ZEHN TONNEN HELLAS | Carl Rottmanns Griechenlandzyklus

 

ZEHN TONNEN HELLAS | Carl Rottmanns Griechenlandzyklus


Ausstellung in der Neuen Pinakothek München


Pressevorbesichtigung: 24.01.2007, 11.00
Ausstellungseröffnung: 24.01.2007, 19.00
Ausstellungsdauer: 25.01.-29.04.2007

Carl Rottmann | Nemea, 1850
© Neue Pinakothek


Zwischen 1838 und 1850 malte Carl Rottmann (1797-1850) im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. 23 monumentale Ansichten aus Griechenland auf große, transportable Mörtelplatten. Wie in einem umfassenden Bilderbogen, der
sich von Athen und Korinth über Sparta und Mykene bis zu Olympia und Marathon spannt, zeigen die Landschaftsbilder die bedeutendsten Stätten des antiken Griechenlands.

Carl Rottmann | Marathon, 1847
© Neue Pinakothek


Carl Rottmann | Korinth mit Akrokorinth, 1847
© Neue Pinakothek


Rottmann rekonstruierte aber kein idyllisches Arkadien, sondern stellte die durch Mythos und Geschichte berühmten Orte so dar, wie er sie während einer Reise durch das Land in den Jahren 1834/35 kennen gelernt hatte: als teils vereinsamte,
teils verwüstete Landschaften, die ihre Spannung aus der Differenz zwischen großer Vergangenheit und ernüchternder Gegenwart bezogen. Der Griechenlandzyklus steht damit an der Schwelle zwischen der traditionellen Kunstauffassung des Idealismus und einer aus der Naturbeobachtung gewonnenen Wiedergabe des Landschaftseindrucks in historischer Perspektive. Er ist ein Denkmal der romantischen Griechenlandbegeisterung und zugleich ein Hauptwerk der Landschaftsmalerei der Epoche.
Der Griechenlandzyklus stellte jedoch nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine große technische Herausforderung dar: Von Anbeginn war klar, dass die Bilder nicht in herkömmlicher Weise auf die Wand, sondern auf Mörtelplatten gemalt werden sollten. Denn diese – obwohl jeweils rund 400 kg schwer – boten
den Vorteil, dass die Gemälde beweglich blieben. Ludwig I. wünschte zudem eine Ausführung in der vermeintlich antiken Vorbildern nachempfundenen Enkaustik, der man in dieser Zeit besondere Dauerhaftigkeit zuschrieb. Rottmann blieb jedoch
nicht lange bei dieser Vorgabe, sondern suchte eine Maltechnik, die von ihm angestrebte Bildwirkung ermöglichte. Er rieb seine Farben mit wechselnden Mischungen aus Harzen, Bienenwachs und Ölen an, wobei er neu aufgekommene Materialien und Malanweisungen einbezog, bis er eine Technik gefunden hatte, der
er auch hinsichtlich ihrer Haltbarkeit vertraute. Ursprünglich zur Ausschmückung der Arkaden des Münchner Hofgartens gedacht
fanden die 23 Wandtafeln schließlich nach verschiedenen Überlegungen zu einer angemessenen und wirkungsvollen Aufstellung ihren Platz in der ehemaligen, 1853 eröffneten Neuen Pinakothek. In einem eigenen Raum mit effektvoller
Beleuchtung konnten die Besucher vor über 150 Jahren die eindrucksvollen Bilder bewundern. Damals war Rottmanns Griechenlandzyklus das Hauptwerk der Neuen Pinakothek und bildete den Abschluss und den Höhepunkt des Rundgangs.
München ehrte Carl Rottmann damals als bedeutendsten Landschaftsmaler seiner Zeit. Der Rottmann-Saal der Neuen Pinakothek bildete unter Ludwig I. das Gegenstück zum Rubens-Saal der Alten Pinakothek.
 

Carl Rottmann | Theben, 1841 | Aquarellentwurf
© Neue Pinakothek

Rottmann-Saal
Foto: Sibylle Forster


Durch die Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg verlor das Ensemble seinen architektonischen Rahmen. Auch die Wandtafeln wurden infolge der Kriegseinwirkungen teilweise schwer beschädigt und in den vergangenen Jahrzehnten schrittweise restauriert.
Im Jahre 2003 erhielten die Landschaften Griechenlands mit der Einrichtung des neuen Rottmann-Saales in der heutigen Neuen Pinakothek wieder eine zeitgemäße, würdige Präsentation. Die Ausstellung knüpft an diese Neueinrichtung an. Zwar können im neuen Rottmann-Saal heute nur 14 Gemälde aus der
Gesamtfolge gezeigt werden und die einstige dramatische Inszenierung der Landschaften hat einer noblen, zurückhaltenden Präsentationsform Platz gemacht. Aber die singuläre Leistung in der Kunst des 19. Jahrhunderts, die Rottmann mit seinem Griechenland- Zyklus geschaffen hat, bietet sich auch in seiner zeitgenössischen Präsentation für den heutigen Betrachter als
beeindruckendes Ensemble dar.
Die Entstehung des Zyklus wird durch Studien, Entwürfe und Aquarelle Rottmanns, die sowohl auf der Reise in Griechenland als auch in München entstanden sind, nachvollziehbar. Ein Modell des ehemaligen Rottmann-Saales veranschaulicht die
ursprüngliche Präsentation der Gemälde vor dem Zweiten Weltkrieg. Als weiterer Aspekt wird die ungewöhnliche Konstruktion der aufwendig gearbeiteten Bildträger und die Entwicklung von Rottmanns Maltechnik dargestellt. Einige frei
im Raum aufgestellte Bildtafeln ermöglichen einen neuen Blick auf diese außergewöhnlichen Kunstwerke. Darüber hinaus veranschaulicht die Ausstellung auch die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden und deren Restaurierung. An
einer noch nicht bearbeiteten Tafel werden das Schadensbild und dessen Behandlungsmöglichkeiten dargestellt.
Die Ausstellung wird durch die Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert. Sie ist Teil der Initiative »WISSENSSPEICHER. Konservierung, Restaurierung und Forschung in München«.
Kurator der Ausstellung: Herbert W. Rott
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband, der über die Dauer der Ausstellung hinaus den Besuchern des Rottmann-Saales als bleibende Dokumentation dienen wird. Der Band bietet einen vollständigen Überblick über den gesamten Zyklus einschließlich der wichtigsten graphischen Vorarbeiten und erzählt dessen
Geschichte von den historischen Voraussetzungen über die künstlerische Konzeption und der Suche nach der geeigneten Technik bis zur Wiederherstellung
nach den Schäden des Zweiten Weltkriegs. Zugleich ist er ein Bildkompendium zu einem Griechenland, wie es mit den Augen des 19. Jahrhunderts gesehen wurde.


Carl Rottmann. Die Landschaften Griechenlands
von Herbert W. Rott, Renate Poggendorf und Elisabeth Stürmer
Hatje Cantz Verlag, 360 Seiten, 234 Abbildungen, 183 farbig, ca. 39,80 Euro
www.pinakothek.de/

 

 

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