BUNTE GÖTTER – DIE FARBENFROHE WELT DER ALTEN GRIECHEN

MKG Hamburg

 

BUNTE GÖTTER – DIE FARBENFROHE WELT DER ALTEN GRIECHEN
4. April bis 1. Juli 2007

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Stiftung öffentlichen Rechts
Steintorplatz
20099 Hamburg
Telefon: (040) 428 134 - 27 32
Telefax: (040) 428 134 - 28 34
E-Mail: service@mkg-hamburg.de
Internet:
www.mkg-hamburg.de

Kriegerkopf_Ostgiebel_Aphaia03
Farbrekonstruktion des Kriegerkopfes aus dem Ostgiebel des Aphaia-Tempels von Aigina
Original Glyptothek München, um 490 v.Chr.

 



Die antiken Tempel und Skulpturen erstrahlten ursprünglich nicht ausschließlich im reinen Weiß des Marmors, sondern waren farbig gefasst und mit bunten Motiven verziert. Eine Vorstellung dieser Farbigkeit liefern die optisch überaus reizvollen, beeindruckenden Rekonstruktionen und Abgüsse antiker Skulpturen, die eigens für diese Ausstellung entstanden sind. An antiken Beispielen werden die Methoden, u. a. UV-Licht und Streiflichtbetrachtungen, gezeigt. Eine mediale Präsentation führt den Besucher unmittelbar in die Erforschung der Farbigkeit ein.
Bereits der Hamburger Architekt Gottfried Semper (1803-1879) hatte sich der Erforschung antiker Farbigkeit angenommen, ihm, seinen Zeichnungen und seinem Fortwirken ist ein eigener Bereich der Ausstellung gewidmet. Insgesamt sind ca. 70 Exponate zu sehen.

Sog. Paris aus dem Westgiebel des Aphaia-Tempels von Aigina, um 490/480 v.Chr.
Original München Glyptothek
mit Farbrekonstruktion

Mit dieser Ausstellung kehrt die Farbigkeit eindrucksvoll in die Betrachtung der antiken Kunst zurück. Konkrete Vorstellungen zur Farbgestaltung lassen sich anhand von farbigen Rekonstruktionen, Abgüssen nach antiken Skulpturen und Faksimiles gewinnen. Im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg wird die bestehende Ausstellung durch eigene Stücke, u. a. farbenfrohe unteritalische Keramik des 3. Jahrhunderts v.Chr., und auch auswärtige Leihgaben ergänzt. Es werden ca. 70 Objekte zu sehen sein: das Spektrum reicht von einem griechischen Kykladenidol des 3. Jahrtausends v.Chr. bis zum Porträt des Kaisers Caligula um 40 n.Chr.; zu den bedeutendsten Stücken gehören Friesplatten des Siphnier-Schatzhauses in Delphi (um 520 v.Chr.), Figuren aus dem Aphaia-Tempel auf der Insel Ägina (um 490/80 v.Chr.) und Reliefszenen des sog. Alexandersarkophages aus der Königsnekropole von Sidon um 320/300 v.Chr.

Caligula
Porträt des römischen Kaisers Caligula und Rekonstruktion Original Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen 37-41 n.Chr.

Eine Wissenschaftlergruppe um das Archäologenehepaar Ulrike und Vinzenz Brinkmann (München) hat in langjähriger For-schungstätigkeit die Farbigkeit antiker Skulptur und Architektur untersucht. Die Ausstellung zeigt den aktuellsten Stand der Wissenschaft. Neue Ergebnisse und weitere Stücke werden fortlaufend eingearbeitet. So wird in Hamburg erstmals die farbige Fassung des berühmten Alexandersarkophages in Deutschland zu sehen sein.

Panzertorso_RekonstruktionB
Sog. Panzertorso um 470 v.Chr. Athen Akropolismuseum 599



Schon seit dem 18. Jahrhundert war durch zahlreiche antike Schriftquellen bekannt, dass Skulpturen und Architektur bemalt waren. Das Fehlen von Farbe an bekannten Skulpturen übte einen starken Einfluss auf das Kunstverständnis jener Zeit aus, so schwärmten der Archäologe Johann Joachim Winckelmann und die Künstler des Klassizismus für das reine Weiß des Marmors, die reine Form und die klaren Konturen. Erst die Ausgrabungen am Aphaia-Tempel auf Ägina, einer Insel vor Athen, brachten 1811 farbige Skulpturen zu Tage. Der Würzburger Bildhauer und Maler Johann Martin von Wagner, Kunstagent Ludwigs I., konnte diese beobachten und ihre Bedeutung für die antike Skulptur erkennen. Es folgte geradezu ein Wettstreit zur Erforschung und vor allem Rekonstruktion der Farbigkeit, die nun auch Eingang in die klassizistische Baukunst fand. Am Ende des 19. Jahrhunderts führten die Ausgrabungen auf der Athener Akropolis zu zahlreichen weiteren Funden mit deutlich sichtbaren Farbspuren. In der Folgezeit ebbte jedoch das Interesse an diesem Thema ab, erst neue mikroskopische und fotografische Untersuchungsmethoden haben zu präziseren Kenntnissen geführt.

Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Stiftung Archäologie München durchgeführt.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (ca. 290 Seiten, ca. 480 meist farbige Abbildungen).

Ausstellungsleitung
Dr. Frank Hildebrandt
Telefon 428134-2700


Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 21 Uhr
Gründonnerstag 10 – 18 Uhr, alle Ostertage 10 – 18 Uhr
Museums-Eintritt: 8 € / 5 €, dienstags ab 16 Uhr und donnerstags ab 17 Uhr immer 5 €
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre frei

 

Historische Zitate gegen die Farbigkeit


Johann Joachim Winckelmann (1717-1768)
Begründer der Klassischen Archäologie

Geschichte der Kunst des Altertums (1764):
„Die Farbe trägt zur Schönheit bei, aber sie ist nicht die Schönheit selbst, sondern sie erhebt dieselbe überhaupt und ihre Formen. Da nun die weiße Farbe diejenige ist, welche die mehrsten Lichtstrahlen zurückschickt, folglich sich empfindlicher macht, so wird auch ein schöner Körper desto schöner sein, je weißer er ist, ja er wird nackend dadurch größer als er in der Tat ist, erscheinen, so wie wir ihn sehen, dass alle neu in Gips geformten Figuren größer als die Statuen, von welche jene genommen sind, sich vorstellen.“


Johann Martin von Wagner (1777-1858)
Maler, Bildhauer und Kunstagent Ludwigs I. von Bayern


»Es mag uns nach unserm heutigen Geschmack und neuern Ansichten wohl auffallend und sonderbar vorkommen, Statuen zu erblicken, welche bey ihrer vollkommenen Ausführung in Marmor auch noch zum Theil bemalt waren… Wir wundern uns über diesen scheinbar bizarren Geschmack und beurteilen ihn als eine barbarische Sitte und ein Überbleibsel aus früheren, rohen Zeiten.« (1817)

 

Hilda Körner und Lothar Walter - Ein Künstlerpaar in Hamburg
17.11.2006 - 18.2.2007

 

Westgiebel_Aphaia
Nachbau eines Abschnitts des Westgiebels des Aphaia-Tempels von Aigina im Maßstab 1:1 mit Wiedergabe der Farbigkeit 2005

Der Hamburger Architekt Gottfried Semper und die Farbigkeit der Antike


Der Hamburger Architekt Gottfried Semper (1803-1879) war einer der Pioniere bei der Erforschung antiker Farbigkeit. In der Ausstellung „Bunte Götter – Die farbenfrohe Welt der Alten Griechen“ wird neben Originalen, farbigen Abgüssen und Rekonstruktionen auch die Entwicklung der Erforschung anschaulich präsentiert, die untrennbar mit Gottfried Semper verbunden ist.

Nachdem der Hamburger Gottfried Semper zunächst seit 1823 an der Universität Göttingen Mathematik und Geschichte studiert hatte, schrieb er sich 1825 in die Architekturklasse der Kunstakademie München ein.
Verschiedene Reisen innerhalb Deutschlands folgten 1826, Ende des Jahres ging er nach Paris, um dort bei Franz Christian Gau zu arbeiten. Bei einem zweiten Studienaufenthalt in Paris 1829 erlebte er begeistert die Juli-Revolution.

Zwischen 1830 und 1833 führte ihn eine ausgedehnte Reise nach Italien und Griechenland, wo er die Bauten der Antike studieren wollte. 1832 nahm er vier Monate lang an den archäologischen Forschungen auf der Athener Akropolis teil. Sein Hauptinteresse galt vor allem der Frage, der Farbigkeit antiker Bauwerke und deren Skulptur. Eine erste Publikation erfolgte 1834 unter dem Titel „Vorläufige Bemerkungen über bemalte Architectur und Plastik bei den Alten. Durch diese Schrift wurde er europaweit bekannt. 1836 erschien eine weitere Veröffentlichung zur antiken Farbigkeit „Die Anwendung der Farben in der Architectur und Plastik – Dorisch-griechische Kunst“. Dieser Untersuchung waren zahlreiche Tafeln mit Zeichnungen antiker Bauwerke beigefügt. Wenige Exemplare wurden von Gottfried Semper handkoloriert. Eines dieser Exemplare gelangte mit einem Teil des Semper’schen Nachlasses in das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. Die Zeichnungen, die einen entscheidenden Impuls in der Polychromiedebatte (Vielfarbigkeit) antiker Kunst auslösten, werden vollständig in der Ausstellung zu sehen sein. Des weiteren besitzt das Museum noch Schulhefte Gottfried Sempers aus seiner Zeit am Hamburger Johanneum, die sein Interesse an den alten Sprachen dokumentieren.


Zu Gottfried Semper und der Erforschung der antiken Farbigkeit erscheint ein eigener kleiner Katalog mit zahlreichen farbigen Abbildungen, herausgegeben vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und unter der wissenschaftlichen Leitung des ausgewiesenen Semper-Spezialisten Herrn Prof. Dr. Hermann Hipp (Hamburg).