Kleopatra und die Caesaren
Bucerius Kunstforum

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Kleopatra und die Caesaren
Bucerius Kunst Forum
28. Oktober 2006 bis 4. Februar 2007
Keine andere Frau der Weltgeschichte hat die Phantasie der nachfolgenden Generationen so angeregt wie Kleopatra VII. (69 – 30 v. Chr.): staatsmännische Herrscherin, betörende Geliebte, Mutter königlicher Kinder, femme fatale.
Von den mächtigsten Männern ihrer Zeit wurde sie verehrt und gehasst: Sie war die Geliebte von Caesar und Marcus Antonius; Augustus sah in ihr eine Bedrohung für das römische Reich und vernichtete sie. Noch nach ihrem Tod diffamierte er sie in einer Propagandaschlacht als
königliche Hure. Er wollte sie vergessen machen, doch das Gegenteil war der Fall – der Mythos Kleopatra entstand. Bis heute dienen Leben und Wirken der ägyptischen Pharaonin als Vorlage für Literatur, Musik und Film.
Die Ausstellung im Bucerius Kunst Forum erlaubt mithilfe neuer Forschungsthesen einen Blick auf die historische Kleopatra, verdeutlicht aber gleichzeitig die verklärte Rezeption ihres Lebens und Wirkens in der Kunstgeschichte.
Der Archäologe Bernard Andreae, der auch schon die Etrusker-Ausstellung im Jahr 2004 im Bucerius Kunst Forum verantwortete, stellt in der von ihm erarbeiteten Schau neue Thesen zur Kleopatra-Forschung zur Diskussion. Im Mittelpunkt steht die berühmte antike Statue, die so genannte Venus vom Esquilin aus den Kapitolinischen Museen in Rom.
Andreae nimmt die Herausforderung des italienischen
Philologen Licinio Glori an, der bereits 1955 die schon oft zurückgewiesene und doch immer wieder virulente Hypothese aufstellte, diese stelle in Wahrheit Kleopatra VII. dar.
Andreae argumentiert, dass die Marmorstatue eine exakte Kopie der Kleopatra aus dem 46 v. Chr. geweihten Venustempel des Gaius Julius Caesar sei. Kleopatra wurde von ihrem Volk mit der Liebesgöttin
Isis gleichgesetzt. Wenn Caesar ihr Ebenbild in Rom im Tempel der römischen Liebesgöttin Venus aufgestellt hat, heißt dass, dass er sie ihr gleichstellte. Das würde auch erklären, warum die Königin unbekleidet zu sehen ist. Es war bis dahin üblich, nur Portraits männlicher Herrscher in heroischer Nacktheit zu zeigen – nicht jedoch Königinnen.
Die großzügigen Zusagen der Kapitolinischen Museen sowie weiterer bedeutender Sammlungen machen die Gegenüberstellung der Venus vom Esquilin mit einer Gruppe von Antiken möglich, die Personen aus dem Lebensumfeld Kleopatras darstellen. Neben Caesar und ihrem gemeinsamen Sohn zeigt die Ausstellung erstmals ein Porträt von Marcus Antonius. Bisher war von ihm kein authentisches plastisches Bildnis bekannt. Die drei Kinder von Kleopatra und Marcus Antonius sind hier ebenso zu sehen wie die Feinde der Pharaonin, allen voran Octavian, der als Kaiser Augustus in die Geschichte eingegangen ist.
Nach dem Tod Caesars im Jahre 46 v. Chr. herrschte Bürgerkrieg. Antonius und Octavian kämpften um die Vorherrschaft in Rom. Antonius brauchte für seinen geplanten Feldzug gegen die Parther die militärische und materielle Unterstützung Ägyptens und wandte sich an Kleopatra. Wie Caesar vor ihm erlag auch Antonius ihren Reizen. Er wurde ihr Geliebter und wichtigster Rückhalt. Antonius und Kleopatra unterstützten sich in der Folgezeit gegenseitig dabei, ihre jeweiligen Herrschaftsbereiche weiter auszubauen.
Doch dann verlor Marcus Antonius den Feldzug gegen die Parther und büßte fast die Hälfte seiner Armee ein. Für Octavian war die Niederlage eine willkommene Gelegenheit, einen Propagandafeldzug gegen Antonius zu starten, in dessen Mittelpunkt auch Kleopatra stand. Sie wurde als Ehebrecherin, als dekadente orientalische Konkubine, als machtbesessene Feindin Roms beschimpft. Ende 32 v. Chr. verlor Antonius auf Betreiben Octavians all seine Ämter. Kleopatra und ihr Geliebter rüsteten sich für eine bevorstehende Auseinandersetzung mit Octavian. Am 2. September 31 v. Chr. kam es schließlich zur entscheidenden Seeschlacht bei Actium, in der Kleopatra und Marcus Antonius vernichtend geschlagen wurden. Antonius nahm sich daraufhin das Leben, indem er sich in sein eigenes Schwert stürzte. Als Octavian in Alexandria landete, hatte Kleopatra sich in einen Tempel geflüchtet.
Nachdem ihr bewusst wurde, dass sie als Besiegte im Triumphzug durch Rom geführt werden würde, nahm auch sie sich, so berichten es die Chronisten in Rom, das Leben.
Kleopatra VII. war die letzte und bekannteste in einer dreitausendjährigen komplexen Dynastiegeschichte ägyptischer Pharaonen – Gottkönige, die den Zusammenhalt der Gesellschaft im reichsten Land der antiken Welt garantierten. Die Herkunft der Pharaonin geht zurück bis auf Alexander den Großen. Sie wurde selbst von ihrem Volk als Königin der Könige verehrt und versuchte in ihrer eigenen, von größten Umwälzungen geprägten Zeit, den Bestand ihres Reiches zu sichern und die Herrschaft an ihre Nachkommen weiterzugeben. Dazu setzte sie alle Mittel ein: auch ihre eigene, nicht nur durch Führungseigenschaften herausragende, sondern auch verführende Persönlichkeit. Sie war nicht nur eine machtbewusste, ja skrupellose Herrscherin, sondern auch die Mutter von vier Kindern, von denen der älteste Sohn, von Kleopatra zur Weltherrschaft bestimmt, mit 17 Jahren hingerichtet wurde, der zweite sein Schicksal teilte, der dritte jung starb, das vierte Kind jedoch, Kleopatra Selene, zur Königin von Mauretanien aufstieg.
In Ergänzung zu den Plastiken widmet sich der zweite Teil der Ausstellung der Kleopatra-Deutung der bildenden Künstler des 16. bis 19. Jahrhunderts. Eine Auswahl, die sich auf etwa 20 Gemälde konzentriert, spiegelt das Urteil der Nachwelt in bekannten Stationen des Lebens der Kleopatra. Die Werke stammen u. a. von Johann Heinrich Tischbein, Angelika Kaufmann und Hans Makart. Im Mittelpunkt steht eine doppelseitige Zeichnung von Michelangelo, die Kleopatras sagenumwobenen Tod thematisiert.
Die Leihgaben der Ausstellung stammen u. a. aus den Kapitolinischen Museen, Rom; den Vatikanischen Museen, Vatikan-Stadt; der Casa Buonarotti, Florenz; dem Louvre, Paris; dem British Museum, London; den Staatlichen Museen zu Berlin; der Eremitage, St. Petersburg; dem Brooklyn Museum, New York; dem Walters Art Museum, Baltimore; dem National Maritime Museum, Haifa sowie dem Musée de Cherchell, Cherchell.
Der Katalog zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag, München (ca. 192 Seiten mit Abbildungen aller ausgestellten Werke, ca. € 19,90). Die Ausstellung ist vom 28. Oktober 2006 bis zum 4. Februar 2007 täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet (außer am 24. Dezember 2006). Eintritt € 5,–, ermäßigt € 3,–
montags Einheitspreis € 2,50; Gruppen (ab 12 P.) € 3,– p. P; Kinder unter 18 Jahren und Mitglieder des Bucerius Kunst Clubs: Eintritt frei.
Weitere Informationen unter www.buceriuskunstforum.de.
Ausstellungsvorschau 2006/2007
laufende Ausstellung
Frida Kahlo
15. 6.– 17. 9. 2006
Selbstbildnis mit Äffchen, 1945
Self-Portrait with Small Monkey, 1945
Museo Dolores Olmedo Patin˜o,
Xochinilco, Mexico
© 2006 Banco de México
Diego Rivera & Frida Kahlo Museums
Trust. Av. Cinco de Mayo No. 2,
Col. Centro, Del. Cuauhtémoc 06059,
México, D. F
Frida Kahlo hat ihrer Nachwelt ein ebenso faszinierendes wie rätselhaftes Werk hinterlassen. Künstler wie Pablo Picasso und André Breton ließen sich von ihrer subtil verschlüsselten Symbolsprache gefangen nehmen. Nach dem großen Erfolg der Verfilmung ihres Lebens mit Salma Hayek in der Rolle der Künstlerin (2002) bietet die Ausstellung dem deutschen Publikum erstmals die Möglichkeit einer Begegnung mit ihrer Malerei. Im Zentrum steht die größte private Sammlung ihres Werkes aus dem Museo Dolores Olmedo Patino, Xochimilco, Mexiko, die durch weitere Leihgaben aus amerikanischen und südamerikanischen Sammlungen ergänzt wird.
Ticketvorverkauf
Online-Buchung: HAMBURG Tourismus GmbH
Ticket-Hotline: 040-300 51 555
sowie bundesweit in allen bekannten Vorverkaufstellen
Oktogonale 2006 - Mozart in Hamburg
29.9.-8.10.2006
Im Herbst verwandelt sich der Ausstellungsraum des Bucerius Kunst Forums in ein Forum für Musik und Literatur. Aus Anlass seines 250. Geburtstages steht Mozart im Mittelpunkt der Oktogonale 2006.
Vorgesehen sind Konzerte u. a. mit dem Ensemble Resonanz, mit dem Hammerklavierspezialisten Paul Badura-Skoda und Jos van Immerseel sowie dem Ensemble Modern. Nähere Informationen unter www.oktogonale.de
Neue Welt. Die Erfindung der amerikanischen Malerei
Ausstellungstrilogie 150 Jahre amerikanische Kunst im Bucerius Kunst Forum
24.2. – 28.5.2007
Frederic Edwin Church: Tal von St. Thomas, Jamaika, 1867
Vale of St. Thomas, Jamaica, 1867
© Wadsworth Atheneum Museum of Art, Hartford
Die erste amerikanische Malerschule war die Hudson River School, benannt nach dem Fluss, der
New York City mit dem Norden des Landes verbindet. Sie fand erstmals eine bildnerische Form für
die Weite des Kontinentes. Die Ausstellung zeigt 60 Gemälde aus dem Wadsworth Atheneum Museum of Art in Hartford, Connecticut, die von Daniel Wadsworth, dem Gründer des Museums, und Elizabeth Colt, der Frau des Pistolenfabrikanten Samuel Colt, zusammengetragen wurden. Sie bildet den Auftakt zu einer dreiteiligen Ausstellungsserie, mit der das Bucerius Kunst Forum die in Europa selten gezeigte amerikanische Kunst des 19. Jahrhunderts vorstellen wird.
Die Freuden der Seeleute – Otto Dix
Aquarelle und Gouachen
16.6. – 9.9.2007
Als Meister der Neuen Sachlichkeit wurde Otto Dix in den Zwanziger Jahren berühmt und berüchtigt.
Sein künstlerischer Blick auf die Wirklichkeit ist vielschichtig und provoziert bis heute. Mit rund 100 Aquarellen und Gouachen bietet die Ausstellung – erstmals seit 30 Jahren in Hamburg – umfassenden
Einblick in die Bildwelten von Otto Dix. Seine Portraits und Milieustudien entfalten ein schillerndes Panorama menschlicher Existenz – einfühlsam und schonungslos, zart und drastisch, humorvoll und grotesk.
Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Otto Dix Stiftung, Vaduz, und vereint Hauptwerke aus öffentlichen und privaten Sammlungen.
Venus vom Esquilin, um 45 v.Chr.
Marmor
Höhe 1,55m
© Kapitolinische Museen, Rom
Zu den berühmtesten antiken Skulpturen gehört die Venus vom Esquilin. Ist diese Venus-Figur ein Portrait der Kleopatra, in Auftrag gegeben von Julius Caesar? Kritiker dieser These sagen, dass sich die Pharaonin niemals nackt hätte darstellen lassen. Gastkurator Bernard Andreae zeigt jedoch, dass der Künstler sie nach dem Vorbild ptolemäischer Figuren in ein hauchdünnes Gewand hüllte. Die antiken Skulpturen werden von Gemälden des 16. bis 19. Jahrhunderts umgeben, die Kleopatra als Göttin, Herrscherin, Geliebte und Femme fatale zeigen.
Bucerius Kunstforum
Ausstellungsfläche 450 m² im Erdgeschoss, 180 m² im Untergeschoss
Umfang ca. 40 Skulpturen und Objekte, ca. 20 Gemälde und ca. 50 Fotos und
Dokumente Leihgaben Die Leihgaben stammen aus international anerkannten Museen
sowie Privatsammlungen wie dem Museo Capitolino, Rom, den Staatlichen Museen zu Berlin, dem British Museum, London, dem Musée du Louvre, Paris, der Eremitage, St. Petersburg und der Casa Buonarroti, Florenz.
Ausstellungskonzept Bernard Andreae, Rom
Katalog Hrsg. von Ortrud Westheider und Karsten Müller, mit Beiträgen von
Bernard Andreae, Dorothee Gall, Günther Grimm, Heinz Heinen,
Ernst Osterkamp, François Queyrel, Karin Rhein, Claude Rolley,
Susan Walker und Guy Weill Goudchaux, ca. 192 S., Abbildungen
aller ausgestellten Werke, Hirmer Verlag, München, ca. € 19,90
Öffnungszeiten täglich 11 bis 19 Uhr
außer 24.12.2006
Café Canaletto Wolf Henning v. Kameke
T +49 (0)40/36 09 96 10, F +49 (0)40/36 09 96 11
info@cafe-canaletto.de, www.cafe-canaletto.de
Shop Buchservice Hilda Babette Tilmann
T +49 (0)40/36 09 96 12, F +49 (0)40/36 09 96 46
Eintrittspreise Erwachsene € 5,–
ermäßigt € 3,–
Gruppen ab 12 P. € 3,– p. P.
montags Einheitspreis € 2,50
Kinder unter 18 Jahren und Mitglieder des Bucerius Kunst Clubs:
Eintritt frei
Ausstellungsrundgänge Lunch Führung Mo, Mi, Fr 13 Uhr
Preis € 2,– zzgl. Eintritt
Brunch Führung So & feiertags 12 Uhr
Preis € 2,– zzgl. Eintritt
After Work Führung Di, Do 18 Uhr
Preis € 2,– zzgl. Eintritt
Gruppenführungen, Der Museumsdienst Hamburg
fremdsprachige und T +49 (0)40/428 13 10, F +49 (0)40/42 82 43 24
private Führungen, museumsdienst@kb.hamburg.de
Führungen für Schulklassen Tarife auf Anfrage
Bucerius Kunst Club Informationen zum Förderverein des Bucerius Kunst Forums unter
T +49 (0)40/36 09 96 31, info@buceriuskunstclub.de,
www.buceriuskunstclub.de
Kinder Kunst Club freitags von 15–17 Uhr und samstags von 10 –12 Uhr
Kinderführung mit anschließendem Malkurs zur Ausstellung
für Kinder von 6 bis 12 Jahren, Teilnahme € 5,–
Anmeldung unter T +49 (0)40/36 09 96 0, F +49 (0)40/36 09 96 36
oder kinder@buceriuskunstforum.de
Programm „Art & Business“ Informationen zu Empfängen und Sonderveranstaltungen
unter T ++49 (0)40/36 09 96 31
Musik und Literatur
© 2006 Bucerius Kunst Forum