PICASSO – MALEN GEGEN DIE ZEIT| Albertina Wien
PICASSO – MALEN GEGEN DIE ZEIT
22. SEPTEMBER 2006 – 7. JANUAR 2007
Albertina, Albertinaplatz 1, A-1010 Wien, Tel +43 1 53483-0, Fax +43 1 53483-430
Öffnungszeiten Museum
Montag 10 – 18 Uhr
Dienstag 10 – 18 Uhr
Mittwoch 10 – 21 Uhr
Donnerstag 10 – 18 Uhr
Freitag 10 – 18 Uhr
Samstag 10 – 18 Uhr
Sonntag 10 – 18 Uhr
Unter dem Titel »Picasso - Malen gegen die Zeit« widmet die Albertina mit rund 200 Werken
– Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafik und Skulpturen - von über 60 internationalen Leihgebern dem Alterswerk des spanischen Künstlers Pablo Picasso (1881 – 1973) eine herausragende
Ausstellung.
Werner Spies, ehemaliger Direktor des Centre Pompidou und bedeutendster Picasso-Forscher unserer Tage, unternimmt auf der Grundlage einer neuen These und entgegen dem Urteil
vieler Freunde und Zeitgenossen, bei denen dieses späte Werk zunächst auf Unverständnis stieß, eine neue Bewertung des Spätwerks.
Spies konstatiert einen auffälligen Gegensatz zwischen einer furiosen, oft skizzenhaftexpressiven Malerei und einer erzählfreudigen, akribisch ausgeführten Grafik. Hinter dieser
Trennung in einen wilden »Stil des Malers« und in einen reflektierenden »Stil des Grafikers« steht die panische Angst Picassos vor der immer knapper werdenden Lebenszeit.
Picasso segmentiert seine Arbeitszeit in gleiche Abschnitte, in denen je ein Werk entsteht:
ungeachtet der unterschiedlichen Größe. Nicht die Arbeitszeit, sondern die Geschwindigkeit ist dabei variabel, in der im immergleichen Zeitraum unterschiedlichste Formate und Aufgaben
bewältigt werden, von der kleinformatigen Radierung bis zum monumentalen Gemälde.
In den Motiven des späten Picasso treffen die Gegensätze jugendlicher Vitalität, Erotik und Schönheit auf die Wehmut des Alters und das Bewusstsein um die eigene Vergänglichkeit
aufeinander. Picasso greift in seinen Bildern existenzielle Fragen auf, die biografisch nicht zuletzt ihren Anlass im großen Altersunterschied zwischen dem alten Künstler und seiner um
45 Jahre jüngeren Frau, Jacqueline Roque haben.
Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina: »Unter den vielen bedeutenden Ausstellungen, die wir in der Albertina seit ihrer Wiedereröffnung gezeigt haben, ragt die aktuelle Picasso-
Eröffnung an Rang und Umfang heraus; vergleichbar unserer Dürer-Ausstellung 2003 oder Rubens-Schau 2004. Es handelt sich nicht um eine weitere Picasso-Ausstellung des ohnehin
an Ausstellungen reich gesegneten Künstlers. Mit der Konzentration und Neubewertung des letzten Jahrzehnts seiner Kunst, der Epoche-Jacqueline, präsentieren wir jene Periode, die
den größten Einfluss auf die zeitgenössische Kunst ausgeübt hat.
Gerade seine späte expressive Figuration, die Auseinandersetzung zwischen Alter, Jugend und Tod, grotesker Hässlichkeit und Schönheit, Verfall und Vitalität wurde zum Ausgangspunkt
der avancierten neuen Malerei: von Georg Baselitz bis zum späten Philip Guston.«
WERNER SPIES: ZUR AUSSTELLUNG
Ein Stil des Malens, ein Stil des Zeichnens
Die »Aktualität« des späten Picasso, die in einer Reihe von Ausstellungen die wilde und expressive Malweise der Kunstszene legitimieren sollte, erscheint oberflächlich, ja als Fälschung. Etwas Entscheidendes wird dabei übersehen: Dem »wilden« Picasso stand immer, auch in den allerletzten Jahren, ein reflektierender Picasso entgegen, der in den Zeichnungen seine Erinnerung und sein Metier souverän einsetzte. Der Gegensatz, auf den wir treffen, ist so auffällig und so bedeutend, dass man sich nach einer Begründung umsehen möchte.
Offensichtlich steht hinter Picassos Trennung in einen Stil des Malers und in einen Stil des Zeichners die panische Angst vor der auslaufenden Zeit.
Ein Wettlauf gegen den Tod
Entsetzen und Widerstand gegen Altern und Tod spiegeln sich in der Organisation der Arbeitszeit wider. Das Werk, das Picasso täglich hervorbringt, erscheint als Aufstand gegen die Zeitlichkeit und gegen das Verschwinden. Diese Verwendung von Zeit führt in die »Zeit von Mougins«, in das Atelier von Notre-Dame-de-Vie. Man hat den Eindruck, als stehe der ständige Blick auf die Uhr im Vordergrund. Für jede dieser täglich erneut erbrachten Aktionen vor der Staffelei oder auf dem Zeichenblatt setzt der Künstler ein bestimmtes Quantum an Zeit ein.
Ausgehend von diesem immer gleichen Maß an Zeit, das der Künstler in eine Arbeit investiert, entsteht ein Gemälde, eine Zeichnung, eine Radierung oder eine Skulptur. Das Pensum, vor das den Maler ein großes Bild stellt, ist quantitativ und organisatorisch umfassender als der Aufwand für eine Zeichnung.
Rastlos vor der Leinwand
Aus diesem Grunde kann ein Gemälde, für das – nach diesem Gesetz – nicht mehr Zeit zur Verfügung steht als für eine Radierung, nicht die detaillierte Ausarbeitung erfahren, auf die
wir in den grafischen Arbeiten der Spätzeit durchgehend treffen. Die Rastlosigkeit hat es– und das zeigen die späten Bilder, die mit allen Fasern an Sinnlichkeit und Umarmung hängen, die Kuss und Kopulation in Großaufnahmen zeigen – darauf abgesehen, den Tod zu exorzieren.
Wir treffen auf eine Raserei, die der eines Pollock oder de Kooning in nichts nachsteht. Sie führt zu den offenen Bildern. Kein Teil der Leinwand wird dabei privilegiert.
Liebesszenen, Selbstporträts, Aktfiguren
Alles drängt nach Schnelligkeit und Abkürzungsverfahren. In diesem Zusammenhang entwickelt Picasso eine Art von Hieroglyphensprache, die kürzelhaft das Thema ausspricht. Das
»fa presto«, zu dem er greift, lässt immer wieder ganze Partien des Bildes unbearbeitet, weiß.
Dieses Vorgehen tendiert zur Formauflösung. Farbflächen überschneiden sich unregelmäßig, mischen sich. Die Gemälde konzentrieren sich so gut wie ausschließlich auf die Darstellung
einer Figur oder eines Paares. Es gibt wenige Motive: Maskerade der Mantel- und Degenstücke (Bilder von Musketieren), Selbstporträts, pastorale Liebesszenen, das Thema vom
ungleichen Liebespaar, Aktfiguren. Aus der Rückschau zeigt es sich, dass Picasso dominante Themen der Zeit zum Ausdruck bringt.
Akribisch in der Zeichnung
In den Zeichnungen und Druckgrafiken führt der Künstler eine akribische Technik fort. Kontur und zeichnerische Details bleiben weitgehend genau und scharf notiert. Denn was in diesen
Medien, bei der Arbeit am kleineren, konzentrierten Format als Zeit zur Verfügung steht, verwandelt sich hier in Details und Genauigkeit. Auch die unterschiedliche Thematik wird von
diesem Zeittakt geregelt. In den späten Zeichnungen herrscht eine einzigartige Erzählfreude vor.
Die Ausstellung »Picasso – Malen gegen die Zeit« versucht, diesen Fragen – Fragen der Technik, der Ikonografie und der Verankerung in der Kunstgeschichte – nachzugehen. Rund 70 Gemälde,
40 Zeichnungen, 80 Druckgrafiken und mehrere Skulpturen unterstreichen die Dialektik, die das zeichnerische und malerische Werk in den »Jahren in Mougins« vortragen.
DIE THEMEN DER AUSSTELLUNG
Paraphrasen zu Manets »Frühstück im Grünen«
Eine wichtige Rolle in Picassos Schaffen spielen immer wieder Paraphrasen nach berühmten Meisterwerken der Kunstgeschichte, darunter Werke von Lukas Cranach, Poussin, von Velázquez
und Delacroix. Zwischen August 1959 und Juli 1962 beschäftigt sich Picasso intensiv mit Manets »Das Frühstück im Grünen« (1863) und schafft 27 Gemälde, über 150 Zeichnungen
und Druckgrafiken sowie mehrere Skulpturen. Der Künstler behält die von Manet vorgegebe arkadische Grundstimmung bei, variiert und paraphrasiert die Vorlage jedoch in zahlreichen Varianten und formt sie nach eigenen Prinzipien um.
Der Maler und sein Modell
Diese Thema gehört zu Picassos bevorzugten Motiven und durchzieht sein gesamtes Oeuvre, manifestiert sich jedoch verstärkt im letzten Lebensjahrzehnt.
Für Picasso stellt »Maler und Modell« den existenziellen Konflikt zwischen Kunst und Leben, zwischen Realität und Illusion dar, ist gleichzeitig Symbol der Geschlechterbeziehung. Picasso
schafft in diesem Thema in verblüffender Vielfalt eine Welt, die zwischen Zärtlichkeit und Vergewaltigung des Modells sowie zwischen Stolz und Selbstzweifel des Künstlers pendeln.
Akte
Es sind Einzelfiguren, menschliche Archetypen, ruhende Figuren, die Picasso vor allem ab 1963 bevorzugt darstellt. Er bezieht sich dabei auf Venus-Darstellungen von Tizian und Velásquez.
Seine Odalisken, die auf Kissen ruhen oder in Selbstbetrachtung versunken in den Spiegel blicken, sind von Ingres »Türkischem Bad« inspiriert.
Die Akte in seinen Gemälden sind junge, sinnliche Frauen, deren Körper durch ihren geradezu übermenschlichen Maßstab den Bildraum sprengen.
In Zeichnung und Druckgrafik trifft man auch auf ältere oder vom Verfall gezeichnete Frauen, die oft auch in narrative Szenerien eingebunden sind: Kapriziöse Schönheiten werden von
Orientalen oder Musketieren bestaunt. Satyrhafte Greisengesichter betrachten genüsslich sinnliche Körper. Picasso lässt in der Grafik spöttische Elemente oder das Motiv vom ungleichen Paar einfließen und konfrontiert sich hier offener mit dem Alter.
Musketier und Torero
Zwei männliche Typen kehren im Spätwerk Picassos immer wieder: Torero und Musketier.
Beide symbolisieren für den Künstler den Inbegriff der Männlichkeit, stehen als Sinnbild für Kraft und Überlegenheit, verkörpern den furchtlosen Kämpfer und stolzen Edelmann.
In diesen Figuren kompensiert Picasso die eigene Hinfälligkeit mit Bildern ebenso stolzer wie skurriler Virilität. Der Stierkämpfer führt dabei gleichsam als Trophäe und nicht als gleichwertiges
gegenüber eine unbekleidete Schönheit mit sich. Dadurch unterstreicht er Kraft und Mut des Toreros, weist aber auch auf die Gegensätze Stärke, Schwäche, Frau und Mann, Liebe und
Gewalt hin.
An der schrulligen Vitalität seiner Musketiere versuchte sich Picasso vor allem nach seiner schweren Operation 1966 aufzurichten. Gierig auf Abenteuer aus sitzen seine Musketiere im
Bildraum oder finden sich neben einer Schönheit, um deren Aufmerksamkeit sie buhlen oder rauchen genüsslich Pfeife, deren besondere Länge auffällt.
Späte Zeichnungen
Der Zeichnung hat sich Picasso Zeit seines Lebens intensiv gewidmet. Vieles, was er in Malerei und Skulptur ausführt, erprobt er zuvor auf dem Papier, variiert und transformiert es vielfach. Zum einen nähert er sich in seinen späten Zeichnungen seinem Malstil an: Pinselzeichnungen, Tusche oder Gouache zeigen dieselbe Spontaneität und den schnellen-expressiven Duktus
seiner Gemälde. Zum anderen sind seine Blei-, Buntstift oder Federzeichnungen von stupender Präzision, Akribie und großer Erzählfreude geprägt.
Druckgrafik – Suite 347 und Suite 156
Die für einen Maler, Zeichner und Bildhauer enorme Zahl von über 2000 Druckgrafiken zeigt die außerordentliche Bedeutung, die diesem Medium im Werk Picassos zukommt.
Gerade im Alterswerk ist Picasso in der Druckgrafik enorm produktiv. 1968 schuf er innerhalb weniger Monate einen Zyklus von 347 radierten Blättern, die »Suite 347«. Die zweite große
»Suite 156« entsteht zwischen Januar 1970 und März 1972. Die beiden Zyklen bilden den Höhepunkt in seinem druckgrafischen Schaffen betreffend Kreativität, technischer Virtuosität
und Lust am Experimentieren.
Hier manifestiert sich auch sein unerschöpflicher Einfallsreichtum, wobei nahezu alles um das Thema der Erotik kreist: Motive aus der Welt des Zirkus, der Mantel- und Degenkomödie,
des Bordells, Zitate nach berühmten Künstlern wie Rembrandt, Velázquez oder Ingres. Picasso selbst sieht sich in seinen Arbeiten als Kind, Greis, Liebhaber, Maler, Musketier, Voyeur oder
lächerlicher Clown.
Klappskulpturen
Plastiken begleiten von Anfang an Picassos malerisches und zeichnerisches Werk. In seinen letzten Jahren findet er zu einer Arbeitsweise, die ungeheuer ökonomisch ist und ein Maximum an
Produktivität in kurzer Zeit erlaubt:
Picasso zeichnet die Sujets auf Papier oder Karton, schneidet diese dann aus und falzt das Papier in der gewünschten Form. Die Modelle lässt er maßstabsgetreu von Handwerkern aus
Metallblech ausführen und bemalt die so entstandenen Skulpturen selbst.
Endzeit
Die Vereinsamung wird in Picassos letzten Bildern das zentrale Motiv. Monumentale bedrohliche Figuren beherrschen den Bildraum. Picasso verzichtet auf Details und eine präzise Wiedergabe von Form und Körper. Die Farben werden immer schriller, farbige Gerinsel, Schrunden und Schorf überziehen die Bildfläche, ganze Partien bleiben unbearbeitet. Der Wechsel zwischen materieller Dichte, Leerzonen und flüchtiger Lavierung verleiht den Bildern ihre ungeheure Spannung.
PABLO PICASSO: BIOGRAFIE
1881 Pablo Ruiz Picasso wird am 25. Oktober in Málaga als erstes Kind von Don José Ruiz Blasco und Maria Picasso Lopez geboren.
Der Vater ist Maler und Lehrer an der Kunst- und Gewerbeschule San Telmo.
1891 Erste Malversuche unter Anleitung des Vaters
1895 Umzug der Familie nach Barcelona
1901 Beginn der Blauen Periode
1904 Picasso lässt sich in Paris nieder
1905 Beginn der Rosa Periode
1909 Beginn des Analytischen Kubismus
1912 Beginn des Synthetischen Kubismus
1917 Reise nach Rom und damit Beginn der klassizistischen Periode.
Lernt die Tänzerin Olga Khokhlowa kennen, die er 1918 heiratet.
1921 Geburt des Sohnes Paolo
1927 Picasso lernt Marie-Thérèse Walter kennen, die seine Geliebte und Modell wird
1935 Trennung von Olga; Geburt der Tochter Maya
1937 Picasso malt Guernica für den Spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung.
Er verbringt den Sommer in Mougins mit Dora Maar, die neben Marie-Thérès Walter seine Geliebte und sein Modell wird.
1939 Große Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art.
1946 Verbindung mit Françoise Gilot
1947 Geburt des Sohnes Claude
1949 Geburt der Tochter Paloma
1953 Françoise Gilot verlässt Picasso und zieht mit den Kindern nach Paris.
Erste Begegnung mit Jacqueline Roque.
1961 Heirat mit Jacqueline Roque. Übersiedlung nach Mougins in
das Haus Note-Dame-de-Vie in den Bergen über Cannes.
Die Kunstwelt feiert am 25. Oktober den 80. Geburtstag von Picasso.
1963 Eröffnung des Museo Picasso in Barcelona
1965 Picasso muss sich im November in Paris einer schweren und
lebensbedrohlichen Operation unterziehen.
1966 Nach seiner Genesung beginnt Picasso im Frühjahr wieder zu arbeiten.
Seine Themen sind arkadisch-idyllische Menschen oder solche der weit zurückliegenden Geschichte.
Anlässlich seines 85. Geburtstages findet in Paris die bis dahin
größte Retrospektive »Hommage à Pablo Picasso« statt.
Fast eine Million Besucher sehen die Retrospektive.
1967 Erste Ausstellung der Skulpturen und Keramiken in der Tate Gallery in London und im Museum of Modern Art in New York.
1968 Von März bis Oktober schafft Picasso die Suite 347, eine Serie von 347 Radierungen mit Motiven aus der Welt des Zirkus, des Stierkampfs, des Theaters und der Commedia dell’arte. Gegen Ende des Jahres entstehen wieder Bilder mit rauchenden »Musketieren«.
1969 Picasso widmet sich intensiv der Malerei – Köpfe, Liebespaare, Männer mit Degen oder Pfeife entstehen.
1970 Das Spätwerk wird im Papstpalast von Avignon mit 167 neuen Bildern und 45 Zeichnungen gezeigt. Die Ausstellung entfacht heftige Diskussionen und wird nur zögerlich aufgenommen.
1971 Picasso wird zu seinem 90. Geburtstag vielfach geehrt. Georges Pompidou eröffnet im Louvre eine ihm gewidmete Ausstellung.
Eine Ehre, die bis dahin noch keinem lebenden Künstler zuteil wurde.
1972 In schnellem Rhythmus entstehen zahlreiche liegende Frauenakte, Darstellungen von Umarmungen und Musketiervariationen. Im Sommer zeichnet Picasso Selbstbildnisse, in denen der Kopf als Totenschädel mit expressiv geweiteten Augen erscheint.
1973 Am 8. April stirbt Pablo Picasso in Mougins im Alter von 91 Jahren.
WERNER SPIES: BIOGRAFIE
Porträt Werner Spies, 2006
Foto: Albertina (Alexander Ch. Wulz)
Kurzbeschreibung Buch
Eine profunde Neubewertung von Picassos furiosem Spätwerk, das den größten Künstler des 20. Jahrhunderts im Wettlauf mit der ihm noch verbleibenden Zeit zeigt.
Pablo Picasso hat die Kunst des 20. Jahrhunderts so nachhaltig geprägt wie kein zweiter. Unter den zahlreichen Phasen und Stilperioden in seinem Schaffen nimmt das Alterswerk eine besondere Stellung ein. Seine späten Bilder, die mit allen Fasern an Sinnlichkeit und Umarmung hängen, die Kuss und Kopulation in Großaufnahmen zeigen, sind geprägt von einer großen Rastlosigkeit, die darauf zielt, den Tod zu exorzieren. Den meisterhaft schnellen, »wilden« Gemälden stehen technisch akribisch ausgeführte Zeichnungen gegenüber, in denen eine einzigartige Erzählfreude vorherrscht. Der Band, herausgegeben von Werner Spies, dem ehemaligen Direktor des Pariser Centre Georges Pompidou und bedeutendsten Picasso-Forscher unserer Tage, beleuchtet anhand von fast 200 Werken – Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen – die besondere Arbeitsweise und Dialektik von Picassos später Kunst. Vor allem der spannungsvolle Dialog von Malerei und Zeichnung, entwickelt in den Jahren in Mougins, zeigt den größten Künstler des 20. Jahrhunderts im Wettlauf mit der ihm noch verbleibenden Zeit.
Über das Produkt
Eine profunde Neubewertung von Picassos furiosem Spätwerk, das den größten Künstler des 20. Jahrhunderts im Wettlauf mit der ihm noch verbleibenden Zeit zeigt.
Pablo Picasso hat die Kunst des 20. Jahrhunderts so nachhaltig geprägt wie kein zweiter. Unter den zahlreichen Phasen und Stilperioden in seinem Schaffen nimmt das Alterswerk eine besondere Stellung ein. Seine späten Bilder, die mit allen Fasern an Sinnlichkeit und Umarmung hängen, die Kuss und Kopulation in Großaufnahmen zeigen, sind geprägt von einer großen Rastlosigkeit, die darauf zielt, den Tod zu exorzieren. Den meisterhaft schnellen, ¯wilden® Gemälden stehen technisch akribisch ausgeführte Zeichnungen gegenüber, in denen eine einzigartige Erzählfreude vorherrscht.Der Band, herausgegeben von Werner Spies, dem ehemaligen Direktor des Pariser Centre Georges Pompidou und bedeutendsten Picasso-Forscher unserer Tage, beleuchtet anhand von fast 200 Werken Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen die besondere Arbeitsweise und Dialektik von Picassos später Kunst. Vor allem der spannungsvolle Dialog von Malerei und Zeichnung, entwickelt in den Jahren in Mougins, zeigt den größten Künstler des 20. Jahrhunderts im Wettlauf mit der ihm noch verbleibenden Zeit. Ausstellungen: Albertina, Wien 21.9.2006- 7.1.2007 K20 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 3.2.- 28.5.2007
Werner Spies (* 1. April 1937 in Tübingen) ist ein deutscher Kunsthistoriker, Romanist, Journalist und Museumsdirektor.
Er publizierte zahlreiche Monografien zur Kunst des 20. Jahrhunderts und betreute Ausstellungen zum
Surrealismus und den Künstlern Max Ernst und Pablo Picasso.
Leben
Werner Spies besuchte die Volksschule in Rottenburg am Neckar; ab dem Jahr 1952 das Albertus-Magnus- Gymnasium in Rottweil. In den Jahren 1956 – 1958 war er Volontär bei der in Rottweil erscheinenden Zeitung »Schwarzwälder Volksfreund«. Im Jahr 1958 arbeitete er als Redakteur für das Feuilleton der Stuttgarter Zeitung.
Er studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Romanistik in Wien, Tübingen und Paris. In Paris lernte er zahlreiche französische Autoren wie Samuel Beckett, Nathalie Sarraute, Michel Butor, Alain Robbe-Grillet, Claude Simon, Marguerite Duras, Francis Ponge, Robert Pinget und Monique Wittig kennen. Seit 1960 in Paris wohnhaft, ließ er sich dort im Jahr 1962 nieder und arbeitete als Kulturkorrespondent für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er beeinflusste »… mit seinem prägnanten Argumentationsstil eine ganze Generation von Kunsthistorikern.
Für den Süddeutschen Rundfunk gab er bei ihm bekannten und befreundeten Schriftstellern eigens für den Hörfunk erstellte Prosatexte in Auftrag, denn die bisherigen Hörfunkbearbeitungen mißfielen ihm. In dieser Zusammenarbeit entstand beispielsweise das erste Hörspiel Samuel Becketts für den deutschen Rundfunk.
Als Übersetzer übertrug Werner Spies Werke von Alain Robbe Grillet, Marguerite Duras, Francis Ponge und Jean Tardieu. Die Begegnungen mit Daniel-Henry Kahnweiler und Pablo Picasso wirkten sich entscheidend auf sein weiteres Leben aus. Mit Max Ernst, den er im Jahr 1966 kennenlernte, verband ihn bis zu dessen Tod im Jahr 1976 eine tiefe Freundschaft. Werner Spies beschloss sein Studium mit einer Dissertation über die Collagen von Max Ernst.
Lehre, Kuratorenamt und Herausgeberschaft
In den Jahren 1975 bis 2002 hatte Werner Spies den Lehrstuhl für die Kunst des 20. Jahrhunderts an der Kunstakademie Düsseldorf inne. Von 1997 bis zum Jahr 2000 war er Direktor des Centre Georges Pompidou in Paris und war dort verantwortlich für die Neugestaltung des Museums und für die Präsentation der Sammlungen.
Für das Centre Georges Pompidou organisierte er die Ausstellungen »Max Ernst, sculptures, maisons, paysages«
im Jahr 1998, »Picasso sculpteur« im Jahr 2000 und »La Révolution surréaliste« im Jahr 2002, die anschließend in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf gezeigt wurde. Werner Spies ist Vorsitzender des Stiftungsrates und des Kuratoriums der »Stiftung Max Ernst« in Brühl und verantwortlich für das am 4. September
2005 in Brühl eröffnete Max-Ernst-Museum. Im Auftrag von Max Ernst und der »Menil Foundation« in Houston/Texas betreute er gemeinsam mit Sigrid und Günter Metken als Herausgeber den Oeuvrekatalog von Max Ernst. Die Künstler Pablo Picasso und Daniel- Henry Kahnweiler beauftragten ihn den Oeuvrekatalog der Skulpturen Picassos zu erstellen. Im Jahr 1968 war
Werner Spies Mitglied der Jury der 4. documenta. Als Kommissar der »Ausstellung Max Ernst« im Grand Palais in Paris war er im Jahr 1975 tätig, im Jahr 1978 war er Kommissar der Ausstellung »Paris-Berlin« im Centre Georges Pompidou.
Er organisierte zahlreiche Ausstellungen, so über den deutschen Künstler Josef Albers, über Max Ernst und zu den Skulpturen, Aquarellen, Pastellen und Zeichnungen von Picasso. Weitere Picasso-Ausstellungen fanden zu den Themen »Die Zeit nach Guernica« oder »Picasso – die Welt der Kinder« statt. Die Retrospektive zu Max Ernst im Metropolitan Museum of Art in New York des Jahres 2005 betreute er ebenfalls. Im Jahr 2006 ist Werner Spies für die Ausstellung »Picasso - Malen gegen die Zeit« in der Albertina in Wien zuständig; diese Ausstellung wird
anschliessend in der »Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen« in Düsseldorf gezeigt.
Werner Spies ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Ehrungen
Werner Spies bekam zahlreiche Preise verliehen; so den »Johann-Heinrich-Merck-Preis« der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die »Wilhelm Hausenstein-Ehrung« der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und den »Premio internazionale arte et letterature Sergio Polillo«, der in Bergamo verliehen wird. Im
Jahr 2001 wurde ihm die Goethe-Medaille verliehen, im Jahr 2003 erhielt er den »Elsie-Kuhn-Leitz-Preis« der deutsch-französischen Gesellschaften und den Preis der ART Cologne.
Die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin wurde Werner Spies im Mai des Jahres 2003 verliehen, im Februar 2005 folgte der Ehrendoktor der Universität Tübingen.
Zudem trägt Werner Spies noch die Titel eines »Commandeur des Arts et des Lettres« und eines »Commandeur de l’Ordre national du Mérite«; er ist Offizier der französischen Ehrenlegion und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes.

Werner Spies und Pablo Picasso, 1970
Foto: Werner Spies
AUFSATZ ZUR AUSSTELLUNG: PICASSO - MALEN GEGEN DIE ZEIT
»Malen gegen die Zeit« – der Untertitel der aktuellen Ausstellung weckt im ersten Moment Assoziationen des unablässigen Revolutionärs und Neuerers, als der Picasso in die Kunstgeschichte
eingegangen ist. Und tatsächlich hat dieser bis heute berühmteste Künstler des 20. Jahrhunderts, indem er immer wieder mit stilistischen Wendungen die Erwartungen seiner Zeitgenossen brüskierte, auch gegen jene Moderne malend angekämpft, deren
Impulsgeber und zentrale Figur er selber gewesen ist.
In der von Werner Spies kuratierten Ausstellung meint »Malen gegen die Zeit« jedoch primär nichts Kunsthistorisches, sondern eine allgemein menschliche, geradezu psychologische Dimension. Denn in seinem Alterswerk, das in Wien erstmals gattungsübergreifend zusammengetragen wurde, zeigt sich, wie für Picasso sein Altern selbst zum Problem wurde, wenn nicht
zum symptomatisch und implizit beherrschenden Thema seiner Arbeit. So wird es möglich, die Zusammenschau der letzten 10 Lebensjahre nicht nur als spezielle Personale, sondern zugleich wie eine Themenausstellung wahrzunehmen. Und dabei etwas nachvollziehend zu erleben, was aktuell jeden Einzelnen ebenso wie die Gesellschaft in einer nie zuvor dagewesenen
Intensität bewegt: das Anarbeiten gegen das Altern, die energische Zurückweisung der eigenen Endlichkeit, das hoch aktive Festhalten der Jugend. Wir alle leben heute gegen die
Zeitlichkeit – in genau diesem Sinne malte Picasso in seinem letzten Jahrzehnt »gegen die Zeit«. Er schuf damit eine an Nuancen und Facetten reiche, in Hunderten von Gemälden,
Druckgrafiken und Zeichnungen schier unerschöpfliche Phänomenologie der Vitalität. Sich in deren Lektüre einzulassen, hat eine geradezu erschreckende Aktualität.
Nicht die Magie der runden Zahl motiviert den zeitlichen Ausschnitt aus dem Gesamtwerk, vielmehr hat Picasso selbst als Achtzigjähriger ein neues Leben begonnen. Noch einmal eine
jüngere Frau geheiratet, noch einmal eine neue Villa bezogen. Immer wieder neu anzufangen war ein Elan dieses Künstlers, der sich in seinem vielgestaltigen Werk eben so spiegelt wie in seinem Leben. Aus dieser Spiegelung leuchtet der ewig junge Greis, der sich gern im Morgenmantel ablichten ließ und immer deutlichere erotische Szenen skizzierte, als jene Heldenfigur der Vitalität und Kraft hervor, die sich als mythisches Bild vom »Genie« und
»Jahrhundert-Künstler« im öffentlichen Gedächtnis nachhaltig verankerte. Der alte Torero wollte nicht aufgeben und wurde dafür von seinen Zeitgenossen so sehr geschmäht wie in den Himmel gehoben. Schließlich war er alt genug, um bei Lebzeiten schon eine Legende zu sein, wenn auch ein Heiliger des Eros.
In Wien waren bisher nur Picasso-Ausstellungen aus Privat-Sammlungen zu sehen, die entsprechend geprägt waren von individuellen Vorlieben und wechselndem Sammlerglück.
Die Schau in der Wiener Albertina stellt sich – dem Temperament ihres Direktors Klaus Albrecht Schröder entsprechend – eine ehrgeizigere Aufgabe: Ein neues Verständnis, eine neue Sichtweise und eine neue Bewertung des Spätwerks sollen der bisherigen kunstgeschichtlichen Rezeption entgegen gehalten werden. Kein Geringerer als der ehemalige Direktor des Pariser Centre Pompidou und durch zahlreiche Publikationen ausgewiesene Picasso-Experte
Werner Spies wurde als Kurator gewonnen. Spies, der Picasso noch persönlich kannte, erhält damit die Gelegenheit, die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschungsarbeit in Wien vorzustellen und seine theoretischen Thesen damit zugleich einer Überprüfung vor den Originalen durch ein internationales Fachpublikum auszusetzen.
Wie sehr es an der Zeit ist, das Spätwerk Picassos aus dem nun gewonnenen historischen Abstand mit neuen Augen zu betrachten, wird aus dem Katalog deutlich, der dessen Rezeptionsgeschichte erzählt. Von der zeitgenössischen Kritik wurde der Achtzigjährige mit Schmähungen und Häme übergossen – es ist verstörend, die Artikulationen jener geballten Wut nachzulesen, die einer auf sich zog, der es wagte, auch noch hoch betagt sein Werk weiter zu entwickeln.
Als anerkannter Vater der Moderne war er zum imaginären Übervater nachrückender Generationen von Künstlern geworden, deren vatermörderischer Brutalität man nur zugute halten kann, dass es tatsächlich überaus schwer gewesen sein muss, aus Picassos Schatten herauszutreten. Konfrontiert mit dem Vorwurf, der Greis sei wohl zu zittrig, um noch den Pinsel in der Hand halten zu können, ergriff Picasso ein Blatt und einen Bleistift und zeichnete mit ruhiger Hand in einem Schwung einen perfekten Kreis. Unverstandener hatte er sich nicht einmal in seinen Jugendjahren gefühlt. Sein Spätwerk wurde als Symptom der Vergreisung abgetan.
Tatsächlich wurde seine Malerei immer wilder und unkonventioneller. Dies führte nach seinem Tode dazu, dass in den 80er Jahren eine erste Phase der Neubewertung des Spätwerks einsetzte. Die »Neuen Wilden« entdeckten den späten Picasso für sich als Kronzeugen, Vorläufer und Inspirator. Sie machten den »Alten Wilden« gleichsam zum Avantgardisten
ihrer »neuen Malerei«. Aus heutiger Sicht, nachdem auch die Jungen Wilden nicht mehr jung sind, sondern Geschichte, war diese Art der Rezeption allzu funktionalisierend, aus dem
Interesse des Augenblicks geboren und entsprechend verkürzend. Sie wurde jedoch von Ausstellungen gestützt, welche die Ölmalerei der späten Jahre vom zeitgleich entstandenen
graphischen Werk isolierte.
An diesem Punkt setzt die kritische Revision durch Kurator Werner Spies an, deren Konzept sich nun in der Wiener Ausstellung manifestiert: Diese stellt erstmals den Gemälden die gleichzeitig entstandene Grafik an die Seite. Erstaunlicher Weise zeigt letztere eine zur Wildheit der Malerei gegenläufige Tendenz – sie ist voller Genauigkeit, ja geradezu Akribie. Erst gemeinsam betrachtet, ergibt sich ein korrektes Gesamtbild vom »alten Picasso«. Wie
Werner Spies anhand der Auswertung der Tagebücher zeigen kann, ist dieser Gegensatz von Malerei und Grafik kein zufälliger, sondern folgt einem Konzept der Zeitökonomie, mit dem
der Künstler auf die zunehmende Knappheit seiner Lebenszeit reagiert. Picassos Produktion legt an Geschwindigkeit zu, dies zwingt ihn zur Steigerung der Verdichtung, zur Reduktion
auf das Wesentliche, zu einem weiteren Schritt der Befreiung von malerischen Konventionen und zur Weiterentwicklung des seriellen Verfahrens in seiner Arbeit. Auf das zunehmende Gefühl des Zeitdrucks reagiert der Maler mit Konzentration und Pointiertheit. Dem ewig Jungen ist sein Altsein neu, und in dem er darauf reagiert, wird er als Achtzigjähriger erneut zum Innovator, erneut zum Unverstandenen und Geschmähten.
In Kenntnis dessen, was nach Picasso die Kunst bewegte, kann man auch zahlreiche weitere Aspekte dieses Spätwerks mit anderen Augen sehen und neu entdecken. Heute käme niemand
mehr auf die Idee, serielle Kunst als Wiederholsamkeit des Greisenalters zu verdächtigen. Das immer wieder aufgenommene Motiv des »Malers mit seinem Modell« erscheint uns heute
nicht mehr als Klischee des 19. Jahrhunderts, sondern als Selbstthematisierung eines Mediums, als Reflexion der Produktionsbedingung von Kunst und Befragung des impliziten
Geschlechterverhältnisses der Malerei. Der Abstand ermöglicht einen neuen Blick auf Picasso, insbesondere auf das, was Picasso selber sein Leben lang getan hat: einen neuen Blick zu werfen,
auf die Welt und auf die Kunst.
AUSSTELLUNGSVORSCHAU HERBST 2006 – FRÜHJAHR 2007
Pioniere der Daguerreotypie in Österreich 22.9. – 19.11.2006
Die neue Technik der Daguerreotypie, die 1839 in Paris öffentlich gegeben wurde, erregte international Aufregung und bewirkte eine fieberhafte Beschäftigung mit den »Lichtbildern«.
Für Österreich war es der Chemiker und Physiker Andreas von Ettingshausen, der das neue Medium als erster anwandte.
Neuentdeckungen sowie außerordentliche Erwerbungen ermöglichen nun, über die rasante Entwicklung der Lichtbildkunst in Österreich, einen Überblick zu geben. Viele der experimentellen Studien konnten erstmals zugeschrieben werden und zeigen ein völlig neues Bild von der Vorgangsweise der Pioniere der Daguerreotypie.
Franz Gertsch
20.10.2006 – 7.1.2007
Die Ausstellung eines der bedeutendsten Schweizer Künstler der Gegenwart konzentriert sich auf Werke aus den letzten beiden Jahrzehnten, besonders auf die monumentalen, farbigen Holzschnitte. In diesen fotorealistischen Arbeiten kommt der Künstler zu einer ungeahnten Annäherung an das Naturvorbild, löst sich von diesem zugleich jedoch durch die Umsetzung der Vorlage in den Holzschnitt und die abstrahierende monochrome Farbgebung.
Franz Gertsch gewinnt so der alten Technik vollkommen neuartige Ausdrucksmöglichkeiten ab.
Andy Warhol
24.11. 2006 – 18.2.2007
Die Ikone der Pop-Art, Andy Warhol, porträtiert die Ikonen der englischen, französischen und amerikanischen Pop- und Rockszene: In den 70er und 80er-Jahren hat Warhol Stars wie die Beatles, Mick Jagger, Keith Richards, Liza Minelli, Aretha Franklin oder Ron Wood gezeichnet.
Die Albertina zeigt - weltweit zum ersten Mal – ca. 50 Handzeichnungen und Collagen, die zum Großteil direkt aus der »Factory«, dem Atelier von Andy Warhol stammen.
Georg Baselitz: Remix
18.1. – 22.4.2007
Die Ausstellung präsentiert die Auseinandersetzung von Georg Baselitz mit seinem eigenen Werk der 60er- und frühen 70er-Jahre: Eine Neuinterpretation und Variation des längst legendären Frühwerks, wie etwa die Bilder seiner »Helden«. Den wütenden, kraftstrotzenden Arbeiten von früher, steht nun der in den Farben aufgehellte, heitere, mitunter auch selbstironische »Remix« gegenüber. Der 65-jährige Baselitz wagt sich daran, sein Können noch einmal zu überprüfen, folgt in dieser Variation unterschwellig dem Vorfahren dieser malerischen
Rekapitulation, Edvard Munch. Gezeigt werden rund 30 großformatige Gemälde und erstmals 60 dazugehörige Arbeiten auf Papier.
Die Arbeiten von Georg Baselitz stellen einen der wichtigsten Sammlungsschwerpunkte an Gegenwartskunst in der Albertina dar.
Biedermeier
Die Erfindung der Einfachheit
2.2. – 13.5.2007
Die Ausstellung »Biedermeier. Die Erfindung der Einfachheit« konzentriert sich auf eine Kerngruppe künstlerischer Arbeiten aus der Zeit zwischen 1810 und 1840, in denen die Elemente Einfachheit, natürliche Schönheit und Klarheit der Form vorherrschen und damit der neuen ästhetischen Vision bürgerlicher Kultur in Mittel- und Nordeuropa Gestalt geben.
Der Schwerpunkt dieser alle Gattungen umfassenden Darlegung eines in der Kunstgeschichte völlig neuen Stilprinzips liegt auf dem Wiener Biedermeier, doch werden, mit insgesamt über 350 Exponaten, auch die Parallelentwicklungen in München, Berlin, Dresden und Kopenhagen gezeigt.
»Biedermeier. Erfindung der Einfachheit« ist eine internationale Kooperation der Albertina, des deutschen Historischen Museum Berlin, des Milwaukee Art Museum und des Louvre Paris.
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