden vier Gemälde von Spitzweg ausgestellt und erhalten Anerkennung.

1868 Spitzweg wird Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste in München.

1871 Spitzweg verkauft 31 Gemälde, Tod Moritz von Schwinds.

(Biedermeierlich anmutenden Szenen verweisen bei genauerer Betrachtung häufig auf untergründige Spannungen und Konflikte, auf Risse in den scheinbaren Idyllen.)

 

1873/74 Cholera-Epidemie in München, Eduard Schleich der Ältere stirbt an der Cholera, Spitzweg flieht ins Tirol.

1875 Berufung in die Central-Gemälde-Kommission in München. Erhält das Wohnrecht von der Stadt München für seine Wohnung am Heumarkt 3 (heute St. Jakobs-Platz). Spitzweg wohnt schon seit den 60er Jahren in dieser Wohnung, einer der bizzarsten Münchens, die ihm der Tandler Hasenmüller angeboten hatte.

1885 Am 23. September stirbt Carl Spitzweg an einem Schlaganfall.

Spitzweg malte über 1.500 Bilder und Zeichnungen. Bereits ab 1824 begann er mit Ölfarben zu malen.

Sein Malstil ist der Spätromantik zuzuordnen.

Spitzweg stellte Menschen in ihrem bürgerlichen Milieu dar. Er schildert auf  Bildern das biedermeierliche Kleinbürgertum, die kauzigen Sonderlinge und romantische Begebenheiten.Negative Elemente bleiben ausgeblendet.

Seine späten Landschaften zeichnen sich durch einen sehr freien Farbauftrag und eine realistische Wiedergabe aus und schließen an fortschrittliche Tendenzen innerhalb der deutschen Landschaftsmalerei der Zeit an.

Der Bücherwurm 1850 

 

In Spitzwegs Tagebuch findet sich ein Satz, der sein Werk wohl am treffendsten beschreibt: „Die Welt muss romantisiert werden, so findet man den ursprünglichen Sinn wieder.“

 

 

Carl Spitzweg Dichtung


Wenn ich den Tag schon opfre doch
Rein nur Vergnügens Sachen,
So will ich wenigst' abends noch
Ein klein Plaisir mir machen.
Ich bitt' du mußt nun hier vor all'n
Auf jeden Scherz verzichten;
Am Tage nämlich tu ich mal'n,
Und abends tu ich dichten.
Ich dicht' auch emsig jeden Tag,
Nicht ohne ihn zu malen,
Ganz gleich, wenn es zuletzt auch mag
Gar manchem nicht gefallen.
Gehör' zur Zahl der Dutzenddichter
Und will auch für die Zeilen nichts,
Das Honorar in Weis' in schlichter,
Bereits bezahlt ist's mir - ich dicht's.
Zum täglich Brot gehört mir Dichten,
Und bring' ich's auch nicht zu Papier,
Muß auf Verleger ich verzichten -
Der Selbstverlag bleibt selig mir.


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Wenn dir's vergönnt je,

dann richt es so ein,
Daß dir ein Spaziergang das

Leben soll sein!
Stets schaue und sammle,

knapp nippe vom Wein,
Mach unterwegs auch Bekanntschaften fein,
Des Abends kehr selig

bei dir wieder ein
Und schlaf in den Himmel,

 den offnen, hinein!

Hin eilen die Sterne weit
In endlosem Schwung!
Schon morgen um die Zeit
Bist nimmer so jung!
Umarme hienieden
Die Gegenwart froh:
Was heut dir beschieden,
Nicht morgen ist's so!
 

 

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Ein spaßigs Leben führen wir,
Ein Leben ohne Sonne.
Dös anzi is no' s Kellerbier -
Is unsre ganze Wonne.


Heut nehmen wir a Paraploi,
A Regendachl morgen.
Z'letzt lassen wir a Arche Noi
Noch für uns alle bsorgen...
 

 

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Die Holde, die durch Spiel und Sang
Uns oft das Herz erwärmt -
Ach - sie - für die ein Leben lang
Gar manches Herz noch schwärmt:
Sie lacht ob unserm Liebesschmerz,
Sie will nicht tausend Dank -
Für alles - für ihr kostbar Herz -
Begehrt sie ..... einen Frank
 

 

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Und wird die Welt

auch noch so alt,
Der Mensch,

 er bleibt ein Kind!
Zerschlägt sein Spielzeug

mit Gewalt,
Wie eben Kinder sind!


Wann alles erst

in klein zerstückt
Und nichts mehr

 zu verderben,
So sucht er wieder

- neubeglückt -
Und spielt dann mit

den Scherben!





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Erst auf den höchsten Zinnen,
Die mühsam du erklommst,
Wird's hell in deinen Sinnen,
Dem Himmel näher kommst!


Willst du ein Weilchen selig sein,
So leg dich auf den Bauch
Dort in die nächste Wiese 'nein,
Inmitt' der Blumen Hauch!



So bist der Gottheit näher,
Das Herz, es schlägt dir froh:
Nur meide nahe Späher,
Die finden so was roh!