ARMIN MUELLER-STAHL – SZENE UND ZEICHNUNG

MKG Hamburg

 

ARMIN MUELLER-STAHL – SZENE UND ZEICHNUNG
26. Januar bis 15. April 2007

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Stiftung öffentlichen Rechts
Steintorplatz
20099 Hamburg
Telefon: (040) 428 134 - 27 32
Telefax: (040) 428 134 - 28 34
E-Mail: service@mkg-hamburg.de
Internet:
www.mkg-hamburg.de

übermalte Drehbuchseite "Utz"



Ca. 100 von Armin Mueller-Stahl übermalte Drehbuchseiten zum Film „Utz“ werden in der Spiegelsaal-Galerie präsentiert, ergänzt um die Porzellanfigur „Der Sammler“. Die 35 cm hohe Figur wurde vom Chefdesigner der Meißener Porzellanmanufaktur, Peter Strang, entworfen und Armin Mueller-Stahl anlässlich der Premiere des Films „Utz“ 1991 in Dresden überreicht.
Armin Mueller-Stahl ist als Schauspieler, Musiker, Autor und Maler ein Multitalent – eine außergewöhnliche und überdurchschnittliche kreative Begabung: „Malen ist für mich wie Schauspielern und Schauspielern ist wie Zeichnen. Mein Leben lang habe ich Haltungen beobachtet und übertragen. Auf der Bühne, vor der Kamera oder auf dem Papier. Ich spiele und zeichne sie. Oder umgekehrt.“ Es sei dabei auch „ein therapeutischer Vorgang“, mit dem er „sich die Knoten aus der Seele“ malt.

 

 

Übermaltel Drehbuchseite 6 zum Film Utz


Mueller-Stahl zeichnet und malt seit Jahrzehnten: Gesichter, Charakterstudien, Figuren, Gesten, Szenen und Gedanken, Illustrationen zu literarischen Texten. In seinem Erinnerungsbuch „Unterwegs nach Hause“ überlegt er, welche seiner Begabungen er welchen Vorfahren zu verdanken hat: Das Malen und Zeichnen habe er sich von seiner Großmutter abgeguckt, die immer gezeichnet hat, auch beim Kochen. Auf Reisen hat er stets Stifte, Pinsel, Farben Tusche und den Skizzenblock dabei – als Mal- und Zeichenunterlagen nimmt er aber auch alles, was greifbar ist: Alte Drehbuchseiten, Briefe, Faxe, Pappe oder Leinwand. Weit über 1000 Bilder sind so über die Jahre entstanden.
Die erste Ausstellung fand zu seinem 70. Geburtstag (im Dezember 2000) im Filmmuseum zu Potsdam statt. Bis dahin wussten nur gute Freunde, dass Mueller-Stahl immer gemalt hat. 2001 erschien das Tagebuch „Rollenspiel“, das der Thomas-Mann-Darsteller während der Dreharbeiten zum Fernsehdreiteiler (Heinrich Breloer, Horst Königstein, 2000) in Worten und Zeichnungen führte – seit damals kennt seine große Fangemeinde den zeichnenden Mueller-Stahl.
Es erscheint ein Katalog in der Edition Braus (voraussichtlich 136 Seiten, Hardcover, Faksimile des Drehbuchs ca. 21 x 32 cm, € 29,90)
 

Übermalte Drehbuchseite 20 zum Film Utz


Die Farbenwelt der Meißener Porzellanfiguren ist in der neu aufgestellten Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe zu bewundern.

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm: Vorträge (u.a. die Auflösung des Rätsels um die Sammlung „Utz“), Musik Führungen mit Poesie. Anlässlich der Ausstellung wird der Film „Utz“ im Metropolis Kino gezeigt.


Übermalte Drehbuchseite 3 zum Film Utz

 

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Armin Mueller-Stahl

Geboren 17. Dezember 1930 in Tilsit / Ostpreußen
Aufgewachsen in Ostpreußen; 1938 Umzug nach Prenzlau bei Berlin
1949 – 53 Musikstudium (Geige) mit Abschluss Sternschen Konservatorium in Berlin
Ab 1952 als Schauspieler Engagement an der Volksbühne in Ostberlin
1952 – 56 malt das Bild „Skatrunde“ (letzte Übermalung 1991, „The war just started“)
Romane und Tagebücher
Kino- und Fernsehkarriere in Ostdeutschland (u.a. „Fünf Patronenhülsen“ (Frank Beyer, 1959/60), „Nackt unter Wölfen“ (Frank Beyer, 1963)
1967 / 68 Konzertreisen nach Westberlin und ins Ausland (Helsinki, Oslo, Kopenhagen, Wien, Warschau, Kairo), auch mit selbst geschriebenen Liedern und Versen.
1976 Nach dem Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns zunehmend „kaltgestellt“
1979 aus dem Land gedrängt


Zweite Karriere in Westdeutschland
1980 Veröffentlichung des ersten Romans: „Verordneter Sonntag“
Die erste große Rolle nach der Übersiedlung: In Rainer Werner Fassbinders „Lola“ (1981)
Oscar-nominierte Filme: Bittere Ernte (Agnieszka Holland, 1984), Oberst Redl (István Szabó, 1984)
Jüngster Film „Ich bin die Andere“ (Margarethe von Trotta, 2005)


Dritte Karriere in den USA
Filme u.a.: Music Box (Costa-Gavras, 1989), Avalon (Barry Levinson, 1990), Night on Earth (Jim Jarmusch, 1991), – die beiden letzteren wurden in den USA zu Kultfilmen
1997 Oscar-Nominierung für die Rolle des Pianistenvaters Helfgott in „Shine“ (Scott Hicks, 1996).



Heute ist Armin Mueller-Stahl ein Künstler und Weltbürger mit Wohnsitzen an der deutschen Ostseeküste und in Los Angeles.

„Utz“ ¬

Ein exzentrischer Porzellansammler im kommunistischen Prag


1991 spielte Armin Mueller-Stahl eine seiner Lieblingsrollen, eine „Schweijk’sche Figur“: George Sluizers verfilmte den Roman „Utz“ von Bruce Chatwin, die Geschichte des schillernden, inmitten seiner unermesslich wertvollen Porzellansammlung im kommunistischen Prag lebenden Baron Kaspar von Utz. Der exzentrische Millionär zieht sich zurück in seine Porzellanwelt und überdauert dort zwei politische Systeme, den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Mit seinem Schatz ist er wertvoll geworden für den Staat. Weil er sich seine filigranen Kunstwerke nicht in kommunistischen Händen vorstellen kann, verhandelt er mit einem amerikanischen Galeristen über den Verkauf der Sammlung. Als er darüber stirbt, ist die Sammlung verschwunden und mit ihr die Haushälterin und die Ehefrau.

„Utz is my friend“ schreibt Armin Mueller-Stahl an den Rand eines Portraits im Drehbuch und kommentiert: „Ich habe selten so viel gemalt und gezeichnet wie bei den Dreharbeiten zu diesem Film, mindestens genau so viel wie bei den Manns, und vor allem bunt. Die Farbenwelt der Meißener Porzellanfiguren hat mich sehr inspiriert.“

Bei der Premiere des Films in Dresden bekam er einen eigenen „Utz“ aus Porzellan überreicht. Entworfen hat die 35 cm hohe Figur, die den Titel „Der Sammler“ trägt, der Chefdesigner der Meißener Porzellanmanufaktur, Peter Strang. 1992 erhielt Armin Mueller-Stahl für seine Darstellung des Baron Utz den Silbernen Bären.